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Immobilien : Für Luxuswohnungen in London sinkt der Preis

Ein Bus passiert das Kaufhaus Harrods im noblen Londoner Stadtbezirk Kensington und Chelsea. Bild: Reuters

In London kauften reiche Ausländer jahrelang den Markt für Luxusimmobilien leer. Doch jetzt zeichnet sich ein Wendepunkt ab.

          Einst spielten hier Pink Floyd, Led Zeppelin und David Bowie, doch die Tage des prachtvollen Art-déco-Baus im Londoner Bezirk Kensington sind gezählt: Die historische Messe- und Konzerthalle Earls Court aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts soll abgerissen und durch hochpreisige Apartmentblöcke ersetzt werden. Das umstrittene Immobilienprojekt ist nur eines von vielen großen Neubauvorhaben im Zentrum von London. In der britischen Hauptstadt sind die Goldgräber unterwegs.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge sind in guten Londoner Wohnlagen rund 54.000 Wohnungen zu Preisen von einer Million Pfund aufwärts entweder bereits im Bau oder geplant. Denn die Nachfrage ausländischer Kaufinteressenten nach Immobilienanlagen in begehrten Wohnvierteln der Themsemetropole war bisher schier unersättlich. Das knappe Bauland in begehrten Innenstadtlagen ist nach Schätzung von Maklern allein im vergangenen Jahr um fast ein Viertel im Wert gestiegen.

          Doch nun zeichnet sich ein Wendepunkt ab: Fachleute warnen vor einem Überangebot an teuren Wohnungen in London. Am oberen Ende des Immobilienmarkts beginnen die Preise zu bröckeln. Der Preisindex des Maklers Knight Frank für die sogenannten „Prime Central“-Immobilien ist im Januar den dritten Monat in Folge im Vergleich zum Vormonat gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Preise um 4,6 Prozent gestiegen. Das klingt zwar nicht nach Krise, aber es ist der niedrigste Preisanstieg seit einem halben Jahrzehnt.

          Geisterstraßen in Nobelvierteln

          Der Londoner Immobilienmarkt hat eine gewaltige Hausse hinter sich. In den vergangenen fünf Jahren sind die Werte von Häusern und Wohnungen im Schnitt um die Hälfte nach oben geschossen. Nach der Weltfinanzkrise suchten Anleger aus der ganzen Welt auf dem Stadtplan der britischen Hauptstadt nach einem sicheren Hafen für ihr Geld in unsicheren Zeiten.

          In Nobelvierteln wie Mayfair, Chelsea und Knightsbridge gibt es mittlerweile „Geisterstraßen“ voller unbewohnter Luxushäuser, weil deren ausländische Eigner ihre Kapitalanlagen aus Stein und Mörtel kaum nutzen. Schätzungen zufolge ist der Gesamtwert aller Wohnimmobilien in Europas größter Stadt seit 2010 um mehr als eine halbe Billion Pfund gestiegen. Wer sich heute für eine Million Pfund in London eine Neubauwohnung kaufen will, bekommt dafür in guten Gegenden nicht mehr als eine unspektakuläre Dreizimmerwohnung in einem Hochhaus.

          Jetzt gibt es immer mehr Warnsignale: Zum Beispiel den Aktienkurs der börsennotierten Londoner Maklerkette Foxtons, der sich binnen eines knappen Jahres rund halbiert hat. In Nobelstadtteilen wie Kensington, Chelsea und Hampstead sind die Mitarbeiter des Immobilienvermittlers in ihren grünen Mini-Cooper-Dienstwagen allgegenwärtig.

          Wie der Immobilienmarkt mit dem Ölpreis zusammenhängt

          Foxtons lebte bisher gut von der Kaufwut in den Edelvierteln. Doch im Oktober musste das Unternehmen nach einem „scharfen und unvermittelten“ Geschäftsrückgang seine Gewinnprognose senken. Als der Makler Ende Januar seine Jahreszahlen veröffentlichte, beschrieb er den Marktausblick als „gedämpft“. Im vierten Quartal 2014 sind die Provisionseinnahmen von Foxtons aus Immobilienverkäufen um 26 Prozent geschrumpft.

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