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Wohnungsprobleme in Berlin : Steuern statt Mietendeckel

  • -Aktualisiert am

Der Fernsehturm überragt alle Gebäude rund um den Alexanderplatz in Berlin. Bild: dpa

Der Mietendeckel ist auf längere Sicht wohl keine Lösung für die Berliner Wohnungsprobleme. Besser wäre es, die aktuellen Fehlanreize auf unkonventionelle Art zu beseitigen. Ein Gastbeitrag.

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          Egal ob der Mietendeckel die juristischen Hürden überwindet oder nicht – er dürfte nur als vorübergehende Lösung taugen: Die erhofften Wirkungen des Mietendeckels werden sich nur teilweise erfüllen. Stattdessen könnten sich unerwünschte Nebenwirkungen ergeben. Im Kern geht es bei dem Mietendeckel darum, die Folgen der Wohnraumknappheit, insbesondere die steigenden Mietpreise, zu bekämpfen. Es lohnt, die Wohnraumknappheit zu hinterfragen und einige – zugegebenermaßen ungewöhnliche – alternative Lösungen zum Mietendeckel aufzuzeigen.

          In Berlin hat sich die sichere Erwartung festgesetzt, dass die Berliner Bevölkerung im Jahr netto um rund 40.000 Menschen wachsen wird. Diese Gewissheit erstaunt, da solche Zahlen allenfalls in den Jahren 2011 bis 2017 zu registrieren waren. In der Dekade davor lag dieser Saldo deutlich unter 10.000. Es herrschte damals Leerstand auf dem Berliner Wohnungsmarkt, und man war sich vor etwa 15 Jahren noch sicher, dass sich daran nichts ändern würde. Deshalb wurden fast 100.000 Wohnungen mit staatlicher Unterstützung abgerissen. Werden die jetzigen Erwartungen abermals täuschen, bauen wir derzeit die Leerstände von morgen? Jedenfalls geht die 14. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung vom Sommer 2019 keineswegs davon aus, dass sich das Berliner Wachstum der vergangenen Jahre fortsetzt. In der „Variante W1“ wird gar berechnet, dass die Bevölkerung von derzeit rund 3,7 Millionen Menschen bis zum Jahre 2029 auf (nur) 3,83 Millionen steigen wird, aber danach konstant bleiben oder gar wieder schrumpfen wird. Übrigens: In der ersten Hälfte des Jahres 2019 wuchs Berlin nur noch um 6000 (!) Personen.

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