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Hotspot Antwerpener Hafen : Schick an der Schelde

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Stützbalken der Entwicklung: Seit das Museum aan de Stroom vor fünf Jahren eröffnet wurde, will jeder aufs Eilandje. Bild: Prisma Bildagentur

Wo einst Napoleon seine Flotte für die Invasion Englands rüstete, machen heute nur noch Immobilienfirmen mobil. Ein Besuch des Antwerpener Eilandje, dem neuen Hipster-Hotspot im historischen Hafen.

          Keine andere Stadt strahlt architektonisch mehr Beschaulichkeit aus, obwohl sie stoisch zwischen monumentaler Gotik und Plattenbau, zwischen Leerstand und Neubauten mäandert, als Antwerpen. Nur: Es regnet. Oft. Antwerpen liegt schließlich weniger als 100 Kilometer vom Meer entfernt. Und so kauft man sich am besten prophylaktisch einen dieser transparenten Regenschirme, wenn man etwas von der Stadt sehen will.

          Doch genau die stürmische Nordsee-nähe ist es, die der flämischen Stadt ehedem zu internationalem Ansehen verholfen, sie zum zweitgrößten europäischen Frachthafen (nach Rotterdam) gemacht hat. Vor 500 Jahren begann dieser Aufstieg: Im 16. Jahrhundert, als hier Rubens und Van Dyck das goldene Zeitalter in barocken Gemälden festhielten, war Antwerpen die reichste Handelsstadt Europas. Nach Jahrzehnten der Rezession annektierte Napoleon Antwerpen und ließ Anfang des 19. Jahrhunderts zwei Hafenbecken (das Willemsdok und das Bonapartedok) ausheben, um von dort aus seine Kriegsschiffe gen England mobil zu machen. Genau in diesem Gebiet beginnt, was als het Eilandje, „die kleine Insel“, bekannt ist.

          Genau zwischen jenen Hafenbecken erinnert seit fünf Jahren das „Museum aan de Stroom“, das MAS, an die glorreiche Zeit Antwerpens zurück. Es erzählt bildhaft von Antwerpen und dem Fluss Schelde, vom Hafen und den Begegnungen, die Import und Export erst ermöglicht haben. Mitten im Regen mutet das imposante neungeschossige Gebäude aus rotem Sandstein fast rostig an. Drinnen landet man, der Aufstieg ist kostenlos, nach fünf Minuten Fahrtzeit auf den Rolltreppen auf dem Panoramadach. Und blickt auf: Antwerpen im Regen. Vor allem aber auf die zahlreichen Kräne, welche das Eilandje mit weiteren Hochbauten bestücken. Denn das MAS war erst der Anfang an neuen Bauprojekten, als es im Frühsommer 2011 an der Schnittstelle von Hafen und Zentrum eröffnete - gemütliche 1,5 Kilometer von den schicken Modeboutiquen in der Nationalestraat und der Einkaufsstraße Meier entfernt.

          Davor war das Eilandje da verwaist, wo nicht gerade rustikale Hafenbars bis zum Sonnenaufgang Schnaps ausschenkten. Die Lagerhallen im nördlichen Bezirk standen leer oder waren zu Clubs geworden. Stephan Schneider, ein deutscher Modedesigner, der seit seinem Studium in Antwerpen lebt und hier nahe des Groenplaats seine Boutique hat, kann sich gut an das alte, das verruchte Eilandje erinnern: „Ich habe mir vor 20 Jahren nicht vorstellen können, dass das Gebiet revitalisiert wird. Jetzt ist hier am Wochenende alles voll, und man findet kaum mehr einen Parkplatz.“ Was also hat sich getan, seit das MAS vor fünf Jahren wie ein Stützbalken für das verkümmerte Viertel aus dem Boden schoss?

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