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Teures Wohnen : Was heißt hier Luxus?

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In Manhattan ist Höhe alles: Doch Licht und Blickachsen haben wie im Fall des Wohnturms „One 57“ ihren Preis. Bild: dpa

Monsterhäuser für Superreiche sind in London der letzte Schrei. In Manhattan thront die Upper Class über den Straßenschluchten und zeigt dem Pariser Luxusimmobilienmarkt die kalte Schulter. In Singapur leistet sich die Hautevolee Paläste, in die locker ein Museum passt. Und bei uns?

          Der Londoner Markt für Luxusimmobilien ist einer der exzentrischsten der Welt. So viel Pomp und hemmungslose Übertreibung wie dort findet man sonst kaum. Hier kaufen reiche Scheichs und Oligarchen, Stars und Sternchen. Deshalb menschelt es in den Geschichten, die von der Insel herüberwehen, immer auch ein wenig, mischt sich Information mit Klatsch und Tratsch. So auch dieser Tage. Viel Platz und viel Ärger - das ist die vorläufige Zwischenbilanz von Robbie Williams, der sich gerade im gediegenen Londoner Stadtteil Holland Park eine neue Riesenvilla zugelegt hat. Das herrschaftliche „Woodland House“ verfügt über 47 Räume und hat den Popstar schlappe 17,5 Millionen Pfund gekostet, umgerechnet rund 23 Millionen Euro. Doch weil der neue Eigentümer einige Veränderungen an dem historischen Gebäude (Baujahr 1877) vornehmen will, gibt’s Zoff mit dem - nicht weniger berühmten - Nachbarn.

          Viel Platz, viel Ärger

          Gleich nebenan residiert in einem ähnlichen Anwesen Altrocker Jimmy Page, und der frühere Led-Zeppelin-Gitarrist stört sich unter anderem daran, dass Willams ein zusätzliches Fenster einbauen lassen will, von dem aus man das Grundstück von Page einsehen könnte. Auch drohten Erschütterungen während der Bauarbeiten das betagte Haus des Nachbarn zu beschädigen, geben dessen Anwälte zu bedenken und fordern von der Bezirksverwaltung, die Umbaupläne von Williams zu verbieten.

          London: Haus des Altrockers Jimmy Page Bilderstrecke

          Groß ist in Edelvierteln der britischen Hauptstadt allerdings ein sehr relativer Begriff. Die „Financial Times“ schreibt von einem Boom der „Monsterhäuser“ in London. Zu den vieldiskutierten Beispielen zählt ein Vorhaben am Regent’s Park. Dort wollte die Herrscherfamilie des Wüstenemirats Qatar, dessen Staatsfonds diese Woche für umgerechnet 3,6 Milliarden Euro das Büroviertel Londoner Canary Warf gekauft hat, drei palastartige Town Houses zusammenlegen und so eine Riesenkiste mit mehr als 3000 Quadratmeter Wohnfläche schaffen. Ihr Eigenheim wollten sich die Superreichen aus dem Morgenland, Schätzungen zufolge, mehr als eine Viertelmilliarde Euro kosten lassen. Doch Ende dieser Woche ist der Traum geplatzt. Ein Beamter des zuständigen Bauamtes zeigte sich von den Milliarden Petro-Dollar unbeeindruckt und verweigerte den Scheichs die Genehmigung, das denkmalgeschützte Gebäude umzubauen. Angeblich mit dem Argument, dass es in London an Wohnraum fehle. Da könne nicht ein Eigentümer so viel Fläche für sich allein beanspruchen.

          Diese Einsicht ist offenbar neu. Denn nur ein paar Kilometer weiter nördlich werkeln die Bauarbeiter bereits seit Jahren an einem sehr viel größeren Eigenheim: Schon bisher galt „Witanhurst“ im Stadtteil Highgate als das größte Wohnhaus in London - abgesehen von Buckingham Palace. Doch dem Besitzer des historischen Prunkbaus, über dessen Identität bis heute gerätselt wird, reicht das nicht. Deshalb lässt er mehrere zusätzliche Untergeschosse in die Erde graben. Die sogenannten „Basement Extensions“ sind in den teuren Altbauvierteln an der Themse populär: Angesichts strikter Denkmalschutzvorgaben sind die unterirdischen Ausbauten oft die einzige Möglichkeit, wie bauwütige Millionäre ihre Häuser vergrößern können. Witanhurst wird nach der Fertigstellung angeblich mehr als 8000 Quadratmeter Wohnfläche bieten. Anwohner haben die riesige Baugrube „Ground Zero“ getauft.

          Bau- und kaufwütige Scheichs gebremst

          Am New Yorker Markt für Trophäen-Immobilien freilich herrschen ganz andere Gesetze. In den dunklen Straßenschluchten von Manhattan geht es nicht in erster Linie um Raumgröße, sondern um Höhenlage: 100,5 Millionen Dollar, für diese astronomische Summe wurde gerade eine zweistöckige Penthouse-Wohnung in New York verkauft. Erstmals ist damit in der Stadt die Marke von 100 Millionen Dollar für ein einzelnes Domizil geknackt worden. So schwindelerregend wie der Preis ist auch die Lage der Wohnung im neunundachtzigsten und neunzigsten Stockwerk. Von dort aus wird der neue Eigentümer einen spektakulären Blick auf den Central Park haben.

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