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Was für ein Ding! : Kunstvolle Krabbenteller

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Gut gepanzert: Krabbenschalen verleihen der Basisglasur dieser Keramik einen weißen Schimmer und Härte. Bild: Jade Ruijzenaars

Eine niederländische Designerin bringt Schalentiere nicht auf, sondern in den Teller. Denn die Hüllen der Krabben, die bisher vor allem Abfall bedeuten, taugen zum vielseitigen biologischen Rohstoff.

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          Eine Nordseekrabbe besteht für den Durchschnittsverbraucher zu etwa einem Drittel aus Fleisch und zu zwei Dritteln aus Abfall. Den bekommt er nur meistens nicht zu Gesicht. Was wiederum daran liegt, dass die meisten Krabben der niedrigeren Lohnkosten wegen zum Pulen nach Marokko oder Belarus transportiert werden und geschält wieder zurückkommen. Der Müll bleibt dort.

          In den Niederlanden, einem der größten Krabbenexporteure, vollzieht sich nun langsam eine Zeitenwende. Seit der Eröffnung eines vollautomatischen Schälzentrums in Groningen landet mittlerweile ein guter Teil des Abfalls wieder im eigenen Land. Derzeit wird deshalb eine neuartige Raffinerietechnik erprobt, die aus Krabbenschalen einen biologischen Rohstoff für Farben, Lacke und Biokunststoffe macht. Auch erste Experimente als Bodendünger und im Bereich der Wasseraufbereitung sind positiv verlaufen. Denn die Schalen enthalten Chitin – ein Polymer, das unter anderem in Insekten und Krustentieren vorkommt und aus dem Chitosan extrahiert werden kann, das eine wichtige Rolle beim Übergang zu biologisch abbaubaren Rohstoffen spielt.

          Die niederländische Designerin Jade Ruijzenaars hat sich gefragt, was man mit gepulten Schalen noch so anstellen kann, und entdeckte, dass sie sich auch zum Glasieren von Keramik eignen: Für ihr Projekt „Crangon Crangon“ vermischte sie Krabbenschalen mit einer Basisglasur, was den Tellern und Schalen einen weißlichen Schimmer gibt. Denn bei hoher Temperatur verschmilzt das Kalzium in den Schalen mit der Glasur, während andere organische Materialien verbrennen.

          Obwohl die Designerin mittlerweile in Südafrika lebt, will sie ihre Experimente weiter vorantreiben. Ruijzenaars weiß, dass sie das Abfallproblem nicht lösen kann. Aber als ästhetische Intervention, die mehr Aufmerksamkeit auf eine übersehene Problematik lenkt, langen ihre kunstvollen Entwürfe allemal.

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