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Lehren aus der Corona-Krise : Die Stadt braucht Dichte

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Gründerzeitviertel mit Dichte: der Münchner Gärtnerplatz Bild: mauritius images / Moritz Wolf /

Die Erfahrung sozialer Isolation durch die Pandemie hat es gezeigt: Die belebten Straßen und Plätze der Gründerzeitquartiere fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für den Neubau haben wir daraus nichts gelernt. Ein Gastbeitrag.

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          Es gibt in der europäischen Stadt Viertel, die besonders beliebt sind. In Frankfurt am Main sind es das Nordend, Sachsenhausen oder Bornheim, in Berlin sind es Charlottenburg oder Mitte, in München ist es das Gärtnerplatzviertel und in Freiburg der Stühlinger.

          Alle diese Stadtviertel sind angemessen eng bebaut, und sie haben eine, wie es im Planer-Jargon heißt, hohe städtische Dichte. Viele Planer halten städtisch kompakte Bauweisen noch immer für nicht zeitgemäß, was unter anderem zur Folge hat, dass solche Stadtviertel trotz ihrer Beliebtheit nicht neu gebaut werden. Der wohnungssuchende Bürger dagegen liebt diese gründerzeitlichen Bebauungen des 19. Jahrhunderts mit ihrer Einwohnerdichte und der Vielfalt ihrer Straßenräume, Plätze und Wohnhöfe, in denen städtisches Leben erfahrbar wird.

          Hier eine Wohnung zu finden ist besonders schwer, weil diese Stadtviertel die begehrtesten Wohnorte in unseren Städten überhaupt sind. Hier eine Wohnung bezahlen zu können, ist auch nicht leicht, weil die Beliebtheit auf dem freien Wohnungsmarkt oft zu hohen Mietpreisen führt. Diese Tatsache verdeutlicht die gesellschaftlich anerkannte Qualität dieser Stadtteile. Sie geht mit städtischer Dichte und dem damit verbundenen Gefühl, in wohlproportionierten, lebendigen Straßen- und Platzräumen ein Zuhause gefunden zu haben, einher. Es ist das Zuhause eines Miteinanders, wie wir es in diesen Pandemiezeiten so eindrücklich erleben.

          Raum entsteht nur dort, wo Häuser eng beieinander stehen

          Aber wie unterscheidet sich die städtische Dichte dieser Stadtteile von einem Neubauviertel der vergangenen Jahrzehnte? Die Frage ist leicht zu beantworten: Ein Quartier mit neuen Geschosswohnungen bietet uns auf der gleichen Grundstücksgröße oft nicht einmal die Hälfte der Bebauungsdichte, wie wir sie in unseren Städten gewohnt sind. Raum entsteht nur dort, wo die Häuser der Stadt dicht beieinanderstehen und mit ihren Außenwänden, ihren „Straßenfassaden“ die Straße als Raum bilden. Diese Räume sind die „Wohnräume“ der Stadt, die wir in unseren Neubaugebieten so sträflich außer Acht lassen.

          Vergleicht man den Plan eines Wohnviertels unserer Zeit, wie es sich in allen Teilen Deutschlands findet, mit dem Plan eines 150 Jahre älteren Stadtteils, so ist der Unterschied schon auf den ersten Blick erkennbar: hier die lockere Hauszeilenbebauung, die keine städtische Dichte hat und damit keinen Straßenraum einfassen kann, dort das Gründerzeitviertel mit Hofbebauung in normaler städtischer Dichte, die Straßen- und Platzräume hervorbringt. Versucht man die beiden so unterschiedlichen Bauweisen inhaltlich miteinander zu vergleichen, so ergeben sich drei wesentliche Unterschiede, die sich in sozialen, ökologischen und ökonomischen Grundlagen unseres Städtebaus wiederfinden.

          Bebauungen, die keine Dichte und damit keinen städtischen Raum aufweisen, führen grundsätzlich zum Flächenfraß und zu weitreichender Versiegelung unserer Böden. Sie erzeugen unnötigen Verkehr und die damit verbundenen allmorgendlichen Staus. Sie widersprechen in erheblichem Maße der notwendigen Energieeinsparung und führen zur Verteuerung der Mieten, weil der teure Grund und Boden in einer lockeren Bauweise verschwendet wird. All das ist in der Diskussion um modernen Städtebau unwidersprochen, und man fragt sich, warum wir an dieser Bauweise trotzdem festhalten.

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