https://www.faz.net/-gqe-71d08

Mietausfall : Teurer Vollkaskoschutz für Vermieter

  • -Aktualisiert am

Nur in gute Hände abzugeben - das klappt allerdings nicht immer Bild: Caro / Oberhaeuser

Wenn Mieter nicht mehr zahlen, stehen Vermieter vor einem Problem. Viele laufen jahrelang ihrem Geld hinterher. Mietausfallversicherungen versprechen Abhilfe. Oft sind sie aber nur teuer und nützen wenig.

          4 Min.

          Natürlich ist es der Albtraum jedes Vermieters, den Ralph Kühn erlebt hat. Die Geschichte ist ihm zudem peinlich, deshalb möchte er seinen richtigen Namen auch nicht in der Zeitung lesen. Zunächst war er froh, dass für seine Eigentumswohnung in Augsburg schnell wieder ein neuer Mieter gefunden war. Er hat sie erst vor ein paar Jahren gekauft. Den Kredit dafür zahlt er noch ab, inklusive anfallender Zinsen. Doch schon nach vier Monaten hörte der neue Bewohner auf, die Miete zu zahlen.

          Kühn wartete eine Weile, danach lief das volle Programm ab: erste Mahnung, zweite Mahnung, fristlose Kündigung, dann reichte er Räumungsklage ein. Doch sein Mieter pochte auf eine Härtefallregelung: Er sei schließlich psychisch krank, ein Auszug deshalb für ihn nicht tragbar. So zog sich die Sache hin. Während das Gericht den Fall noch bearbeitete, entdeckte Kühn nach einem Jahr, dass sich sein Mieter in einer Nacht-und-Nebel-Aktion schließlich aus dem Staub gemacht hatte. Von den aufgelaufenen Mietschulden hat er bis heute keinen Cent gesehen. Dafür sah er Rot, als er erstmals wieder die völlig heruntergekommene Wohnung betrat.

          Ob er nun wirklich einem Mietnomaden aufgesessen ist, der sich in voller Absicht bei ihm einquartierte, um die Miete zu prellen und die Wohnung zu verwüsten, oder ob der vermeintlich solide Mieter erst kurz nach dem Umzug in finanzielle Schwierigkeiten geriet - Kühn ist das herzlich egal. Er hat sich jedenfalls geschworen: So etwas passiert ihm nicht noch einmal. Deswegen denkt er inzwischen über eine Mietausfallversicherung nach. Solche Policen versprechen dem Vermieter die Erstattung des entstandenen Schadens, wenn ein Mieter nicht zahlt.

          4 Milliarden Euro Ausfälle

          Und das kommt öfter vor, als man glaubt. Laut Hochrechnungen der Immobilienverbände entgehen deutschen Vermietern jedes Jahr 2 bis 4 Prozent der fälligen Beträge durch säumige Bewohner. Auf rund 4 Milliarden Euro Ausfälle beziffert etwa der Branchenverband IVD den Schaden für Immobilienbesitzer. Gegen Feuer und Überschwemmungen können sie ihre Häuser schon seit je her absichern - nun also auch gegen Mietausfälle?

          Die Anbieter suggerieren das zumindest: Sie würden im Ernstfall Mietrückstände und ausstehende Nebenkosten erstatten, zahlten sogar für nötige Renovierungen, Reparaturen und für die Wohnungsreinigung. So lauten jedenfalls die Werbebotschaften. Einige Angebote wirken auf den ersten Blick nicht einmal teuer: Zwischen 55 und 100 Euro Jahresbeitrag etwa bieten Kautionsfrei und Vermietsicher Mietausfallpolicen an, die „pauschal“ Mietausfälle für 6 oder 12 Monate übernehmen, maximal jedoch 5000 oder 10.000 Euro abdecken.

          Doch wenn Immobilienbesitzer wirklich an einen Mietnomaden oder anderen Nichtzahler geraten sollten, kommen schnell größere Summen zusammen: In zwei Dritteln aller Fälle beträgt allein der Mietausfall mindestens 5000 Euro, ermittelte jüngst eine Studie der Universität Bielefeld. Der Gesamtschaden inklusive der Kosten für Renovierung, Anwalt, Gerichtskosten und Wohnungsräumung liege im Mittel bei 14.700 Euro.

          Weitere Themen

          Das Gegenstück von „Fridays for Future“? Video-Seite öffnen

          Bauern legen Berlin lahm : Das Gegenstück von „Fridays for Future“?

          Anders als die Klimaaktivisten fordern sie nicht mehr, sondern eher weniger Umweltschutz: Viele Bauern protestieren gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Was sie fürchten und warum das für die CDU ein Problem ist – ein Videokommentar von F.A.Z.-Korrespondentin Julia Löhr.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.