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Industriebrachen : Energiewende macht Brachflächen interessant

  • -Aktualisiert am

Neue Energie: Solarkraftwerke brauchen viel Platz Bild: dpa

Windenergie von Abraumhalden, Solarenergie von Industriebrachen: Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien bekommen einstige Problemflächen eine neue Perspektive.

          Mit der Energiewende tun sich in Deutschland völlig neue Nutzungsmöglichkeiten für Haldenflächen und Industriebrachen auf. Die Nachfrage nach Grundstücken für Solarkraftwerke und Windparks ist in den vergangenen beiden Jahren sprunghaft gestiegen. Die Eigentümer von Brachflächen argumentieren in ihren Vermarktungsaktivitäten nun verstärkt damit, dass sie zur Deckung dieses Bedarfs beitragen können. „Wir treiben das massiv voran“, sagt Hans-Peter Noll, Vorsitzender der Geschäftsführung von RAG Montan Immobilien. Er verweist zum Beispiel auf den Nachholbedarf, den das Saarland und Nordrhein-Westfalen in der Erschließung regenerativer Energiequellen haben. „An der Stelle können wir mit unseren Flächen einen Beitrag leisten.“

          Die Immobiliengesellschaft des Kohlekonzerns RAG verwaltet, entwickelt und vermarktet die Flächenareale des auslaufenden Steinkohlebergbaus, die nicht mehr betrieblich genutzt werden - das sind etwa 12 000 Hektar. Mit der verstärkten Ausrichtung auf die Bereitstellung von Flächen für die Erzeugung von erneuerbaren Energien baut sich das Unternehmen ein neues geschäftliches Standbein auf. Bislang stand die Vermarktung von Bestandsflächen für die Nutzung als Gewerbegebiete beziehungsweise Logistikzentren sowie im geringeren Maße für Wohnen und Büro im Vordergrund. Die Geschäftsführung misst den erneuerbaren Energien in der Flächennutzung inzwischen so viel Potential zu, dass sie nun ein eigenständiges Geschäftsfeld von insgesamt vier im Unternehmen sind.

          Potential für 60 Windräder

          Erste Projekte nehmen auch schon konkrete Formen an. So rief die RAG Montan Immobilien mit dem niederrheinischen Energieversorger Enni und Mingas-Power eine Projektgesellschaft ins Leben, die rund um die Halde Kohlenhuck bei Moers fünf Windenergieanlagen bauen und betreiben will. Diese sollen eine Leistung von 16 Megawatt haben und damit Ökostrom für rund 12 000 Haushalte liefern. Man könne sowohl das Haldenplateau als auch das Vorfeld der Halde als Standort für die Windräder nutzen, heißt es von seiten der Projektpartner. Der Baubeginn wird für den Herbst 2013 angestrebt. Mittlerweile hat die Immobiliengesellschaft des RAG-Konzerns mit strategischen Partnern zusammen zwei Windparkgesellschaften gegründet und sieht auf ihren Flächen im Ruhrgebiet Potential für bis zu 60 Windräder.

          Für den Bau von Solarparks auf ehemaligen Bergbaustandorten arbeitet RAG Montan Immobilien mit dem Photovoltaikspezialisten Wirsol Solar zusammen. In einem ersten Schritt werden schon sechs Projekte in laufenden Bebauungsplanverfahren bearbeitet. Die Inbetriebnahme der ersten Anlagen ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Derzeit ist von einem Investitionsvolumen von rund 150 Millionen Euro die Rede. In Gelsenkirchen legt die RAG Montan Immobilien gemeinsam mit dem Landesbetrieb Wald und Holz derzeit auf einem 22 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bergwerks Hugo 2/5/8 einen Biomassepark an. In Hamm auf der Halde Sundern wird im Rahmen einer Machbarkeitsstudie als Pilotprojekt eine Kombination aus Pumpspeicherkraftwerk und Windkraftanlage geprüft. Dort arbeitet die Immobiliengesellschaft des RAG-Konzerns mit RWE Innogy zusammen. „Mit den Flächen des Bergbaus, ob ehemalige Zechen, Kohlelager oder Halden, lässt sich jetzt noch mehr wirtschaftlich etwas anfangen“, kommentiert RAG-Immobilien-Chef Noll das Geschehen.

          Das Geschäft mit Halden kommt in Schwung

          Mit den erneuerbaren Energien kommt neuer Schwung in das Geschäft mit Halden und Industriebrachen. Dabei waren Grundstückseigentümer wie die RAG Montan Immobilien auch in der Vergangenheit durchaus einfallsreich, um in der Vermarktung solch schwieriger Grundstücke voranzukommen. Mit der neugegründeten Tochtergesellschaft „Landschaftsagentur Plus“ lässt sich zum Beispiel Geld verdienen, indem Bauherren bei der Erfüllung von Umweltauflagen durch die Bereitstellung von Naturflächen und der Entwicklung von Biotopen zur Kompensation geholfen wird. Vor allem Straßenbauer greifen gern auf dieses Angebot zurück. Auch das Bodenmanagement mit der Deponierung des Aushubs von Baustellen hat sich als attraktiv erwiesen.

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