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Immobilienprogramm Casa 2 : Fraport kauft keine Häuser mehr

Blick auf die Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen Bild: dapd

Der Flughafenbetreiber Fraport hatte von Fluglärm geplagten Anwohnern angeboten, ihre Häuser und Wohnungen zu kaufen. Das Unternehmen wollte so möglichen Beschwerden Einhalt gebieten. Doch damit ist jetzt Schluss.

          Bis Mitternacht können fluglärmgeplagte Haus- und Wohnungsbesitzer aus Flörsheim und Kelsterbach der Fraport AG ihre Immobilie noch zum Kauf anbieten. Danach endet in der Nacht zum Samstag die Antragsfrist für das Casa 2 genannte Aufkaufprogramm, das der Frankfurter Flughafenbetreiber aufgelegt und zuletzt 2012 noch einmal erweitert hatte. Das Gesamtvolumen des Programms gibt Fraport mit gut 100 Millionen Euro an.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Gehört haben die Flörsheimer den Flughafen schon vor dem Ausbau. Auch gesehen haben sie die Flugzeuge schon früher beim Anflug aus Westen auf das alte Parallelbahnsystem, allerdings in einiger Entfernung. Aber mit dem Bau der Nordwestlandebahn hat sich die Anfluglinie auf den Frankfurter Flughafen um 1,4 Kilometer nach Norden verschoben. Die auf die neue Piste zusteuernden Flugzeuge fliegen seither direkt über Flörsheim ein – und zwar in Höhen von deutlich unter 350 Metern. Oberhalb dieser Grenze sieht das freiwillige Programm keinen Anspruch auf den Ankauf einer Immobilie vor.

          Im Zuge von Casa hat der Flughafenbetreiber alleine in Flörsheim bisher 245 Häuser übernommen. 117 Anträge sind nach Angaben eines Fraport-Sprechers noch in Bearbeitung. Rund ein Viertel derjenigen, die ihr Haus oder ihre Wohnung an Fraport verkauft haben, sind anschließend als Mieter geblieben. Einige davon allerdings nur vorübergehend, bis sie ein ihren Wünschen entsprechendes neues Domizil gefunden hatten.

          Ein ähnliches Programm gab es schon einmal

          Antragsberechtigt sind nicht alle Flörsheimer gewesen, sondern nur diejenigen, deren Häuser mehr oder weniger unmittelbar unter den Anfluglinien auf die Nordwestlandebahn liegen. Dieses Gebiet unterteilte sich noch einmal in eine Kernzone, in der nach Wunsch aufgekauft oder entschädigt wurde, und eine Randzone, in der ursprünglich nur entschädigt wurde. Später wurde die Ankaufzone erweitert. Alles in allem sind bei Fraport bisher 279 Anträge auf Ausgleichszahlung eingegangen, 125 davon sind bis heute abgearbeitet, wie es bei Fraport weiter heißt.

          Wie am Namen Casa 2 abzulesen, handelt es sich um die Neuauflage eines älteren Programms. Mit Casa 1 hatte der Flughafenbetreiber vor allem die schon seit Inbetriebnahme der beiden alten Parallelbahnen von Fluglärm betroffenen Raunheimer zu entlasten versucht. Das 2007 ausgelaufene Programm war allerdings auf Ausgleichszahlungen beschränkt.

          Trotz der Bemühungen berichtete der Raunheimer Thomas Jühe (SPD) schon vor Jahren davon, dass die Belastung durch den Fluglärm die Sozialstruktur in Raunheim verändert habe. Mit zunehmendem Fluglärm seien Leute, die Wert auf hohe Lebensqualität legten, aus Raunheim weggezogen. Ähnlich klagt nun auch Jühes Amtskollege aus Flörsheim Michael Antenbrink (ebenfalls SPD). Ungeachtet dessen verzeichnen beide Kommunen Zuzug – und neu gebaut wird auch.

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