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Immobilienjahr 2016 : Ende gut, Elphi gut

Neue Länder holen auf: Die ostdeutschen Metropolen ziehen immer mehr Menschen an. Bild: plainpicture/Jens Kuesters

Was für ein Jahr! Es wurde gebaut wie im Rausch, reguliert wie im Wahn und zum ersten Mal seit Jahren aus der Stadt geflüchtet. Bleiben werden superoptimierte Minibutzen, Wohn-Wolkenkratzer und ein echtes Schmuckstück.

          Stadt, Land, Osten

          Der Osten schrumpft, und alle wollen in der Stadt wohnen? Von wegen. In diesem Jahr haben die Statistiker gleich mit zwei vermeintlichen Gewissheiten aufgeräumt. Erstens: Auch im Osten wächst die Bevölkerung. Der Strukturwandel nach der Wende, der die neuen Bundesländer 1,8 Millionen Einwohner kostete, sei abgeschlossen, verkündete das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung im Januar. Eine frohe Botschaft zu Jahresbeginn - allerdings mit einer Einschränkung, denn nur 15 Prozent der Städte und Gemeinden hätten den Wandel geschafft, vor allem die Metropolen. Die übrigen 85 Prozent haben weiter Einwohner verloren. Zweitens: Die Städte verlieren mehr Einwohner aus dem Inland, als sie Zuzügler gewinnen. Zwar verzeichnen die sechs größten Städte des Landes - Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart und München - stetig steigende Einwohnerzahlen. Doch bei den Einheimischen haben sie offenbar an Anziehungskraft verloren. Zunächst fiel es angesichts der vielen neuen Bewohner aus dem Ausland nicht auf, aber seit dem vergangenen Sommer ist von Trendwende die Rede: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat sich die Zahlen des Statistischen Bundesamts näher angesehen und festgestellt, dass seit 2014 mehr Menschen aus den Großstädten weg- als aus dem Umland zuziehen. Schon schwadroniert mancher von neuer Stadtflucht und aufflammender Landlust. Doch in die tiefe Provinz flieht kaum einer, der Berlin oder Hamburg verlässt. Vielmehr zieht es die ehemaligen Metropolenbewohner in den Speckgürtel, wo der S-Bahn-Anschluss garantiert ist, oder in eine andere, nur etwas kleinere Stadt.

          Banker nach Frankfurt

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Und wo kommen die Frankfurter unter, wenn erst die Banker aus London kommen? In Offenbach? Seit dem Brexit geht in der Stadt am Main ein Gespenst um: Es ist der spitzenmäßig verdienende Angestellte in der Finanzbranche, der den Frankfurter Immobilienmarkt stürmen und die Mieten weiter in astronomische Höhen treiben soll. Noch wurde er nicht in Massen gesichtet, doch vieles spricht dafür, dass er bald im Anmarsch ist. Im Juni dieses Jahres haben die Briten entschieden, dass sie die Europäische Union verlassen wollen. Seither spielen viele Banken mit dem Gedanken, ihr Europa-Geschäft von der Themse an den Main zu verlagern. Die Schweizer Großbank UBS hat es Anfang Dezember vorgemacht. Außerdem könnte es sein, dass die geplante Fusion der Deutschen Börse mit dem Londoner Konkurrenten London Stock Exchange am Ende doch ihren rechtlichen Sitz in Frankfurt hat - noch vor dem Brexit-Votum galt London als gesetzt. Wie viele kommen und wann, ist ungewiss: Die Schätzungen reichen von 5000 bis 20 000 Zuzüglern aus der Bankenbranche. Wenn es so kommt, dürfte Wohnraum noch knapper und damit teurer werden. Zunächst würden die Banker wohl pendeln und hochpreisige, teils möblierte Appartements in Innenstadtnähe nachfragen - langfristig könnten über Kaskadeneffekte Wohnungen in allen Preisklassen teurer werden.

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