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Immobilienjahr 2016 : Ende gut, Elphi gut

Festhalten an der Mietpreisbremse

Dass das Gegenteil von gut manchmal gut gemeint ist, zeigt auch die Mietpreisbremse. Sie sollte den steigenden Mieten in den Metropolen einen Riegel vorschieben. Wird eine Wohnung neu vermietet, darf der Vermieter höchstens 10 Prozent mehr verlangen als die ortsübliche Miete, die der städtische Mietspiegel festlegt - bestehende Mietverträge und neu gebaute oder umfassend sanierte Wohnungen ausgenommen. Seit April 2015 wurde die Mietpreisbremse nach und nach in mittlerweile 313 Städten in zwölf Bundesländern eingeführt - Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und das Saarland sehen keine Notwendigkeit -, erfolgreich bremsen tut sie aber offenbar nicht. Den Mietpreisen in München, Hamburg und Frankfurt kann man weiter beim Steigen zuschauen, und dagegen zu klagen, trauen sich die Mieter meist nicht. Wer den Zuschlag für die hart umkämpfte Wohnung bekommen hat, hält lieber erst mal die Füße still. Justizminister Heiko Maas, der die Bremse initiiert hat, will sie aber noch weiter nutzen. Es dauere, bis sie sich herumgesprochen habe. Da kann man wahrscheinlich lange warten.

Maximales Minimum

Ob Miniwohnungen zur nennenswerten Entlastung der Wohnungsmärkte beitragen und Bewohner langfristig in den Städten halten, kann man aus gutem Grund bezweifeln. Unter dem Motto „Klein, aber fein“ preisen die Projektentwickler um die 20 Quadratmeter kleine Appartements an, in denen jeder Quadratzentimeter durchgeplant ist. Diese Weiterentwicklung der Studentenunterkunft macht derzeit an allen angespannten oder halbwegs gefragten Wohnungsmärkten Karriere und versucht, an die Ökonomie des Teilens anzuknüpfen: Weil Fläche teuer ist, begnügt sich der Einzelne mit einem Minimum. Die Wohnanlage bietet aber jede Menge Gemeinschaftsflächen und Annehmlichkeiten. Gegenwärtig tummeln sich fünfzehn Anbieter, die auf dem hiesigen Markt in den vergangenen vier Jahren 22 000 Wohnungen gebaut und weitere Projekte in Planung haben, wie der Marktbeobachter Catella ausgewertet hat. Und etliche neue Projekte sind geplant, denn die Butzen finden bei Investoren reißenden Absatz.

Hoch, höher, Grand Tower

Ungebrochen ist auch der Trend zum Wohnhochhaus. Zumindest in Berlin und in Frankfurt. Die Hauptstadt will mächtig aufholen. Bis 2018 sollen dort 19 neue Gebäude entstehen, die den Namen Wohnhochhaus verdienen. Der mit Abstand höchste Wohnturm des Landes wird aber nach bisherigem Stand am Main entstehen. Der „Grand Tower“ wächst im Frankfurter Europaviertel in die Höhe, soll 172 Meter messen und 401 Eigentumswohnungen beherbergen.

Elphi und BERchen

Am Ende wird er dort einer unter vielen Wolkenkratzern sein, und kein Vergleich zu Hamburgs Schmuckstück, der Elbphilharmonie. Endlich heißt es an der Elbe: Ende gut, Elphi gut. Vor kurzem noch verteufeltes, vermurkstes und bestenfalls verspottetes hanseatisches Steuergeldgrab und jetzt das: Elphi. Ein Name, der nach lieber Nenntante klingt, gleichzeitig aber Leichtigkeit und Eleganz ausstrahlt, schließlich stecken auch sie im Namensklang drin, die Elfen. Und irgendwie ist die Elbphilharmonie, ein paar Wochen nachdem sie an die Öffentlichkeit übergeben wurde, auch schon beides: ein neues Familienmitglied, das die Hamburger schnell liebgewonnen haben, auf das sie aber auch ganz schön stolz sind, weil es mit seinen gläsernen Wellen herausragt aus dem Rotklinker-Sandstein-Einerlei. Dass sich die Baukosten im Laufe der Jahre mit 789 Millionen mehr als verzehnfacht haben und die richtige Eröffnung erst im Januar 2017 ansteht - geschenkt. Hamburg hat jetzt Elphi. Und die Berliner immer noch keinen neuen Flughafen. Wie sollte er auch heißen: BERchen?

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