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Mietrecht : Was tun, wenn die Heizung kalt bleibt?

Wird es auch dann nicht warm, wenn der Mieter die Heizung bis zum Anschlag aufdreht, sollte er mit seinem Vermieter sprechen. Bild: dpa

Draußen sinken die Temperaturen. Da freut man sich auf die warme Wohnung. Doch was, wenn die Heizung nicht funktioniert? Wann muss der Vermieter für Wärme sorgen? Und welche Rechte und Pflichten haben Mieter beim Heizen?

          2 Min.

          In den Wintermonaten gibt es nichts Schöneres, als aus der eisigen Kälte in die bullerwarme Stube zu kommen und sich bei einer Tasse Tee aufzuwärmen. Ärgerlich nur, wenn die Heizung ihren Dienst versagt und sich die Wohlfühltemperatur in den eigenen vier Wänden nicht einstellen mag. Wer eine Gasetagenheizung oder einen Gas- oder Kohleofen besitzt, kann selbst entscheiden, wie warm er es haben möchte. Die meisten Mietwohnungen sind aber mit einer Zentralheizung ausgestattet. Und hier reguliert der Vermieter zentral die Heizanlage für das ganze Haus.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Frieren müssen Mieter trotzdem nicht. In der Heizperiode, die laut Deutschem Mieterbund vom 1. Oktober bis zum 30. April dauert, muss der Vermieter gewährleisten, dass in den Räumen eine Mindesttemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius erreicht werden kann - dabei darf es in Bad und Toilette gern etwas wärmer sein als in den Wohnräumen. Allerdings gilt das nur tagsüber, von 6 bis 23 Uhr. Nachtaktive müssen sich zwischen Mitternacht und Morgengrauen mit 18 Grad begnügen. Klauseln in Mietverträgen, die eine Temperatur von 18 Grad auch zwischen 7 und 21 Uhr für ausreichend erklären, sind unwirksam.

          Fällt die Heizung komplett aus oder kann der Mieter die vorgesehene Wärme selbst dann nicht erreichen, wenn er den Regler bis zum Anschlag hochdreht, sollte er zunächst den Vermieter darüber telefonisch und schriftlich informieren und ihn zur Beseitigung des Mangels in einer festgesetzten Frist aufrufen. Da ein Wohnungsmangel vorliegt, wenn die Heizung nicht sachgemäß funktioniert, ist der Vermieter für die Reparatur verantwortlich. Mieter sollten nicht auf eigene Faust einen Handwerker rufen, ohne vorab den Vermieter zu informieren, da sie dann gegebenenfalls auf den Kosten sitzenbleiben. Anders sieht es bei Notfällen aus oder wenn der Vermieter etwa am Wochenende nicht erreichbar ist.

          Bleibt die Heizung längere Zeit defekt, dürfen Bewohner die Miete kürzen. Allerdings hängt es stark vom Einzelfall ab, wie hoch die Mietminderung sein kann. So gewährte etwa das Amtsgericht Köln eine Kürzung von 20 Prozent bei einer Zimmertemperatur von 16 bis 18 Grad, während das Landgericht Hamburg bei einem kompletten Heizungsausfall während der Heizperiode sogar eine Mietminderung von 100 Prozent anerkannte.

          Auch an kalten Sommertagen muss der Vermieter die Heizanlage anstellen

          Unter Umständen können die Frierenden laut Mieterbund auch Schadenersatz fordern, etwa für den Kauf eines Elektroofens und für daraus resultierende, zusätzliche Stromkosten. Bleibt die Wohnung auf Dauer kalt und droht die Gesundheit des Mieters darunter zu leiden, darf er den Mietvertrag fristlos kündigen. Da es sich um eine Gesundheitsgefährdung handelt, wenn man die Wohnung nicht warm bekommt, verwirkt dieser Kündigungsgrund nicht. Das heißt, der Mieter kann sich auch im Juni noch darauf berufen und fristlos kündigen, wenn er im Januar gebibbert hat.

          Doch nicht nur während der Heizperiode, auch an kalten Sommertagen muss der Vermieter die Heizanlage anstellen. Und zwar spätestens dann, wenn die Zimmertemperatur tagsüber unter 16 Grad fällt. Ist es in der Wohnung zeitweise kälter als 18 Grad und absehbar, dass die kalte Witterung länger als zwei Tage anhält, muss er ebenfalls einheizen.

          Eine Pflicht dazu, die Heizung aufzudrehen, hat der Mieter zwar nicht. Er muss aber darauf achten, dass die Räume nicht komplett auskühlen und dass durch sein Heizverhalten keine Schäden entstehen, etwa indem Rohre einfrieren oder sich Schimmel bildet. Ist der Mieter in den Wintermonaten längere Zeit nicht zu Hause, sollte er Nachbarn oder Bekannte bitten, ab und zu nach der Wohnung zu sehen. Außerdem muss er Hausmeister, Verwalter oder Vermieter informieren, wo sie im Notfall den Schlüssel finden. Tut er das nicht, muss er gegebenenfalls Schadenersatz zahlen, falls es in seiner Abwesenheit zu einem Malheur kommt.

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