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Wohnungsbau : Wer braucht schon so viel Luxus?

In vielen Städten ist die Zielgruppe für Premium-Wohnungen begrenzt

In Frankfurt wächst die Bevölkerung rasant, zuletzt um jährlich 15 000 Einwohner. Weil mit dem Bauland auch das Angebot zur Neige geht, steigen die Preise. Inzwischen liegt der Durchschnittspreis für eine Eigentumswohnung bei rund 4000 Euro je Quadratmeter. Für Hochhauswohnungen zahlt man schnell das Doppelte. Im Durchschnitt kostete eine Hochhauswohnung in Frankfurt 6000 Euro je Quadratmeter. Aber für ein Penthaus werden auch 10 000 Euro und mehr gezahlt.

Im neuen Henninger-Turm, mit 140 Metern das bisher höchste Wohnhochhaus Frankfurts, kostet eine Wohnung mit 360-Grad-Blick sogar rund 4 Millionen Euro. Vier dieser besonderen Wohnungen gibt es, derzeit seien alle reserviert, sagt der Makler Rainer Ballwanz. Dennoch ist keineswegs sicher, dass die Nachfrage nach solchen Angeboten weiter anhält.

Seit Jahren entstehen im Wohnungsbau vor allem hochpreisige Wohnungen.

Michael Debus sichtet als Vorsitzender des Gutachterausschusses für Immobilienwerte die Kaufverträge der Notare. Jahr für Jahr fließen sie in die Kaufpreissammlung des Ausschusses ein, in den vergangenen Jahren waren sie Anlass für stets neue Rekorde. 2014 wurden in Frankfurt 411 Wohnungen verkauft, in denen ein Quadratmeter mehr als 5000 Euro wert war. 2013 waren es 340, 2012 noch 320. 65 Wohnungen wechselten 2014 für mehr als eine Million Euro den Besitzer. Die teuerste Wohnung des Jahres 2014 lag im Westend. Eine Einheit im Hochhausprojekt „Onyx“ war einem Käufer besonders viel Geld wert, pro Quadratmeter Wohnfläche soll er angeblich 14 800 Euro hingeblättert haben.

Beflügelt von der Nachfrage nach Wohnungen und auch einer zeitweiligen „Koste-es-was-es-wolle“- Einstellung, ist das Segment in sämtlichen gefragten Großstädten seit Jahren gewachsen. Mittlerweile hat die Preisentwicklung einen Punkt erreicht, der Debus skeptisch macht. „Frankfurt ist nicht München“, sagt er. Soll heißen: Für Mondpreise ist hier nicht der richtige Platz. In München sei die Nachfrage nach Luxuswohnungen flächendeckend vorhanden, in Frankfurt kämen nur ein paar gute Lagen in Frage.

„Frankfurt ist nicht München“

Debus hat sich die Verkaufszahlen der ersten Monate angeschaut und erste Indizien dafür gefunden, dass die Nachfrage nach besonders exklusiven Wohnungen stagniert. Im ersten Quartal 2015 wurden zwölf Eigentumswohnungen für mehr als eine Million Euro verkauft. Das ist der gleiche Wert wie im Vorjahreszeitraum. Gleiches gilt für Wohnungen, die mehr als 800 000 Euro kosten. „Das Wachstum im Luxussegment ist gebremst“, urteilt Debus.

Ob die Nachfrage nur vorübergehend stillsteht, ist schwer einzuschätzen. Aber angesichts von 500 Hochhauswohnungen, die demnächst auf den Markt kommen, sagt er doch: „Da bin ich gespannt.“ Für Wohnungen, die mehr als 6500 Euro je Quadratmeter kosten, sei der Markt begrenzt: „Einzigartige Wohnungen finden einen Nutzer. Ich habe kein Problem mit der Kaufpreishöhe, sondern mit der Anzahl.“

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