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Bundesbank-Bericht : Jetzt steigen auch auf dem Land die Immobilienpreise

  • Aktualisiert am

Mehrere Einfamilienhäuser stehen am Stadtrand vor Bauten der Plattenbausiedlung Neu Olvenstedt in Magdeburg. Bild: Picture-Alliance

Immobilien in Großstädten werden immer teuer. Das treibt die Menschen aufs Land – und lässt auch dort die Preise steigen.

          Der rasante Anstieg der Immobilienpreise hat nach Beobachtung der Bundesbank auch die ländlichen Regionen in Deutschland voll erfasst. In weiten Teilen der Republik hätten sich Häuser und Wohnungen im vergangenen Jahr erneut kräftig verteuert, stellen die Experten der Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht für Februar fest.

          „Während der nach wie vor besonders hohe Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in den deutschen Städten etwas nachgab, zogen die Immobilienpreise außerhalb der städtischen Gebiete im Vergleich zu den Vorjahren verstärkt an“, heißt es in dem Bericht. Das liege auch daran, dass das Preisniveau in den Städten bereits so hoch sei, dass sich viele Menschen nach – zumindest etwas günstigeren – Alternativen im Umland umsähen.

          Denn vor allem in Städten sieht die Bundesbank Preisübertreibungen. Dort lägen die Preise für Wohnimmobilien „weiterhin deutlich über dem Niveau, das durch die längerfristigen wirtschaftlichen und demografischen Einflussfaktoren gerechtfertigt erscheint“. Die Preise für städtische Wohnimmobilien hätten im vergangenen Jahr weiter stark zugelegt, im Schnitt in Deutschland um 8,5 Prozent und damit ähnlich stark wie im Mittel der vorangegangenen drei Jahre, schreibt die Bundesbank unter Berufung auf Zahlen der Unternehmensberatung Bulwiengesa. In den sieben besonders begehrten Großstädten Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart habe der Preisanstieg 2018 durchschnittlich sogar 9,5 Prozent betragen.

          Gehemmte Investitionsneigungen

          „Die Preisdynamik für Wohnimmobilien in Deutschland insgesamt dürfte größtenteils Ausdruck der Entwicklung von Angebot und Nachfrage gewesen sein“, meint die Bundesbank. In den Städten allerdings gebe es nach wie vor „Preisabweichung nach oben“ zwischen 15 und 30 Prozent. Weitere Indikatoren wiesen ebenfalls auf markante Preisübertreibungen auf den städtischen Wohnungsmärkten hin. So habe sich beispielsweise der Indikator „Kaufpreis-Jahresmiete-Verhältnis“ im vergangenen Jahr bei Wohnungen in Städten abermals erhöht und übertreffe seinen langjährigen Mittelwert seit der Wiedervereinigung jetzt um gut 20 Prozent, in den sieben besonders begehrten Großstädten sogar um 30 Prozent.

          Die Bundesbank blickt indes derzeit eher skeptisch auf die Konjunktur in Deutschland. Die Grundtendenz bleibe verhalten, schreiben die Ökonomen der Notenbank. So signalisiere der abseits der Kraftfahrzeugbranche rückläufige Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe, dass die Industriekonjunktur während der Wintermonate kaum wieder an Schwung gewinnen werde. In diese Richtung zeigten auch die stark eingetrübten Geschäftserwartungen in wichtigen Wirtschaftszweigen laut der Umfragen des Ifo-Instituts und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. „Dies dürfte die Investitionsneigung hemmen“, schreibt die Bundesbank.

          Das spreche zwar dafür, dass das konjukturelle Grundtempo zumindest im ersten Halbjahr verhalten bleiben dürfte. Es gebe aber auch keine Anzeichen dafür, dass die Verlangsamung in einen Abschwung übergehe. Zum einen lösten sich einige der belastenden Sonderfaktoren des vergangenen Jahres auf. Die Bundesbank vertritt zumindest in dem Bericht noch die Einschätzung, in der deutschen Automobilindustrie deute sich eine allmähliche Normalisierung der Kraftfahrzeug-Fertigung und der Exporte an.

          Zum anderen sprächen die weiter sehr gute Arbeitsmarktlage und die kräftige Lohnentwicklung dafür, dass der private Verbrauch wieder anziehe und so im Gegensatz zur zweiten Jahreshälfte 2018 ein Gegengewicht gegen die dämpfenden Einflüsse bilde. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte kürzlich gesagt, das deutsche Wirtschaftswachstum werde dieses Jahr vermutlich deutlich unterhalb von 1,5 Prozent liegen.

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