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Lifestylewohnen : Verkaufter Kiez

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Es geht nicht nur ums Wohnen, es geht um ganzheitliche Philosophie

Nicht nur bei diesem Projekt wird Urbanität zum Schlüsselbegriff; es handelt sich vielmehr um eine grundlegende Tendenz. Offenbar ist das Wort in der prospektiven Käufer- oder Mieterschaft ausschließlich positiv besetzt. Es steht für ein prickelndes Gefühl, pulsierendes Leben, ständige Abwechslung, interessante Szenarien und vielfältige Begegnungen, ein dichtes Erleben und dergleichen mehr. Urbanität, so gedeutet, ist der Gegenentwurf zur Provinzialität - ohne allerdings auf einen gewissen Kuschelfaktor zu verzichten.

Wie solche Ansprüche umgesetzt werden, lässt sich aktuell unter anderem im Viertel südlich des Berliner Spittelmarktes besichtigen. Hier sind etwa die „Fellini Residences“ entstanden - eine Wohnanlage im Stil eines Palais. Auf der entsprechenden Homepage heißt es: „Seine Erscheinung erinnert in Form und Farbe an elegante italienische Stadthäuser. Der Hof ist vom Auditorium eines Theaters inspiriert. Die Bewohner sind Akteure dieser Atmosphäre und genießen den italienischen Charme ihrer Umgebung. Ein Concierge Service ist ebenso verfügbar wie ein Chauffeur-Dienst, auch für Wellness und Fitness-Angebote ist hinreichend gesorgt und eine „noble Atmosphäre, wie sie sonst nur in Altbauten zu finden ist“, versteht sich von selbst.

Doch wie die Anlage sich zum Stadtraum verhält, ist unmissverständlich auf einen Schild zu lesen: „Privateigentum. Betreten und Hausieren verboten.“ Genau hier beginnt die Sache heikel zu werden. Dass ein einzelnes Vorhaben sich von der Außenwelt abgrenzt, ist weder neu noch ungewöhnlich. Wenn aber diese Ausschließlichkeit ganze Quartiere zu prägen beginnt - wie es in dieser Gegend mittlerweile der Fall ist -, dann wird es problematisch. Denn dann droht die Stadt zu einem Archipel aus einzelnen Inseln zu werden, die so gut wie nichts miteinander zu tun haben.

Die Stadt als Archipel

Indessen spiegelt sich der Anspruch auf eine gewisse Exklusivität auch in der Architektur. Ob nun das Projekt „Kleine Jägerstraße 11“ in Berlin-Mitte oder in den Münchner „Lenbach-Gärten“, das Wohnquartier „Parkend“ in Frankfurt oder im Quartier „In den Floragärten“ in Berlin-Pankow: Die neuen Wohnhäuser schmücken sich plötzlich wieder mit Gesimsen, Erkern, Balkonen, Loggien, Säulen, Dreiecksgiebeln und Türmen. Sie sind mit Putz-, Klinker- und Natursteinfassaden ausgestattet, besitzen oft ein „Belle Parterre“ mit zweistöckigen Ladenzonen, rund vorgewölbte Ecken und raumhohen Fenstern. Vielerorts leben auch klassische Gestaltungsmittel wieder auf: Es gibt Geländer mit geformten Balustern, Schornsteine mit Hauben, Fassaden mit Farbbändern. Die Gebäude geben sich den Anschein, als passten sie sich dem Straßencharakter an, integrierten sich in das vorhandene Milieu, korrespondierten mit Nachbargebäuden. Tatsächlich aber entsprechen sie mehr den Erwartungen und Lebensstilen der wohlhabenden und alles andere als bescheidenen Kundschaft.

Was aus der Sicht der Immobilienwirtschaft eine intelligente Strategie darstellen mag, um Wohnungen zu verkaufen, das kann aus stadtplanerischer Warte durchaus ambivalent sein. Interessanterweise ähnelt das Grundproblem dem des (Groß-)Siedlungsbaus der siebziger Jahre. In beiden Fällen liegt es in der Anlage - jenem baulichen Format, das Gebäude, Freiraum und Erschließung gleichsam zu einer Betriebseinheit zusammenfasst. In den Großsiedlungen wie den exklusiven Stadtquartieren blühen Monokulturen aller Art, wird Homogenität zur Beschränkung.

Ganz anders dagegen sind kleinteilig strukturierte, von öffentlichen Räumen durchzogene Gebiete. Sie lassen Austausch und Entwicklung zu. Das ist es, was eine Stadt braucht: Quartiere, die nicht bloß an dem sie umgebenden Kiez partizipieren, sondern der Stadt auch etwas an Urbanität zurückgeben, anstatt sich nach innen abzuschotten.

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