https://www.faz.net/-gqe-abmmi

Immobilienmarkt : Der bessere Vermieter

  • -Aktualisiert am

Demo in Berlin: Eine Initiative in der Hauptstadt will große Wohnungsgesellschaften enteignen. Bild: dpa

Mancher Berliner will Wohnungsgesellschaften enteignen. Aber das blendet vieles auf dem Immobilienmarkt aus und gehört auch nicht zur Aufgabe einer Stadt.

          1 Min.

          Der Ruf nach der starken, aktiven Stadt auf dem Immobilienmarkt ertönt ungeachtet aller ökonomischen Konsequenzen. Aus manchen Kreisen ist immer mehr zu hören, dass der Staat umfänglich Wohnungen kaufen, bauen und vermieten soll. In Berlin reichen die gefährlichen Klänge bis hin zum Wunsch der Enteignung großer Immobiliengesellschaften, wozu gerade ein möglicher Volksentscheid mit der börsennotierten Deutsche Wohnen als Hauptgegner dieser selbst ernannten Vergesellschaftung näher rückt. Das blendet nicht nur aus, was die Hauptstadt sich für die dann fällige Milliardenentschädigung wohl anderes sparen müsste. Mit einem solchen gewagten Eingriff verschieben sich zwar die Eigentumsverhältnisse, aber die Einwohner der Stadt leben in so vielen Wohnungen wie zuvor, weswegen kein zusätzliches Angebot die Preise sinken oder weniger stark steigen lassen könnte.

          Wer gegen höhere Mieten vorgehen will, schafft am besten mehr Wohnraum in jenen nachgefragten Regionen, die mehr Menschen als zuvor anziehen. Dafür können sich Städte, Bundesländer und Bundesregierung gern ins Zeug legen, indem sie das Bauen erleichtern und mehr Flächen ausweisen. Wie wenig hingegen Städte als bessere Vermieter taugen, erfahren gerade Einzelhändler in der Corona-Not, die ohne Mieterlass ihrer kommunalen Immobiliengesellschaft über die Runden kommen müssen. Das handhaben die Gemeinden und deren Unternehmen gewiss unterschiedlich, aber auch unter kommunaler Obhut lassen sich Mietpreise kaum vom Markt entkoppeln.

          Kommunale Vermieter halten sich vielleicht von Eigenbedarfskündigungen fern, aber mitnichten von Mieterhöhungen. Städtische Wohnungsgesellschaften müssen eben auch Geld verdienen. Sie brauchen die Einnahmen, um Neubauten anzuschieben und den Bestand zu erhalten. Sonst werden aus günstigem Wohnraum bloß heruntergekommene Häuser. Städte, Gemeinden und Landkreise können das Immobiliengeschäft womöglich zu einem gewissen Grad anstoßen und bezuschussen, aber auch sie brauchen Einnahmen, um die kommunalen Angebote von der Kita über die Straßen bis zum Friedhof aufrechtzuerhalten. Der bessere Vermieter ist die kommunale Gesellschaft eben nicht zwangsläufig und es ist auch nicht die Aufgabe der Stadt. Fanfaren für den starken Staat sollten da lieber überhört werden – so laut sie sicher auch in nächster Zeit noch tönen und sich überschlagen mögen.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Kreml streitet jede Verbindung zur „Wagner-Gruppe“ ab.

          „Gruppe Wagner“ : Das Söldner-Unternehmen, das es nicht gibt

          Wer steckt hinter den russischen Kämpfern, von denen nun im Zusammenhang mit dem Mali-Einsatz auch der Bundeswehr die Rede ist? Alles deutet auf einen Geschäftsmann, den sie „Putins Koch“ nennen.

          Deutschland wählt : Was die Wahl am Ende entscheidet

          Für keinen der drei Kanzlerkandidaten können sich die Deutschen erwärmen. Inhalte spielen kaum eine Rolle. Am Ende wird es wohl heißen: Wer macht weniger Fehler. Der Wahlkampf in Grafiken.
          Zwei Fahrzeuge stehen an einer Ladesäule für E-Autos in Magdeburg.

          Elektromobilität : An Ladesäulen muss Kartenzahlung möglich sein

          Fürs Stromtanken brauchen Autofahrer bisher oft spezielle Apps und Kundenkarten. Von Juli 2023 an reicht dafür die Debit- oder Kreditkarte – ältere Ladesäulen müssen aber nicht umgerüstet werden. Kritik kommt aus der Autobranche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.