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Leipziger Straße in Berlin : Begehrte Platte

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Gewaltig: Die Wohnhäuser an der Leipziger Straße in Berlin sind einzigartig Bild: Pein, Andreas

Plattenbau? Aber klar doch. Vor allem, wenn die Wohnungen einen großartigen Ausblick über Berlin bieten. Wie die acht Wohntürme an der Leipziger Straße.

          Zweiraumwohnung im Berliner Zentrum, Balkon, 46 qm.“ Das klingt nach einer eher einfachen Bleibe, nach DDR-Plattenbau, nach Arbeiterschließfach. Doch dann ist da dieser kurze, fast magische Zusatz: „23. Etage“. Sofort möchte man von dort oben den Blick schweifen lassen über das Häusermeer, König der Stadt spielen. Tatsächlich, vom Balkon solch einer Wohnung an der Leipziger Straße sieht man weit hinunter in den Süden der Stadt, über den Berliner Tiergarten und den Hauptbahnhof hinweg nach Westen. Es steht kaum etwas im Weg, Berlin hat wenig Hochhäuser. Und vor allem: Wohn-Hochhäuser sind ganz besonders selten. In der Innenstadt gibt es nur acht Stück, aufgereiht an der Leipziger Straße und bis zu 25 Stockwerke hoch. Kompakte einstige Funktionärswohnungen aus DDR-Zeiten sind dort übereinandergestapelt mit jeweils zwei, drei oder vier Zimmern.

          Heute gilt dieser Straßenzug als Goldmeile. Die Kauf- und Mietinteressenten reißen sich regelrecht um Wohnungen in den Hochhäusern - von der zehnten Etage aufwärts. Eine so steile Karriere wie diese Wohntürme haben sonst wohl keine DDR-Bauten hingelegt. Es gibt in den acht Türmen insgesamt 1400 Wohnungen, an die 1000 davon sind Eigentumswohnungen. Die restlichen 400 gehören noch der kommunalen Wohnungsgesellschaft Berlin-Mitte.

          Weiter Blick nach Norden und Osten

          Viele Eigentümer haben ihre Wohnungen schon stark verändert. So sind häufig großzügige, offene Räume entstanden. „Die Hochhäuser, die aus den 1970er Jahren stammen, sind hochmodern“, lobt Bewohner Michael Böhm. Vor allem ihrer flexiblen Grundrisse wegen. Dank der Stahlskelettbauweise lassen sich die Wohnungswände vergleichsweise einfach versetzen. Wer es sich finanziell leisten kann wie der Mediziner und Forscher Michael Böhm, der legt gleich mehrere Wohnungen zusammen. Böhm bewohnt ein mehr als 150 Quadratmeter großes, gleichsam schwebendes Loft in der 22. Etage. Ursprünglich waren es drei Wohnungen. In seinem Reich ließ Böhm, der auch Sprecher der Eigentümergemeinschaft seines Hochhauses ist, bodentiefe Fenster und Schiebetüren zum Balkon einbauen. Von seiner Terrasse, enstanden durch den Zusammenschluss dreier Balkone, hat er einen Blick weit nach Norden und Osten.

          Cool statt lauschig: Besonders junge Bewohner zieht es ins Hochhaus

          Mehrere solcher Wohnungsfusionen gibt es in seiner direkter Nachbarschaft. „Die Käuferschicht ist da“, sagt Böhm selbstbewusst. „Die Aussicht von hier oben zieht an.“ So etwas kann keine neu gebaute Luxus-Wohnanlage im Zentrum bieten. Im stattlichsten aller Fälle, wenn zwei ursprüngliche Vier-Zimmer-Wohnungen zusammenlegt werden, entsteht eine 200-Quadratmeter-Bleibe. Ein ehemaliger Botschafter etwa residiert auf einer solchen Luxusetage. Ansonsten besitzen Politiker Wohnungen im Haus und auswärtige Geschäftsleute, die eine zentrale und repräsentative Adresse in Berlin wollen. Einige schätzen die kleineren Appartements, weil sie nur einen Zweitwohnsitz brauchen, andere haben größere Domizile. Die Bewohner spielen ein wenig große Welt. In den Eingängen zu den Häusern gibt es in der Regel eine gläserne Lobby, manchmal mit rotem Teppich und einem Portier, den die jeweilige Eigentümergesellschaft beschäftigt.

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