https://www.faz.net/-gqe-71088

Immobilienmarkt : Sehnsucht nach Sicherheit

Viele „Blockdeals“ in dieser Art wird es vermutlich aber nicht mehr geben. Wer kann, verkauft die Wohnungen einzeln, das bringt mehr Gewinn. Selbst Städte, die sich die Sanierung ihres Wohnungsbestandes eigentlich nicht mehr leisten können, würden künftig vielleicht nur einen Teil abgeben, um die Sanierungskosten zu decken und den Rest behalten, sagt Cieleback. Auch viele private Investoren wirtschaften nach diesem Muster. Der Immobilienkonzern Corpus Sireo - mit einem betreuten Immobilienvermögen von 15 Milliarden Euro ein großer Spieler auf dem Markt - baut gerade 500 Wohnungen in Köln-Bayenthal. „Den ersten Abschnitt haben wir verkauft, um Kosten zu decken, jetzt beginnen wir mit dem Einzelverkauf, das ist wesentlich interessanter“, sagt Geschäftsführer Frank Krewel.

Lage, Lage, Lage

Verkaufsprobleme gibt es nicht, meint er, „Immobilien werden als sicherer Hafen angesehen“. Selbst teure Wohnungen gehen in guten Lagen weg wie geschnittenes Brot, berichtet der Immobilienmakler Michael Fehr aus Heidelberg. Am Neuenheimer Hang, einer der gesuchtesten Lagen, hat er sechs Wohnungen für einen Quadratmeterpreis von 6000 Euro im Angebot. „Vor fünf Jahren haben die dort 5000 Euro gekostet.“

Alle großen Kapitalanleger suchen dasselbe, sagt Krewel. „Vollvermietete Wohnungen in attraktiven Ballungszentren mit der Aussicht auf Wertsteigerung und attraktiven Anfangsrenditen.“ Die gebe es aber immer weniger, deshalb müssten viele Investoren ausweichen. Nicht mehr nur in den „großen sieben“ - Hamburg, Berlin, München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Köln - werde nach Gelegenheiten gesucht. Jetzt rückten Universitätsstädte und „attraktive Nebenzentren mit Perspektiven“ in den Fokus: Städte wie Karlsruhe, Regensburg, Ingolstadt oder Münster.

Auf der Suche nach sicheren Anlagen, sollte man auch in dieser Wirtschaftslage die drei wichtigsten Kriterien für eine Immobilieninvestition nicht vergessen, „Lage, Lage und Lage“, sagt Kai Enders, Geschäftsführer beim Großmakler Engel&Völkers. „Es ist ein Irrtum, dass sich der Markt in eine Richtung entwickelt.“

„Trend geht eindeutig in die Städte“

In strukturschwachen Gegenden mit schrumpfender Bevölkerung, bleibe es schwierig Häuser zu verkaufen. „Dort fallen die Preise eher.“ Tatsächlich: Während Wohnungen in München seit Anfang 2007 im Durchschnitt um ein Drittel teurer geworden sind, stagnierten die Preise in Essen und Dortmund. Und selbst dieses Bild ist aber noch zu oberflächlich, meint Enders. „Auch in Essen haben gute Lagen Konjunktur.“ Gute Lagen würden eben noch teurer, schlechte noch schlechter. Die häufig beschriebene neue Landlust jedenfalls sei im Immobilienmarkt nicht zu spüren. Als Ferienimmobilie in Metropolennähe ja, als Haus auf dem Dorf nein. „Der Trend geht eindeutig in die Städte.“

Dort werden so viele neue Wohnungen und Häuser gebaut wie schon lange nicht mehr. Exakt 183.110 hat das Statistische Bundesamt 2011 gezählt - 23000 mehr als im Jahr zuvor. Und die Zahl der Baugenehmigungen steigt weiter. Gemessen an den Boomjahren der Nachwendezeit allerdings, als im Jahr um die 500.000 neue Bleiben gebaut wurden, ist das ein Klacks. Und glaubt man den amtlichen Prognosen, dann liegt der durchschnittliche Bedarf bis 2015 mit 193.000 „Einheiten“ weiter über dem Angebot. In der Praxis sieht man das nüchtern. Es gibt schlicht nicht genügend attraktive und verfügbare Grundstücke, sagt Investor Krewel. Die Nachfrage vor allem in Metropolen und attraktiven Randlagen können damit nicht befriedigt werden. „Es würden alle gerne mehr machen.“ Eine echte Entlastung für den Markt sei durch den Neubau ohnehin nicht zu erwarten. Mehr als 90 Prozent der Käufer interessierten sich für Bestandsimmobilien.

Weitere Themen

Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk Video-Seite öffnen

Zwentendorf : Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk

In Betrieb gegangen ist das einzige Atomkraftwerk Österreichs nie, da sich die Menschen in einer Volksabstimmung in den siebziger Jahren gegen die Kernkraft entschieden. Aus Wien kommt nun heftiger Widerstand gegen die Brüsseler Taxonomie-Verordnung.

„Die Party geht weiter“

Immobilienpreise : „Die Party geht weiter“

Die Immobilienpreise steigen und steigen. In den großen Städten raten die Gutachter mitunter sogar vom Kauf ab. Dafür ziehen mehr Menschen ins Umland und treiben dort die Preise.

Topmeldungen

Strenge Kontrollen: Teststation in Zhengzhou am 15. Januar

Omikron in China : Post aus dem Ausland? Ab zum PCR-Test!

Die chinesische Seuchenschutzbehörde ist in Erklärungsnot. Trotz strenger Maßnahmen gibt es immer wieder Corona-Ausbrüche. Die Schuld daran gibt sie dem üblichen Verdächtigen: dem Ausland.
Pierin Vincenz im Februar 2015

Schweizer Wirtschaftskrimi : Auf Spesen ins Striplokal

Dem ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz drohen bis zu sechs Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Banker gewerbsmäßigen Betrug und Veruntreuung vor. In der Anklage geht es nicht nur um Ausflüge in Rotlichtbars.
EZB-Präsidentin Lagarde

EZB-Präsidentin : Lagarde: Wir haben die Inflation unterschätzt

Die EZB-Präsidentin hebt beim Weltwirtschaftsforum hervor: Die Notenbank müsse jetzt zumindest offen bleiben für Änderungen des Inflationsausblicks. Von anderer Seite gibt es heftige Kritik.
Friedrich Merz im Deutschen Bundestag

Wahl des neuen Vorsitzenden : Wohin führt Merz die CDU?

Im dritten Anlauf erreicht Friedrich Merz endlich sein Ziel: Am Samstag wird er Bundesvorsitzender der CDU. Bis zu den anstehenden Landtagswahlen muss er eine Richtung vorgeben. Aber welche?