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Hotspot Antwerpener Hafen : Schick an der Schelde

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Auf zur Tour durch die Pfützen. Erst einmal die Umrundung des großen Hafenbeckens, des Willemdoks, das mittlerweile als Yachthafen fungiert. Am Godefriduskaai, südlich des MAS, stehen im Schaufenster einer Jobvermittlung weiße Eames Chairs, der Thron der Gentrifizierung sozusagen. Ein paar Meter weiter gibt’s Buletten. Nicht irgendwelche, schnell aus einem Imbisswagen verkauft. Das Restaurant Balls & Glory bietet rund ein Dutzend Varianten von Fleisch- und Gemüsebällchen. Die Einrichtung hält sich an die Lagerhallen-DNA des riesigen Speichergebäudes: offenes Kopfsteinpflaster, weiß getünchtes Mauerwerk, Holzsäulen. Dazu Akzente in Mint wie die Industrielampen und die Beine der Werkstatt-Hocker aus den dreißiger Jahren. An einem Samstagvormittag sind die Tische im „Balls & Glory“ voll und die Gäste sehr jung. Die wenigsten davon wohnen in der Gegend. Aber sie kommen hierher: Zum Brunch bei Balls & Glory, zum Dinner in das Zwei-Sterne-Restaurant t’Zilte auf dem Dach das MAS und zum Bummeln in den Galerien.

200 Quadratmeter, verteilt auf fünf Stockwerke: Der Architekt Hansi Ombregt kaufte sein Haus so günstig, dass genug Geld für den kompletten Umbau blieb. Bilderstrecke

Einer, der dem Eilandje schon vor 15 Jahren eine Chance gab, ist der belgische Modedesigner Dries van Noten. Er zog mit seinem Atelier in das ehemalige Godfried-Gebäude, ein kolossales Architekturdenkmal von 1904. Die „Bar du Port“ auf der anderen Seite des Hafens macht mit den alten Fotografien, Malereien und Werbeschildern noch den Eindruck einer Kaschemme. Und hält quasi jene Zeit fest, als es im Eilandje noch keine Eames Chairs gab, sondern nur wackelige Holzstühle.

Weiter geht’s zu einem, der es sich hier wohnlich gemacht hat: der Architekt Hansi Ombregt. Ombregt ist schon vor sechs Jahren ins Eilandje gezogen. „Ich habe das Haus gekauft, ohne meiner Frau vorher Bescheid zu sagen. Damals war ich mir nicht sicher, ob sie dem zustimmen würde, hier hinaus zu ziehen“, sagt Ombregt. „Doch der Preis war für Antwerpener Verhältnisse einfach günstig.“ So günstig, dass genug Geld für den Umbau blieb und vom alten Haus nur die Außenwände stehenblieben und innen alles entkernt und neu strukturiert wurde. Mit den fünf Stockwerken, welche allesamt über ein parallel zur weißen Hausfront verlaufendes, offenes Treppenhaus verbunden sind, wirkt das knapp 200 Quadratmeter große Haus verschachtelt wie ein Bild von M.C. Escher.

Während wir Stock für Stock hinauflaufen, bleibt der Blick durch die großflächig verglaste Fassade an den sechs Hochhäusern eine Parallelstraße weiter hängen. „Die ersten beiden, die in Gold und Silber, wurden vor fünf Jahren von Schweizer Architekten gebaut“, weiß Ombregt. Auf der anderen Seite von Ombregts Domizil, dort, wo die Schelde sich Richtung Nordsee schlängelt, wummert es gerade gewaltig. Vom Balkon auf der Rückseite wird die Lärmquelle ersichtlich. Eine drei Stockwerke umfassende Plastikplane bewirbt auf dem Betongerüst mit dem Versprechen eines ultimativen Lifestyle bis zu 300 Quadratmeter große Lofts mit Sicht aufs Wasser. Ob Ombregt der ständige Baulärm nicht stört? „Nein, es war ja absehbar, dass hier irgendwann überall gebaut wird. Das Eilandje wurde zwar schon seit den neunziger Jahren beworben, aber spätestens seit das MAS eröffnet wurde, hat es sich wirklich als Wohnort etabliert. Dafür gibt es jetzt eine Bäckerei, einen Coffeeshop und eine Metzgerei.“

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