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Immobilienvermögen : Stiftungen greifen nach Wohnungen

Begehrt: Neue Wohnungen, wie hier im Frankfurter Europaviertel Bild: dpa

Zahlreiche Stiftungen wollen ihr Immobilienvermögen ausbauen. Dabei scheuen sie aber das Risiko: Gefragt sind Wohnungen in bester Lage.

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          Gut ein Drittel der deutschen Stiftungen will den Anteil der Immobilien am Vermögen in den kommenden fünf Jahren ausbauen. Dabei denken sie vor allem an Wohnungen oder Sozialimmobilien in Bestlagen der Großstädte, also an relativ risikolose Investitionen. Das geht aus einer Umfrage des Maecenata Instituts im Auftrag des Immobilienunternehmens Wertgrund und der Fachzeitschrift „Die Stiftung“ hervor.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Befragt wurden mehr als 2000 Stiftungen per repräsentativer Zufallsauswahl, von denen 288 antworteten. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 20 000 rechtsfähige Stiftungen, oftmals gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich orientiert. Nach dem Umfrageergebnis sehen sie sich gegenwärtig wegen der niedrigen Zinsen stark unter Druck. Immobilien seien da eine der wenigen verbliebenen Anlageformen mit vergleichsweise attraktiver Rendite bei hoher Sicherheit, sagte der Wertgrund-Vorstandvorsitzende Thomas Meyer dieser Zeitung. Dabei geht Sicherheit offenbar vor Rendite. Die Zielrendite liegt nach den Umfrageergebnissen jedenfalls zum größten Teil nur zwischen 2 und 3 Prozent.

          Ins Auge fällt laut Meyer, dass die Stiftungen anders als früher das sogenannte Mission Investment vernachlässigen, also Investitionen, die dem oftmals gemeinnützigen Stiftungszweck dienen. Auch das hänge mit den relativ niedrigen Zinseinnahmen zusammen: Stabilität oder gar das Überleben gehe derzeit eindeutig vor den Stiftungszweck.

          Vor allem im Inland investieren

          Der Ausbau des Immobilienvermögens wird ganz überwiegend in Deutschland angepeilt: Sieben von zehn Stiftungen wollen ausschließlich und knapp ein Viertel eher im Inland investieren. Gleichermaßen im In- und Ausland wollen 4 Prozent der Stiftungen anlegen, 1 Prozent eher im Ausland und keine einzige allein im Ausland.

          Bei der Immobilienanlage setzen Stiftungen traditionell stärker auf indirekte Beteiligungen, also vor allem über Publikumsfonds und geschlossene Fonds, als auf den direkten Erwerb. Das könnte damit zusammenhängen, dass viele Stiftungen zugeben, dass sie nur über wenig Wissen und Expertise in der Immobilienbranche verfügen. In dieser defensiven Strategie sieht Meyer einen wesentlichen Unterschied zu Family Offices, die meist das Vermögen einzelner Familien verwalten. Family Offices setzten deutlich stärker als die Stiftungen auf die Direktanlage, seien also im Immobiliengeschäft unternehmerischer, risikogeneigter und aggressiver.

          Dabei gilt es allerdings auch zu berücksichtigen, dass zahlreiche Stiftungen in einer ganz anderen Vermögensklasse spielen: 70 Prozent von ihnen haben ein Stiftungskapital von weniger als 1 Million Euro und nur 20 Prozent von 2 Millionen Euro oder mehr. Einrichtungen wie die Volkswagen-Stiftung mit einem Milliardenvermögen sind also die große Ausnahme. Die durchschnittliche bisherige Immobilienquote der Stiftungen schätzt Meyer auf rund 40 Prozent, wobei Immobilien zum Teil schon seit Jahrhunderten dazugehören.

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