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Immobilienmärkte : Die Angst kehrt zurück

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Vor allem über dem Londoner Immobilienmarkt ziehen sich dunkle Wolken zusammen: Zentrale von Barclays in Canary Wharf Bild: dpa

Auf den Immobilienmärkten im Westen wächst die Unsicherheit, je länger die Bankenkrise dauert. Vor allem London ist von zum Teil harschen Preisstürzen betroffen. Aber es gibt auch kapitalstarke Investoren, die derzeit die Schwäche vieler Marktakteure nutzen wollen.

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          Es ist noch nicht so lange her, da sprachen ausländische Unternehmer auf Tagungen von der „deutschen Angst“ und investierten Milliardenbeträge in Deutschland, in unterbewertete Beteiligungen und Immobilien. Von Heuschrecken war die Rede; aber das Kapital aus dem Ausland ließ die konjunkturellen Sorgen und Nöte im Inland schnell vergessen und bescherte den Märkten eine traumhafte Entwicklung - bis im vergangenen Herbst ein schriller Ton alle aus dem Wohlgefallen mit den nicht enden wollenden Rekordmeldungen riss.

          Jetzt ist Angst zurückgekehrt. „Fear is back“, heißt es in den „Emerging Trends in Real Estate Europe 2008“, einer periodischen Untersuchung des psychischen Zustands der maßgeblichen Akteure auf den Immobilienmärkten. Befragt vom Urban Land Institute und der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC), liegt dieser Zustandsbericht über Europa - es gibt vergleichbare Berichte aus Amerika und Asien - jetzt vor. Die „Emerging Trends“ haben sich als das wohl zuverlässigste Barometer für die Immobilienmärkte erwiesen, weil sie nach Erwartungen und Tendenzen fragen, die mit einiger Wahrscheinlichkeit in die Zukunft hineinwirken werden.

          Es fehlt an Bankkrediten

          Die Angst ist zurückgekehrt, heißt das Leitmotiv der Branche; zugleich aber wird ermuntert: Die Bankenkrise habe das Sahnehäubchen weggeblasen. Den Konsumenten gehe es gut, den Mietern ebenfalls und den europäischen Ländern auch - alles, was fehle, sei der Bankkredit.

          Auf dem Immobilienmarkt in Moskau liegen noch große Chancen, aber extreme Risiken: Mondfinsternis über dem Kreml

          Freilich hat der Credit-Crunch die internationale Investitionstätigkeit im Nerv getroffen. Wer Bankkredit bekommen will, muss viel Eigenkapital und gute Strategien vorweisen. Die Regeln des Bankgeschäftes haben sich dramatisch verändert. Das geht an die Substanz: Die Immobilienpreise, so verrät die Studie, würden massiv unter Druck geraten, je länger sich die Bankenkrise hinziehe.

          Viele Fonds nutzen die Marktschwäche

          Aber kapitalkräftige Fonds und Investoren aus rohstoffreichen Ländern würden diese Schwäche nutzen. Das gelte nicht nur für den Kauf von Paketen und einzelnen Immobilien - vor allem, wenn sie Probleme aufweisen, die sich angesichts der immer noch guten Konjunkturentwicklung mit steigenden Mieten bereinigen lassen.

          Auch indirekte Beteiligungen werden beobachtet. So haben die Kurse von Immobilienaktien ein Drittel bis zur Hälfte ihrer Werte verloren, obwohl etliche von ihnen ausgezeichnete Geschäftsabschlüsse vorweisen. Das werde nicht allzu lange ignoriert, heißt es in den „Emerging Trends“.

          Die Preise fallen in London

          Geographisch weise die Immobilienwirtschaft drei unterschiedliche Geschwindigkeiten auf: harsche Preiskorrekturen im Westen (London), Stabilisierung auf dem Kontinent (Paris, Brüssel, München, Berlin) und die fast schon vergessene Jagd nach Märkten mit der Erwartung auf Preissteigerungen im Osten Europas (Moskau) - hier freilich mit extremen Risiken, ähnlich wie Investitionen in der Türkei.

          Allerdings wird auch deutlich, dass für Renditejäger der heißeste Markt in Fernost liegt. Sie alle müssen sich freilich nicht dorthin begeben. Allein in Europa gibt es 470 Immobilienfonds mit 336,5 Milliarden Euro im Angebot (Inrev). „Emerging Trends“ sprechen von „Fund Frenzy“, was mit wilden Pferden verglichen werden kann.

          So ist für jeden etwas dabei, seien es Benelux-Industriebeteiligungen, Gebäude in Russland, Büros in der französischen Provinz oder Nordic-Property, die alle LLC benötigen, was mit „tender loving care“ umschrieben wird und den harten Umgang mit problembehafteten Immobilien meint.

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