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Wohnungsbau : Wer braucht schon so viel Luxus?

Das Penthouse im Wohnturm Onyx soll für Frankfurter Verhältnisse einen Rekordpreis erzielt haben. Bild: All rights reserved by HHVISION

An exklusiven Wohnungen herrscht kein Mangel. Denn in Deutschlands Großstädten wächst seit Jahren der Markt für Premium-Angebote. Doch es wird immer schwieriger, Käufer für die superteuren Wohnungen zu finden.

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          Zwischen einem alten Wasserturm und einer S-Bahn-Brücke im Frankfurter Neubaugebiet Europaviertel liegt ein Baufeld, auf dem ein Stück Markenarchitektur entstehen soll. Porsche Design Tower nennt der Bauherr sein Wohnhochhaus, das zwar nicht wie ein Auto aussieht, aber dennoch einiges mit dem Sportwagen gemeinsam hat. Die zukünftigen Bewohner legen Wert auf Komfort und Stil - und wollen das auch zeigen. In drei Jahren soll der 100-Meter-Turm fertig sein. Die Entwickler des Porsche Design Towers sind sich sicher: Sie brauchen keine Konkurrenz zu fürchten. Das Produkt sei so einzigartig wie die Architektur, sagt der Bauherr. Hinzu komme der klingende Name. Aber stimmt das auch?

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer in den nächsten Jahren in Frankfurt eine Hochhauswohnung sucht, hat die Qual der Wahl. Etwa 500 solcher Turmwohnungen sind im Bau, weitere sind in Planung. Deutschlands Stadt der Bankentürme hat nach zögerlichen Anfängen nun auch die Edel-Wohnhäuser für sich entdeckt. „Da steckt das ganze Thema Rendite, Sicherheit und Luxury drin“, charakterisiert Thomas Beyerle, Chef-Researcher des Immobilienkonzerns Catella, das Phänomen der wachsenden Türme, das in Ansätzen auch in Berlin, Stuttgart und München zu beobachten ist. So unterschiedlich die Vorhaben sind: Überall geht es um exklusives Wohnen.

          „Wir können nicht anders, als teuer zu bauen“

          In den Türmen entstehen allerdings nicht nur Penthäuser mit Fernblick, sondern auch relativ gewöhnliche Wohnungen in den unteren Etagen. Dennoch wird das Gros der Appartements im oberen Preissegment angesiedelt sein. Das Wohnen in der Vertikalen ist teuer - nicht zuletzt wegen der immens hohen Grundstückskosten. Als zusätzliche Preistreiber wirken die vielen Vorschriften, die Staat, Länder und Kommunen den Bauherren machen. Das fängt bei der Energieeffizienz an, geht weiter über die Barrierefreiheit und hört bei den Stellplätzen längst nicht auf.

          Der Porsche Design Tower will in Frankfurt neue Maßstäbe setzen.

          „Wir können ja gar nicht anders, als teuer zu bauen“, klagen denn auch viele Anbieter wie zur Entschuldigung auf die Frage, wieso sie für ein mit Blick auf Lage und Ausstattung nur mittelmäßiges Angebot einen Spitzenpreis verlangen. „Wenn man genau hinsieht, sind viele der Neubauten weder Fisch noch Fleisch“, urteilt André Adami vom Beratungsunternehmen Bulwiengesa. Die Projekte behaupten zwar Luxus, bieten aber nur Konfektionsware.

          Zunehmend berichten Projektentwickler, dass das hochpreisige Marktsegment schon gesättigt sei. Tatsächlich halten sich in Frankfurt, aber auch in anderen Städten wie Düsseldorf, Köln und Hamburg die Inserate für die superteuren Wohnungen teils erstaunlich lang auf den Immobilienseiten. Wie es heißt, müssten die Anbieter den Käufern in einigen Fällen Zugeständnisse machen - durch direkten Preisnachlass oder durch Zugaben wie Einbauküche inklusive.

          „Früher ging das Penthaus immer als Erstes weg. Heute ist das nicht mehr der Fall“, sagt etwa die Entwicklerin Iris Dilger, Geschäftsführerin der Wohnkompanie Rhein-Main. Nach ihrer Einschätzung ist die Zielgruppe, die sich in Frankfurt „High-End-Preise“ leisten kann, schon weitgehend bedient. Nachgefragt würden vor allem Wohnungen mit Quadratmeterpreisen zwischen 3500 und 5000 Euro. „Darüber wird der Markt eng.“ Wohnungen, die mehr kosteten als 800 000 Euro, seien schwer zu verkaufen. Was Iris Dilger sagt, bestätigen auch Akteure aus Düsseldorf oder Köln für ihre Städte - trotz des Drucks an den Wohnungsmärkten.

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