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Historische Immobilien : Wohnen wie zu Dantes Zeiten

  • -Aktualisiert am

Zu verkaufen: ein Schloss in der Nähe von Livorno Bild: Lionard

In Italien trennen sich derzeit so viele Adlige von ihren schmucken „Castellos“ wie nie zuvor. Woran das liegt, und wie viel sie für so ein altehrwürdiges Gemäuer hinlegen müssen.

          Das Dasein als Burgbesitzer ist eine anstrengende Angelegenheit. Der Keller ist immer feucht, ständig zieht es irgendwo, und bis die Heizung vernünftig warm geworden ist, dauert es schon mal drei Tage. Wenn dann auch noch die Regierung die Steuern erhöht, denkt auch der hartgesottenste Aristokrat durchaus darüber nach, seinen Familiensitz zu verkaufen und den Erlös lieber in ein gut beheizbares, modernes Haus zu investieren.

          So geschieht es zumindest gerade dutzendfach in Italien, einem Land, das historisch bedingt eine überdurchschnittlich hohe Burgendichte hat, weil sich die Fürsten der Renaissance ihrer Macht mit Vorliebe durch beeindruckende Bauwerke versicherten. In der Folge stehen nun so viele „Castellos“ zum Verkauf wie nie. „Wir haben zur Zeit etwa 40 historische Burgen im Angebot, doppelt so viele wie üblich“, sagt zum Beispiel Ian Heath, Geschäftsführer des Luxusimmobilien-Maklers Lionard.

          Dass ausgerechnet jetzt so viele Burgen auf dem italienischen Markt sind, hat Heath zufolge hauptsächlich zwei Gründe. Einerseits hat die italienische Regierung im Zuge von Wirtschaftsreformen gerade diverse Steuererleichterungen für historische Gebäude abgeschafft. Das kann die Betriebskosten für ein Castello in vielen Fällen empfindlich erhöhen - zumal die italienischen Behörden bei der Steuererhebung mittlerweile strikter vorgehen als einst.

          „Ein absolutes Schnäppchen“

          Andererseits findet in der italienischen Aristokratie zurzeit ein Generationenwechsel statt. „Ein Großteil dieser Burgen befindet sich nach wie vor im Familienbesitz“, sagt Heath. Jüngere Familienmitglieder hätten aber keine Lust mehr, sich um die aufwendige Instandhaltung der historischen Gebäude zu kümmern, die sie selbst ohnehin selten nutzten. „Die kaufen sich lieber eine schöne Wohnung in Mailand und bringen das restliche Geld auf die Bank“, sagt Heath.

          Das sind gute Nachrichten für alle, die schon immer davon geträumt haben, eines Tages ein Schloss zu besitzen - und ordentlich Geld angespart haben. Denn das größere Angebot drückt die Preise, wenn auch bisher nicht in Bereiche, die für die meisten Normalverdiener erschwinglich sind. Eine mittelalterliche Burg in Monferrato im Piemont kostet zum Beispiel immer noch rund sieben Millionen Euro. Dafür gibt es allerdings auch 6000 Quadratmeter restaurierten Innenraum, einen historischen Park mit altem Baumbestand und als Bonbon ein Gästehaus aus dem sechzehnten Jahrhundert. Quadratmeterpreis: etwas mehr als 1000 Euro. „Wenn Sie das mit Wohnungen in London oder New York vergleichen, ist das doch ein absolutes Schnäppchen“, findet Heath.

          Russische Oligarchen wollen ihre Rubel loswerden

          Günstiger wird es, wenn man sich für ein renovierungsbedürftiges Schloss entscheidet. Das Castello di Sapia in der Nähe von Siena, angeblich benannt nach der Sieneser Aristokratin Sapia Salviati, die einen Auftritt im 13. Gesang von Dantes Fegefeuer hat, ist zwar nahe an der Ruine, schlägt aber dafür mit nur 2,5 Millionen Euro zu Buche - für ein Kollektiv renovierungswilliger Aussteiger klingt das schon beinahe erschwinglich. Außerdem gibt es noch Rabatt, wenn man in bar zahlt - so wie 99 Prozent von Heaths Kunden.

          Wer diese zukünftigen Schlossherren sind, dazu mag der Makler nicht viel sagen. Nur so viel: „Es sind in der Regel sehr erfolgreiche Geschäftsleute auf der Suche nach möglichst luxuriösen Immobilien.“ Italienische Schlösser, erklärt er, gelten als globale Marke: „Das sind Statussymbole für Leute, die es geschafft haben, wie eine Yacht oder ein schicker Oldtimer.“ Über solche Investitionen denkt nur nach, wer schon einen Batzen Geld auf der hohen Kante liegen hat.

          Berichte, dass sich in letzter Zeit vor allem russische Oligarchen auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten in der Toskana umgesehen hätten, um ihr Geld vor dem Verfall des Rubel in Sicherheit zu bringen, mag Heath allerdings nicht bestätigen. Die Leute kämen aus aller Welt, auf bestimmte Nationalitäten könne man sich da wirklich nicht festlegen.

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