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Leerstandsbekämpfung : Künstler und Kreative werden zu gern gesehenen Zwischennutzern

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In anderen Konzepten übernehmen private Agenturen eine Vermittlerrolle zwischen Immobilienbesitzern, Wirtschaftsförderern und Kreativunternehmen. Für Eigentümer hat das den Vorteil, dass sie nicht den Überblick über Dutzende von Mietverträgen behalten müssen, sondern die Administration einfach der Agentur überlassen. Die Stadt Mönchengladbach arbeitet nach diesem Modell mit der Raumaufzeit GmbH zusammen. Diese mietet leerstehende Flächen für einen Mietzins von lediglich ein bis zwei Euro pro Quadratmeter an, richtet die Räume mit einfachen Mitteln her und vermietet sie dann für drei bis neun Euro pro Quadratmeter warm weiter.

Das ehemalige Bauamt in der Viersener Straße 16 ist auf diese Weise innerhalb von wenigen Wochen komplett an 24 Kreativunternehmen vermietet worden. Zuvor standen die 1200 Quadratmeter in dem Block über mehrere Jahre leer. „Das V 16 ist kein Künstlerhaus“, betont Martin Platzer, Projektmanager bei der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach. Alle Mieter seien Gewerbetreibende und Unternehmer, darunter Filmproduzenten, Schneidermeister oder Event-Manager. In der Quadratmetermiete von 8,90 Euro warm seien Stromkosten, Internetnutzung und ein Konferenzraum enthalten, den alle Mieter nutzen könnten. Obwohl das Projekt ein voller Erfolg war, soll es aber keine Verlängerung geben. „Nach zwei Jahren ist Schluss“, sagt Platzer. Allerdings hält er schon nach der nächsten passenden Immobilie aus dem umfangreichen Leerstandsportfolio Mönchengladbachs Ausschau. „Wir ermöglichen Zwischennutzungen aus wirtschaftlichen Erwägungen und nutzen sie daher als strategisches Element“, stellt er klar. Das V 16 habe auf diese Weise zumindest wieder eine schwarze Null geschrieben.

Neue Zuneigung für kreative Mietergruppen

Die immer größere Zuneigung, die Immobilieneigentümer kreativen Mietergruppen mittlerweile entgegenbringen, stößt einer Umfrage des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums zufolge aber nicht unbedingt auf Gegenliebe. Das im Ministerium angesiedelte sogenannte Clustermanagement Creative. NRW hat im vergangenen Sommer 195 Beschäftigte aus der Kreativwirtschaft nach den gegenwärtigen und den bevorzugten Raumbedingungen gefragt. Das Ergebnis: Zwar sind die meisten mit ihrer aktuellen Arbeitssituation unzufrieden; für fast zwei Drittel der Befragten kommt aber die Nutzung von leerstehenden Flächen überhaupt nicht in Frage. 65 Prozent der Befragten lehnten zudem Zwischennutzungen ab.

„Wir wollen nicht bloß Lückenbüßer in der Verwertungskette der Eigentümer sein“, sagt Joscha Hendricksen, Sprecher der Essener Künstlergruppe Freiraum. Um auf die Verschwendung von städtischen Entwicklungsflächen durch in Kauf genommene, langfristige Leerstände hinzuweisen, besetzte die Gruppe zum Beispiel das ungenutzte DGB-Haus - zwar nur für einen Tag, das Medienecho war aber gewaltig. Heute sitzen Hendricksen, die Essener Wirtschaftsförderung sowie verschiedene Immobilieneigentümer an einem Tisch, um nach Räumen für die Gruppe aus Tänzern, Sängern, Schauspielern und Künstlern zu suchen. Die Stadt Essen ist dabei an der Wiederbelebung bestimmter innerstädtischer Quartiere interessiert. „Wir arbeiten schon lange daran, die Essener Nordcity als Kreativquartier zu entwickeln“, sagt Dieter Flick, der bei der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG) für die Standortentwicklung der Innenstadt zuständig ist. Die Vewo Wohnungsverwaltung GmbH in Gelsenkirchen hat mit Hendricksen und seiner Gruppe durchaus gute Erfahrungen gesammelt. Dort nutzte Freiraum 2010 über mehrere Monate eine entweihte Kirche. Dafür zahlte die Gruppe die Nebenkosten und übernahm - das war eine wesentliche Bedingung - auch den Winterdienst.

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