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Immobilien : Das rechtsrheinische Köln verändert sein Gesicht

So soll der Deutzer Hafen einmal aussehen (die Visualisierung stammt vom Team Cobe). Bild: Team Cobe

„Schäl Sick“ heißt in Köln die rechtsrheinische Seite: Gemeint ist die „falsche“ Seite der Stadt mit dem schlechten Ruf. Doch mehr und mehr wird das scheele Image des Rechtsrheinischen selbst scheel.

          Für manche Kölner ist es die „schäl Sick“, die falsche Seite des Rheins. Der herabwürdigende Blick auf rechtsrheinische Stadtteile wie Deutz, Mülheim oder Kalk hat seinen Ursprung in der Zeit der Römer, die einst die Stadt links des Flusses gründeten. Der Rhein bildete damals die natürliche Grenze zu den aus Sicht der Römer rückständigen Germanen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Das früher von viel Industrie geprägte rechtsrheinische Köln hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren bereits stark gewandelt. Nicht nur die Lanxess Arena samt Stadthaus, das Hochhaus Kölntriangle und das Einkaufscenter Köln Arcaden veränderten die Gegend, sondern auch die Ansiedlung neuer Hotels an der Messe und die Schaffung der Freitreppe am Rheinufer zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke.

          Neuzugang Lanxess

          In die früheren Fabrikgebäude im Mülheimer Schanzenviertel zogen Kultur- und Medienschaffende wie der Verlag Bastei Lübbe, Fernsehstudios und die Veranstaltungshallen E-Werk und Palladium ein. Die ehemaligen Rheinhallen der Messe beherbergen heute den Versicherungskonzern HDI (Talanx-Konzern) und den Fernsehsender RTL. Der Kreditversicherer Atradius wählte die neu errichteten Constantinhöfe gegenüber dem Deutzer Bahnhof als Deutschlandsitz.

          Jüngster prominenter Neuzugang ist der Chemiekonzern Lanxess, der vor drei Jahren von Leverkusen in den kernsanierten früheren Lufthansa-Turm am Deutzer Rheinufer zog. Im Gegenzug musste die schmerzhafte Nachricht der Ende 2019 geplanten Schließung der Lufthansa-Hauptverwaltung verkraftet werden.

          Mit mehreren zentral gelegenen Vorhaben will die Stadt die Entwicklung im Rechtsrheinischen weiter vorantreiben. Denn das derzeit gut eine Million Einwohner zählende Köln wächst: Bis zum Jahr 2029 werden nach Angaben der Stadt rund 52.000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Für die Stadtentwicklung biete das rechtrheinische Köln großes Potential, stellt Franz-Josef Höing, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr, fest. „Das Gesicht der rechten Rheinseite wird sich in den kommenden zehn bis 15 Jahren deutlich verändern“, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ein Regenwasser-Schwimmbad

          Eines der größten Projekte ist die Umgestaltung des Deutzer Hafens zu einem Wohn- und Büroviertel. Der Frachtumschlag findet heute maßgeblich in den Häfen in Niehl und Godorf statt, während der 1907 in Betrieb genommene Deutzer Hafen stark an Bedeutung verloren hat. Künftig sollen hier bis zu 5000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 4500 Menschen entstehen. Ein Drittel davon ist für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen, machten die geförderten Mietwohnungen im vergangenen Jahr doch nur knapp 7 Prozent des Wohnungsbestandes in der Stadt aus.

          Das Kopenhagener Büro Cobe - kürzlich zum Sieger des Ideenwettbewerbs gekürt - schlägt vor, die Kranbahnen und den ehemaligen Löschkran zu erhalten und am südlichen Ende des Hafenbeckens ein Schwimmbad einzurichten, in das gefiltertes Regenwasser eingeleitet wird. Die Fläche von 35 Hektar wollen die Planer in fünf Abschnitte unterteilen. Nach Ansicht von Andreas Röhrig, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft „Moderne Stadt“, ergibt sich damit der Vorteil, dass die Unterquartiere nacheinander oder auch gleichzeitig errichtet werden können. „Gerade bei größeren Projekten ist eine solche anpassungsfähige Planung wichtig“, sagt Röhrig.

          Zur Beschleunigung der Hafenumnutzung hat die „Moderne Stadt“ kürzlich zum Preis von angeblich 80 Millionen Euro die Ellmühle gekauft. Die 1908 gegründete Mühle mit dem markanten „Aurora“-Logo verarbeitet jährlich 365.000 Tonnen Getreide zu Mehl für Privathaushalte und Spezialmehlen für die Industrie. Sie ist damit die größte Mühle von Good Mills Deutschland. Der Betrieb kann bis Ende 2020 fortgeführt werden, die Suche nach einem neuen Standort läuft.

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