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Hotspot Antwerpener Hafen : Schick an der Schelde

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Auf einen Supermarkt muss er noch warten. Aber warum wollen die Antwerpener nicht lieber in den schönen Jugendstil- oder Art-déco-Häusern im Zentrum wohnen? „Nun, im Eilandje gibt es Tiefgaragen. Man wohnt zwar etwas ab vom Schuss, ist aber schnell in der Altstadt“, lautet Ombregts Begründung. Parallelen zu neuen Hafenvierteln in Hamburg oder London liegen nahe: Am Wasser gibt es Platz, und gleichzeitig wirken die Gelände im Vergleich zu eng bebauten Innenstädten luftig. Plus: Der Pioniergeist schwingt natürlich mit. Ombregt gibt zu, dass er „Teil dieser neuen Bewegung“ sein wollte: „Ich kam am Sonntag oft zum Eilandje, um zu schauen, was sich dort tut.“ Mittlerweile gehört er schon fast zum Establishment auf der Insel. Aber hat er keine Angst vor Turbo-Gentrifizierung? „Nein. In Antwerpen sind bei städtebaulichen Eingriffen 20 Prozent soziale Funktionen vorgesehen. Es reguliert sich also allein per Gesetz.“

Nächste Umgestaltungswelle steht unmittelbar bevor

Zwei, die ebenfalls vor kurzem das Eilandje für sich entdeckt haben, genauer das Schipperskwartier, wo das Rotlichtmilieu immer noch vor sich hin dämmert, ist das Künstlerduo paris - texas - antwerp. Die französische Innenarchitektin und Textildesignerin Nathalie Wolberg und der amerikanische Künstler und Bildhauer Tim Stokes sind 2011 nach Antwerpen gezogen. In einem ehemaligen Import-Export-Gebäude haben sie sich auf 650 Quadratmetern einen Arbeits-, Ausstellungs- und Wohnbereich eingerichtet, der ihnen zu Beginn der Renovierung noch reichlich trist vorkam. Heute braucht es, inmitten der knallbunt gestrichenen Räume mit den vielen Designobjekten und den transparenten Treibhausdächern, einiges an Vorstellungskraft, um sich umgekehrt ein graues Büro auszumalen. Die Nachbarn haben das Künstlerduo schnell gemocht und dass hier endliche etwas passierte. „Letztlich stand das Gebäude fast zwei Jahre leer“, ergänzt Stokes. Es ist auch eine Phantasiewelt, eine kreative Insel, die Wolberg und Stokes sich erschaffen haben. Aber auch um sie herum wird gebaut. In Kürze soll das Firmengebäude gegenüber abgerissen werden und ein Luxushotel entstehen.

Auch auf dem Eilandje steht die nächsten Umgestaltungswelle unmittelbar bevor. Zum Beispiel auf der rechten Seite des Kattendijkdoks, an dessen Westseite der Architekt Hansi Ombregt wohnt. Noch steht hier die Bar Paniek. Ein kurioses Konstrukt, ein Zwischennutzungs-Experiment, das an Berlin zur Millenniumswende erinnert. Drinnen Bar und Konzertsaal, dahinter eine riesige Ausstellungsfläche. Bis Ende Juli kuratierte der ehemalige Hugo-Boss-Designer Bruno Pieters hier „Behind the Clothes“, eine Ausstellung zu nachhaltiger Mode. Aber auch diese Lagerhalle soll Ende des Jahres neuen Lofts und Sozialwohnungen weichen. Dahinter ist ebenfalls schon jetzt der neue Cadix-Komplex geplant, ebenfalls ein Apartment-Konglomerat.

Ob in weiteren fünf Jahren das ganze Eilandje aussieht wie alle anderen neugestalteten Hafenviertel dieser Welt? Schließlich prangen in neuen Häusern schon wieder die neonfarbenen Reklamen der Immobilienbüros. Muss aber auch nicht sein. Denn noch stehen auf der Insel alte Kräne herum, die kein Mensch mehr braucht. Und so behält der südliche Antwerpener Hafen vielleicht ein wenig länger als andere Orte seinen alten Charme, der schon Stefan Zweig zu begeistern wusste. Und dem heute die Kreativen wie paris - texas - antwerp folgen.

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