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Hauskauf in Kanada : Land für Abenteurer und Romantiker

  • -Aktualisiert am

Keine Rarität: Häuser in Wasserlage sind in Kanada erschwinglich. Bild: Sabine Hildebrandt-Woeckel

Kanada lockt mit Freiheit, großartiger Natur und günstigen Immobilienpreisen. Doch ausländische Käufer kommen oft mit falschen Erwartungen.

          4 Min.

          Christian Markthaler kommt aus der Werbung. 25 Jahre lang hat er in München gelebt und gearbeitet, dann hatte er genug. „Zu viele Menschen, zu viel Enge.“ 2011 packte er seine Sachen und zog mit seiner Familie um: nach Lions Bay in Kanada, 20 Kilometer von Vancouver entfernt.

          Wenn Markthaler jetzt von seinem Alltag erzählt, klingt es wie in einem Abenteuerfilm: die Berge im Winter nicht weit, Meer zum Baden und Kajak fahren praktisch vor der Haustür. Im heimischen Garten schauen ab und an Schwarzbären und Kojoten vorbei, im Meer ziehen Delfine und Orcas ihre Bahnen, und dreimal im Jahr ziehen die Fünf-Kilo-Lachse vorbei. „Dann sitzen die Leute auf den Brücken und fischen.“ Angelschein? Braucht hier niemand. „Der Platz hier ist einfach super, das Freiheitsgefühl enorm.

          Mal ehrlich, so wie Markthaler seine Wahlheimat beschreibt, stellen wir uns Kanada doch auch vor: das zweitgrößte Land der Erde, in dem auf 10 Millionen Quadratkilometern nicht einmal 34 Millionen Einwohner leben. Während sich in Deutschland im Schnitt 229 Personen einen Quadratkilometer teilen und in München sogar mehr als 4500, sind es in Kanada weniger als vier. Unendliche Weite, Natur pur.

          Unendliche Weite. Natur pur.

          So ist es. Das sagt auch Michael Gerhardt. Zwar lebt auch in Kanada der Großteil der Bevölkerung in den Ballungszentren. Aber wer sein Leben entschleunigen möchte, der findet hier sein Plätzchen - oder besser: viel Platz. Gerhardt, geboren in Kehlheim an der Donau, kam 1965 nach Kanada. Drei Jahre waren geplant. Aber dann gefiel es ihm so gut, dass er blieb. Seit 1977 arbeitet er als Immobilienmakler in der Parry-Sounder-Gegend in Ontario und hat seitdem viele Deutsche beim Immobilienerwerb in dem multikulturellen Land begleitet. Aber Gerhardt weiß auch: Nicht alle finden, was sie suchen.

          Christian Markthaler wohnt mit seiner Familie in Lions Bay bei Vancouver, wo er nicht nur die Berge, sondern auch das Meer vor der Haustür hat
          Christian Markthaler wohnt mit seiner Familie in Lions Bay bei Vancouver, wo er nicht nur die Berge, sondern auch das Meer vor der Haustür hat : Bild: Privat

          Bis in die neunziger Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts, erzählt er, kamen vor allem echte Auswanderer, die ein neues Leben anfangen wollten. Seitdem es aber deutlich schwieriger geworden ist, kanadischer Staatsbürger zu werden, sind es eher Geschäftsleute, die ein Haus am See kaufen und sich alljährlich ein bis vier Monate Auszeit leisten.

          Kanada kann viele Wünsche erfüllen, und das bis heute für deutlich weniger Geld als anderswo. Wo sonst bekommt man Baugrundstücke mit Seezugang für 40 000 Euro oder Wohnhäuser am Seeufer für 850 000 Euro. Erst kürzlich vermittelte Gerhardt einem deutschen Kunden ein Ferienhaus an der Georgian Bay, für nur 2,7 Millionen Euro. Sogar Inseln sind erschwinglich.

          Immobilien sind vergleichsweise günstig

          Doch die kaufwilligen Ausländer haben oft falsche Erwartungen. Vor allem zwei Irrtümer sind verbreitet, wie der Immobilienvermittler beobachtet hat. Zum einen der Glaube, dass das Leben in dem auf den ersten Blick europäisch wirkenden Land ähnlich funktioniere wie in Deutschland. Zum anderen, dass die große Freiheit, die das dünnbesiedelte Land verheißt, und vermeintliche Lockerheit der Bewohner auch für Kaufabwicklung und Bebauung gelte. Beides ist falsch.

          Wer die gleiche kulturelle Vielfalt erwartet wie in Europa, wird enttäuscht, sagt auch Werbeprofi Markthaler. Alte Kirchen, historische Gebäude, kulturelles Angebot - gibt es nicht oder nur wenig. Wer das gleiche Warenangebot erwartet, der wundert sich. Nicht nur, dass Alkohol nur in bestimmten Geschäften erhältlich ist. Viele Artikel, die zu Hause überall selbstverständlich zu haben sind, müssen Kanadier erst in den benachbarten Vereinigten Staaten bestellen. Weil die Ware durch den Zoll muss, dauert es meist drei Wochen, bis sie den Empfänger erreicht. Irgendwann, sagt der frühere Münchner, realisiert man, dass Freiheit eben auch bedeutet, „zigtausende Kilometer vom Weltgeschehen entfernt“ zu sein. Das muss man mögen. Sein Rat an Interessenten lautet denn auch, vor einer Kaufentscheidung mehrfach das Land zu besuchen - am besten auch mal für mehrere Wochen.

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