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London : Neue Wohntürme im Eastend

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Das neue London: Der Queen Elizabeth Olympic Park und unzählige Neubauten haben aus dem Eastend eine begehrte Wohngegend gemacht Bild: Reuters

Als das Hafenviertel im Osten Londons nicht mehr genutzt werden konnte, erschien der Niedergang des Eastend unaufhaltsam. Nun entwickelt sich die ehemals verwahrloste Gegend zur begehrten Wohnlage - trotz bereits hoher Preise.

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          Samstag Vormittag im Londoner Eastend. Schönes Wetter. Ein teures Hotel. Was dorthin lockt, das ist die East London Property Fair, eine Art Verkaufsausstellung für Wohnimmobilien im Osten von London. Früher einmal war dies das Hafenviertel der Metropole. Als große Schiffe London nicht mehr anlaufen konnten, verfielen die Kais und Schuppen. Der Niedergang des Eastend erschien unaufhaltsam. Inzwischen ist von all dem nichts mehr zu spüren. Das neue Bankenviertel im Hafengelände, das Olympiagelände und unzählige angrenzende Neubauten haben aus dem Eastend eine inzwischen begehrte und damit auch teure Wohngegend gemacht. Hoch ragen überall die Türme voller Eigentumswohnungen auf. Und dazwischen werden immer neue geplant und meist auch gebaut.

          An diesem Samstagmorgen haben sich rund hundert Kaufinteressenten in dem großen Saal des Hotels eingefunden. Die allermeisten von ihnen sind Ausländer: Chinesen, Japaner, Koreaner, Inder und einige Interessenten auch aus Nahost. Auffällig viele von ihnen wirken unverhältnismäßig jung - zumindest für Käufe teurer Immobilien. Vier Deutsche sind auch gekommen. Die großen Fenster bieten einen Panoramablick auf das neue London mit Themse und unzähligen Hochhäusern. Allerdings können Bilder auch täuschen. Zwischen den Fenstern sind riesige Fotos aufgehängt, die die neuen Bauten - ob erst geplant oder schon im Bau - im Umfeld des Vorhandenen zeigen. Realität und Zukunft geraten ein wenig durcheinander, wenn der Betrachter nicht genau hinschaut.

          EU-Bürger sind eine Enttäuschung

          Die Aussteller sind Bauträger, große Maklerfirmen, Anlageberater, Hypothekenvermittler oder Anwälte für Immobiliengeschäfte, die allerdings zugleich auch betonen, sie könnten in ihren Kanzleien auf Steuerfachleute und Visa-Spezialisten zurückgreifen. EU-Bürger sind für die Anwälte sichtbar eine Enttäuschung. An ihnen gibt es bei weitem nicht so viel zu verdienen, denn die Aufenthaltsgenehmigung haben sie ja ohnehin automatisch.

          Dieser dritte Tag der Verkaufsausstellung zeigt bereits, dass das Geschäft munter zu laufen scheint. Auf den langen Listen der angebotenen, noch unverkauften zukünftigen Wohnungen sind immer mehr Zeilen ausgestrichen, das jeweilige Objekt ist also nicht mehr erhältlich. Auffällig ist dabei, dass ganz offensichtlich die billigsten Eigentumswohnungen als Erstes verkauft werden. Was billig ist, bleibt allerdings zu diskutieren. 315 000 Pfund oder umgerechnet 370 000 Euro für eine Zweizimmerwohnung mit 45 Quadratmetern sind eine ganze Menge. Und die billigste Dreizimmerwohnung kostet dann schon 100 000 Euro mehr.

          Parkplatz ist nirgends vorhanden - absichtlich nicht. Die Londoner Stadtverwaltung will ausdrücklich keinen Autoverkehr in diesen teuren Wohnlagen haben. Lediglich Anlieferfahrzeuge und Taxis können hier verkehren. Die Bewohner sollen die verschiedenen Bahnen nehmen, von denen die schnellste Verbindung keine 15 Minuten zur City-Mitte braucht. Die im Bau befindliche unterirdische Schnellbahn Crossrail wird in zwei Jahren sogar zum Flughafen Heathrow führen - in gut 25 Minuten Fahrzeit. So mancher Interessent fragt zunächst durchaus nach einem Parkplatz. Aber der Hinweis, dass Autobesitz unerwünscht sei, scheint niemanden nachhaltig zu schrecken.

          Ausgestattet werden die künftigen Wohnungen offenbar gut. Über die aufwendige Basisausstattung mit Geschirrspülmaschine, Waschmaschine und Trockner auch in der kleinsten Küche hinaus bieten am Rande der Verkaufsausstellung auch Einrichtungsspezialisten ihre Dienste an. Die dort genannten, äußerst hohen Preise scheinen die Kaufinteressenten aber keineswegs zu stören. Das gilt auch für den Hinweis, dass es sich bei den Wohnungen nicht um Grundbesitz der Eigner, sondern um Erbpacht handele.

          Auf 999 Jahre hinaus sind die Grundstücke für die neuen Hochhäuser bereits gepachtet. Die Abwicklung der Kaufverträge scheint einigermaßen fair zu sein. Beim ersten Kaufschritt sind nur 2000 Pfund oder umgerechnet etwas weniger als 2400 Euro zu entrichten. 90 Prozent des Kaufpreises sind erst bei Bezugsfähigkeit fällig. Zumindest auf den Monat genau sind dazu bereits Daten zu erfahren. Und wieder zücken einige den Kugelschreiber zum Unterschreiben.

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