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Wohnen im Osten : Die wachsende Stadt Leipzig drängt ans Wasser

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Auch sonst dominieren am Lindenauer Hafen Mietwohnungen. Das sei ursprünglich nicht so geplant gewesen, sagt Sebastian Pfeiffer, Projektleiter bei der städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft LESG, die die Vermarktung des Areals verantwortet hat. Vielmehr sei man von je etwa fünfzig Prozent Miet- und Eigentumswohnungen ausgegangen. Doch weil Mietwohnungen bei professionellen Investoren momentan in ganz Deutschland sehr beliebt sind, nahmen mehrere Projektentwickler davon Abstand, einzelne Eigentumswohnungen zu verkaufen.

Eine Mischung unterschiedlicher Wohnformen bleibt jedoch das Ziel der Stadt. Schon weitgehend fertig sind 18 Reihenhäuser für Selbstnutzer, wobei die LESG in diesem Fall die Grundstücke zum Festpreis verkaufte. Nicht verwirklichen ließ sich hingegen die Absicht, auch Wohnungsgenossenschaften einzubeziehen. Diese, erklärt LESG-Vertreter Pfeiffer, bauten lieber auf eigenen Grundstücken. Nun wird lediglich ein kleineres Mehrfamilienhaus von einer neu gegründeten Genossenschaft errichtet.

Auch öffentlich geförderte Wohnungen spielen eine untergeordnete Rolle; dies hängt allerdings damit zusammen, dass der Freistaat Sachsen erst seit Ende 2016 den Bau von Sozialwohnungen wieder fördert. Immerhin ist geplant, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft LWB rund zwanzig Sozialwohnungen sowie eine Kindertagesstätte baut.

„Der Lindenauer Hafen wird kein Quartier für Leute, die wenig Geld verdienen, aber auch kein Quartier für Reiche“, sagt Sebastian Pfeiffer. Das zeigen die erwarteten Mieten: Der Wohnungskonzern Deutsche Wohnen, der Mitte 2018 mit dem Bau von 44 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit beginnen wird, kündigt eine „marktübliche Miete im mittleren Preissegment – also bis etwa 10 Euro kalt“ – an. Sogar 12 bis 13 Euro hält der Leipziger Makler Andreas Köngeter für realistisch. Das ist für Leipzig ein ehrgeiziger Wert, beträgt doch laut JLL die durchschnittliche Angebotsmiete (Alt- und Neubau) lediglich 6,85 Euro je Quadratmeter. Trotzdem erwartet Köngeter „bei der Vermarktung keine Schwierigkeiten“, da die Wohnungen im Lindenauer Hafen ja nicht auf einen Schlag auf den Markt kämen.

Anfänglich durchaus Schwierigkeiten hatte die LESG allerdings bei der Vermarktung der Baugrundstücke. Mehrere Projektentwickler, die bei der Ausschreibung der Lose im ersten Vermarktungsabschnitt den Zuschlag erhalten hatten, zogen sich – teilweise unter heftigen Vorwürfen an die Adresse der Stadt – wieder zurück.

Sebastian Pfeiffer von der LESG sieht die Schwierigkeiten darin begründet, dass sich an der ersten Ausschreibung hauptsächlich lokale, teilweise unerfahrene Akteure beteiligt hätten, während bei der Ausschreibung des zweiten Vermarktungsabschnitts Großunternehmen wie die Deutsche Wohnen und erfahrene Bauträger wie Thamm & Partner ins Spiel gekommen seien.

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Alle Entwickler müssen sich übrigens verpflichten, ihr Projekt spätestens vier Jahre nach Kauf fertigzustellen. „Denn es darf nicht passieren“, sagt Pfeiffer, „dass mit den von der Stadt verkauften Grundstücken spekuliert wird.“ Auch zu der in vielen Kommunen diskutierten Frage, ob städtische Grundstücke zum Höchstpreis oder nach Konzeptqualität vergeben werden sollten, liefert die Leipziger Quartiersentwicklung einen Beitrag. Die Verantwortlichen entschieden sich für eine Mischform: Für die Grundstücke legten sie einen Mindestpreis fest; in die engere Wahl kamen für jedes Los die drei Bieter mit dem besten architektonisch-städtebaulichen Konzept, und erst dann wurde der gebotene Kaufpreis berücksichtigt. Auf diese Weise resultierte in der zweiten Ausschreibung ein Grundstückspreis von 320 bis 550 Euro je Quadratmeter. Die Stadt freut’s: Sie erzielte 2,5 Millionen Euro mehr Einnahmen als ursprünglich geplant.

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