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Leipzig : Kleine Einkaufsmetropole mit Stärken

  • -Aktualisiert am

Großstädtisches Einkaufsflair auf 33.000 Quadratmetern Fläche bietet Karstadt in Leipzig Bild: dpa

In Leipzig entstehen Arbeitsplätze, zum Beispiel bei DHL. Die Stadt wächst, weil mehr Menschen zuziehen als abwandern. Die Aussichten für den innerstädtischen Einzelhandel der Messestadt sind insgesamt gut.

          Mit einer halben Million Einwohnern zählt Leipzig zu den kleinsten Einkaufsmetropolen in Deutschland. Im Ranking der Großstädte belegt die Stadt Platz 12. Mit einer Arbeitslosenquote von gut 18 Prozent belegt Leipzig auf der Rangliste der vom Spezialmaklerunternehmen Lührmann untersuchten 254 Einkaufsstädte lediglich Platz 245. Auch belastet ein Beschäftigungsrückgang von 6,4 Prozent von 1999 bis 2006 die Lage, berichtet Thomas Weber von Büro Lührmann in Berlin.

          Doch der strukturelle Wandel greift: In Leipzig sind nur noch 16,75 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe tätig, obwohl große Industrieansiedlungen, darunter Porsche und BMW, ein grundlegendes Fundament zur Entwicklung Leipzigs als Automobilstadt geschaffen haben. So entstehen im Zusammenhang mit den BWM-Investitionen mittelfristig 10.000 neue Arbeitsplätze. Doch heute arbeiten mehr als die Hälfte der Leipziger im tertiären Sektor. So baut die DHL eines ihrer drei globalen Luftfracht-Drehkreuze am Flughafen Leipzig aus.

          Trotz der Erfolge liegt Leipzig hinter Duisburg

          Leipzig zählt zu den wirtschaftsstärksten Räumen der neuen Bundesländer. Die Stadt hat Potential, denn sie gehört zu den wenigen Großstädten Deutschlands mit einer positiven Bevölkerungsentwicklung. Die gute Ausgangslage spiegelt sich im innerstädtischen Einzelhandel wider: Im wirtschaftlichen Vergleich zu den anderen 12 Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern ist Leipzig mit 89,64 die deutsche Einkaufsmetropole mit der niedrigsten Kaufkraftkennziffer.

          Leipzig bietet sogar dem Bundesverwaltungsgericht eine malerische Lage am Pleißemühlgraben

          Wenn auch für Leipzig ein höherer Einzelhandelsumsatz mit 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gerechnet wird - für die gleich große Stadt Duisburg werden 2,3 Milliarden Euro genannt -, liegt die Umsatzkennziffer mit 98,90 unterhalb des Bundesdurchschnitts und damit nur knapp vor einigen Mittel- und Kleinstädten, die ähnlich wie Leipzig mit strukturellen Problemen zu kämpfen haben.

          Die Innenstadt spürt die Konkurrenz aus dem Umland

          Auch wenn die Zentralität des Leipziger Einzelhandels mit 110,33 höher ist als in Duisburg, fällt sie im Vergleich zu anderen deutschen Oberzentren relativ gering aus. Denn die Leipziger Innenstadt steht in unmittelbarer Konkurrenz zu den großflächigen Einzelhandelsangeboten wie dem Einkaufs-, Freizeit- und Erlebniscenter Nova Eventis im Westen und dem Paunsdorf Center im Osten Leipzigs.

          So ist es nicht verwunderlich, dass die Einzelhandelsmieten mit den anderen 12 deutschen Großstädten nicht mithalten können. So liegt die Spitzenmiete für ein Ladenlokal mit 80 bis 120 Quadratmeter Einzelhandelsfläche in den Spitzenlagen der Petersstraße oder Grimmaische Straße bei 125 Euro je Quadratmeter. In den Bestlagen der Nikolaistraße und der Hainstraße werden Höchstmieten von 60 und 55 Euro erzielt.

          Einkaufsstraßen mit unterschiedlichen Stärken - und Mieten

          Das ungleiche Mietniveau ist jedoch bei näherer Betrachtung des Branchenbesatzes der vier Einkaufsstraßen leicht zu erklären. Denn in den Spitzeneinkaufsstraßen Petersstraße und Grimmaische Straße haben sich überwiegend Filialbetriebe angesiedelt. Im bestfrequentierten Bereich der Petersstraße - der sich zwischen Markt und Schloßgasse erstreckt - bieten starke Mieter wie H&M, C&A, Karstadt sowie viele andere bekannte Filialisten ihre Waren an.

          Die Grimmaische Straße, deren Spitzenlage zwischen dem Markt und der Nikolaistraße zu finden ist, steht mit Anbietern wie der Galeria Kaufhof, Sport Scheck oder Esprit dem Besatz der Petersstraße kaum nach. Und nach Umbau des Handelshofes zu einem Hotel mit Einzelhandelsfläche sowie nach Fertigstellung des Universitätsgebäudes an der Grimmaischen Straße/Ecke Augustusplatz Ende 2008 werden sich weitere Filialunternehmen an der Grimmaischen Straße ansiedeln und die Lage in Richtung Augustusplatz deutlich aufwerten.

          Hohe Nachfrage seitens der Filialisten

          Doch immer mehr interessante Filialisten wollen sich in der sich langsam entwickelnden Innenstadt ansiedeln. Genauso stark ist das Interesse der Immobilieninvestoren ausgerichtet, die nach geeigneten Kaufobjekten suchen. Denn dank positiver Bevölkerungs- und Wirtschaftsprognosen und der wachsenden touristischen Anziehungskraft gehört Leipzig zu den aufsteigenden Standorten. Die Nachfrage der Filialisten übersteigt das Angebot an Mietfläche bei weitem.

          Für Ladenlokale in Bestlage hat Lührmann - je nach Ladenlokalgröße - im vergangenen Zehnjahreszeitraum eine Wertentwicklung von 60 bis 120 Prozent erreicht. City-Offensiven wie das sächsische Projekt „Ab in die Mitte“ sollen die Leipziger Innenstadt in Zukunft weiter stärken. Auch innerstädtische Großprojekte wie das von der Essener MFI geplante Shoppingcenter „Leipzig Arcaden“, das mit Einbindung des ehemaligen Karstadt-Hauses am Brühl (Blechbüchse) entsteht, soll das Angebot ergänzen. Zur Verbesserung der Zentralität soll der City-Tunnel beitragen, der nach Fertigstellung 2011/2012 den Süden und den Norden Leipzigs an die Innenstadt binden soll.

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