https://www.faz.net/-gqe-88usa

Altersgerechtes Wohnen : Ein Zuhause für jedes Alter

  • -Aktualisiert am

Perfekte Welle: Haus Eisenzahn deutet nach außen an, dass im Innern ein flexibles Konzept steckt. Bild: Kiristina Pezzei

Wie wollen wir im Alter wohnen? Vielleicht gar nicht so viel anders als in jungen Jahren. Wie das funktionieren kann, zeigt ein Modellprojekt in Berlin.

          5 Min.

          Der geräumige Aufzug führt direkt zum Dachgarten. Schwellenlos geht es auf einen mit sibirischem Lärchenholz verlegten Weg über eine sanfte Rampe zu einem Platz, auf dem an die zehn Menschen bequem sitzen können. Oder genauso viele Rollstuhlfahrer: Die von Sträuchern und Bodendeckern gesäumte Terrasse ist das Schmuckstück eines Wohnprojekts in Berlin-Wilmersdorf, das von der Tiefgarage bis zum Dachgarten barrierefrei angelegt ist.

          „Wir sind allerdings schnell zu dem Begriff ,Generationenwohnen‘ übergegangen“, sagt Hermann Kühnapfel. Der 70 Jahre alte Ingenieur hat das Baugruppen-Projekt „Haus Eisenzahn“ federführend mit begleitet und selbst eine Wohnung im Gebäude gekauft. „Kinderfreundlich muss man nämlich schon sein, wenn man hier einziehen will“, ergänzt er und deutet nach unten, wo inmitten der großzügigen Gartenlandschaft ein Sandkasten liegt. Zwischen zwei Birken hängt eine Hängematte, am Rand wachsen Stachelbeeren und Erdbeerpflanzen. „Haus Eisenzahn“ ist ein Modellprojekt. Die 31, auf sechs Stockwerke verteilten Wohnungen sowie die Gemeinschaftseinrichtungen sind schwellenfrei, energieeffizient und mit hochwertigen Materialien bestückt - von den Balken für die Gartenbänke bis zum dreifach verglasten Holzfenster und dem pulverbeschichteten Stahl. Es gibt halb so viele Tiefgaragenplätze wie Wohnungen, dafür mehr als 70 Fahrradstellplätze. Die Wohnungen selbst haben die Architekten vom Büro Feddersen als Module in vier verschiedenen Ausprägungen angelegt, so dass Einheiten je nach Lebensabschnitt vergrößert oder verkleinert werden können. Durch alle Türöffnungen passt bequem ein Rollstuhl. Die Kosten für das seit Mai bezugsfertige Wohngebäude lagen bei 3200 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

          „Damit haben wir das Vorurteil widerlegt, dass barrierefrei bauen teurer als herkömmliches Bauen sein muss“, sagt Stefan Drees, einer der Geschäftsführer von Feddersen Architekten. Das Berliner Büro hat sich auf den Bereich Alter und Pflege spezialisiert - als eines von wenigen bundesweit. Vorurteile wie hohe Kosten, die Angst vor Normen und weiteren gesetzlichen Vorgaben führen nach Einschätzung von Drees dazu, dass viele Kollegen nach wie vor einen Bogen um das Thema machen.

          Viele machen einen Bogen um das Thema

          Dabei übersteigt der Bedarf an barrierearmen Wohnungen schon jetzt das Angebot um ein Vielfaches. 700 000 Wohnungen stehen älteren, mobilitätseingeschränkten Menschen laut einer Prognos-Studie zur Verfügung. Gebraucht würden bis 2030 knapp 3,6 Millionen - mehr als fünfmal so viele. „Die Zahlen verdeutlichen, vor welchen großen Herausforderungen Wohnungswirtschaft und Wohnungspolitik aktuell und in den nächsten Jahrzehnten stehen, um das Wohnungsangebot an den demographischen Wandel anzupassen“, bilanzieren Analysten der KfW, die die Studie in Auftrag gegeben hat. Wenn sie den Investitionsbedarf hochrechnen, kommen die Experten auf eine Summe von 50 Milliarden Euro.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Der Generalsekretär der FDP, Volker Wissing, hat die Bühne für sich.

          Zukunft der FDP : Aus eigenem Recht

          Vor der Corona-Pandemie konnte die FDP von der Schwäche der Regierungsparteien nicht profitieren. Jetzt sieht es anders aus.
          Palästinenser feuern von Rafah aus auf Israel

          Palästina-Konflikt : Das Ende einer Illusion

          Nichts wäre der Hamas lieber als ein Bürgerkrieg in Israel. Eine politische Lösung des Nahostkonflikts ist überfällig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.