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Immobilienmarkt : Der verführerische Hauskauf

Kaufen statt träumen: Die niedrigen Zinsen verlocken, sich Immobilien zuzulegen. Bild: Aufwind-Luftbilder/ VISUM

Die Preise für Wohnimmobilien steigen und steigen. Und doch scheinen Häuser und Wohnungen erschwinglicher als früher. Das ist auf den ersten Blick verrückt, auf den zweiten aber riskant.

          6 Min.

          Manche stellen sich den Preistreiber am deutschen Immobilienmarkt als Mann mit prallgefülltem Geldkoffer vor. Als einen, der nicht weiß, wohin mit seinem Geld, und deshalb in großen und zunehmend auch kleineren Städten des Landes auf Einkaufstour geht. Dort kauft er mangels besserer Anlagemöglichkeiten in Folge der Finanzkrise auf, was der Markt zu bieten hat an Mehrfamilienhäusern und Eigentumswohnungen. Auf Schnäppchen und extra hohe Renditen hat er es gar nicht unbedingt abgesehen. Der Mann mit dem Koffer sucht vor allem eins: Sicherheit.

          Birgit Ochs
          (bir.), Wirtschaft, Wohnen

          Daniel Ritter seufzt, wenn er das hört. Der Geldkofferbesitzer ist dem geschäftsführenden Gesellschafter des Immobilienvermittlers Von Poll in all den Jahren seines Maklerlebens noch nicht begegnet. Weder an seinem Heimatmarkt Frankfurt noch sonst wo. Ritter kennt den Preistreiber unter einem anderen Namen: Kapitalanleger. Der ist in vielerlei Gestalt unterwegs - als professioneller Investor in Form eines Fonds aus dem In- oder Ausland zum Beispiel, als Family Office, dessen Aufgabe es ist, das Vermögen sehr reicher Privatpersonen zu verwalten und zu mehren, als lokaler Immobilientycoon. „Und neuerdings zunehmend auch als Kleinanleger“, wie Ritter beobachtet.

          Der Mann mit dem Geldkoffer geht um

          Im vergangenen Jahr hat die Gruppe der großen und kleinen Kapitalanleger sich wieder kräftig mit deutschen Wohnimmobilien eingedeckt. Das lässt sich an der Zahl der verkauften Häuser und Verkaufssummen ablesen. Der Verband Deutscher Pfandbriefbanken (VDP) hat seine Auswertung dieser Tage vorgelegt. Um insgesamt 5 Prozent sind Häuser und Wohnimmobilien 2014 teurer geworden. Im Jahr 2013 war es ein Sprung von 4 Prozent. Besonders zugelegt haben vor allem jene Objekte, auf die es die Kapitalanleger abgesehen haben. „Sechs-, Acht- oder Zehnfamilienhäuser stehen bei dieser Käufergruppe besonders hoch im Kurs“, sagt Makler Ritter. Das deckt sich mit der VDP-Analyse. Die zeigt auf, dass sich dieser Immobilientyp im vierten Quartal 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 7,2 Prozent verteuert hat.

          Doch der bildlich gesprochene Mann mit dem Geldkoffer agiert auf den gefragten Märkten wie Berlin, Frankfurt, Freiburg, Düsseldorf und anderswo im Land nicht allein. Zwar trägt er entscheidend zu den kletternden Preisen bei, hat aber einen umtriebigen Helfer, besser vielleicht Konkurrenten: den Eigennutzer.

          Die Makler jubeln

          Auch er ist seit Ausbruch der Finanzkrise in Kauflaune. Auch er sorgt mit seiner Nachfrage nach Wohnungen und Häusern für steigende Preise. Immerhin um 4,3 Prozent haben sich selbstgenutzte Wohnimmobilien im Jahresvergleich zu 2013 verteuert. Das Eigenheim ist nach wie vor der große Traum der Deutschen. Mit Ausbruch der Krise fanden viele durch die Furcht vor einer Inflationsangst zum Mut, ihr Erspartes in eine Immobilie zu stecken und gewissermaßen Zuflucht in den eigenen vier Wänden zu suchen. Zunehmend aber ist nicht mehr Angst die Motivation, sich vom Mieter zum Eigentümer zu wandeln, sondern das historisch niedrige Zinsniveau.

          Noch vor vier Jahren mussten Käufer für einen Kredit mit zehnjähriger Laufzeit im Schnitt mit Zinsen um die 4,5 Prozent rechnen. Auch das war schon vergleichsweise günstig. Heute aber zahlen Kreditnehmer nach Angaben von Michiel Goris, Chef des auf Immobilienkredite spezialisierten Vermittlers Interhyp, nur noch zwischen 1 und 2 Prozent. Je nachdem, über wie viel Eigenkapital sie verfügen.

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