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Koalitionsverhandlungen : Wer bezahlt künftig die Maklergebühren?

Wer zahlt fortan die lästige Courtage? Bild: dpa

In den Koalitionsverhandlungen läuft es auf eine Neuregelung der Maklergebühren hinaus: Wer den Makler bestellt, bezahlt ihn auch. Das freut vor allem Mieter in Ballungsräumen. Vermieter dagegen könnten künftig auf andere Angebote ausweichen.

          „Bei den Maklergebühren gilt der Grundsatz, wer bestellt – bezahlt.“ Dieses Zitat des SPD-Verhandlungsführers Florian Pronold nach der Einigung über das „Paket für bezahlbares Bauen und Wohnen“ in den Koalitionsverhandlungen ist der einzige Hinweis darauf, wie sich die potentiellen Regierungspartner die künftige Verteilung der Maklergebühren bei der Wohnraumvermittlung vorstellen.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Doch daraus zieht der Maklerverband IVD schon recht weitgehende Schlüsse: Die Ankündigung des bayerischen SPD-Politikers interpretiert er als Vorstoß, das sogenannte Bestellerprinzip so festzuschreiben, dass der Mieter künftig von jeglichen Courtageforderungen des Maklers freigestellt wird. Das lehnt der IVD entschieden ab. Die Koalition wolle die Vertragsfreiheit beim Maklervertrag abschaffen, heißt es in einer Mitteilung, dabei regele der Markt bisher sehr gut, wer wie viel Maklergebühr bezahle.

          Denkbar sei auch, dass die Gebühren geteilt würden

          Ganz anders äußerte sich der Deutsche Mieterbund. Das Bestellerprinzip sei überfällig. Wer einen Makler zur Auswahl eines Mieters engagiere, müsse die Provision auch selbst bezahlen und nicht, wie heute üblich, der Mieter. Allerdings räumt Geschäftsführer Ulrich Ropertz im Gespräch mit dieser Zeitung ein, dass natürlich auch der Mieter einen Makler beauftragen könne – und dann natürlich die Courtage bezahlen müsse, die heute als Obergrenze 2,38 Nettokaltmieten beträgt.

          Denkbar sei auch, dass sich Mieter und Vermieter die Maklergebühren teilten – eine Neuregelung verhindere ja freie Vereinbarungen der Parteien am Wohnungsmarkt nicht. Prinzipiell aber wird nach Ropertz’ Angaben künftig gelten, dass derjenige, der den Makler zuerst kontaktiert, auch bezahlt – und das sei meist der Vermieter.

          Der Vermieter werde andere Wege suchen

          Ein gewisses Verständnis für eine Neuregelung der Maklergebühren bringt der Eigentümerverband Haus & Grund auf: „Viele haben das Gefühl, dass sie für eine schlechte Leistung viel Geld bezahlen müssen“, sagt der Verbandssprecher. Gleichwohl hält er die Neuregelung für überflüssig: Es gebe Regionen in Nordhessen, im Ruhrgebiet oder in Niedersachsen, wo der Vermieter die Courtage bezahle, um seine Wohnung vermieten zu können, während es sich in Ballungsgebieten umgekehrt verhalte.

          Aus seiner Sicht wird sich jeder Vermieter künftig fragen, ob er die Maklergebühren einpreisen kann. Ansonsten werde der Vermieter andere Wege suchen, etwa das Angebot über Internetportale, die einen neuen Ansturm erleben könnten.

          Die internationale berufsständische Vereinigung RICS hält das Bestellerprinzip grundsätzlich für sinnvoll. Wichtig sei, die heute in Deutschland übliche Doppeltätigkeit von Maklern für Mieter und Vermieter zu beseitigen, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

          Wie umstritten das Bestellerprinzip ist, zeigt sich in der Person des IVD-Präsidenten Jens-Ulrich Kießling. Während er jetzt das Bestellerprinzip entschieden ablehnt, äußerte er im Juni noch: „Es sollte der bezahlen, der beauftragt und für den der Makler die Hauptarbeit verrichtet.“ Wobei er anfügte: „Auch wenn unsere Mitglieder mich dafür geißeln: Ich halte das durchaus für vernünftig.“

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