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Horrende Abstandszahlungen : Mieter zocken Mieter ab

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Immer mehr Mieter wollen, dass der Nachmieter ihre Möbel gegen Abstandszahlungen übernimmt - und verlangen dafür teilweise horrende Beträge. Bild: dpa

Mieter verlangen von Nachmietern immer häufiger hohe Abstandssummen - für Küche, Möbel, Einrichtungsgegenstände. Weigert sich der Interessent, geben sie seine Daten nicht an den Vermieter weiter. Dürfen die das überhaupt?

          Das Angebot im Internet ist ein Traum. Ein 70 Quadratmeter großes Dachgeschoss in Berlin-Mitte mit Blick auf den Fernsehturm. Parkett, ordentliche Einbauküche, Bad mit Schieferfliesen und Regendusche, dazu bodentiefe Fenster und, der Clou, zwei gigantische Balkone. Und alles für 1100 Euro Warmmiete. Der Interessent liest und staunt, dann stolpert er über den letzten Absatz des Inserats: „Diese Wohnung wird nur möbliert übergeben. Der Nachmieter muss meine Einrichtung und die Küche übernehmen, Fixpreis 5000 Euro. Wer dazu nicht bereit ist, dessen Daten werde ich dem Vermieter nicht weitergeben.“

          Frechheit. Das ist der erste Gedanke. Da sitzt einer im Eigentum eines anderen und nutzt diese Position aus, um seinen Krempel loszuwerden. Die Küche mag ja in Ordnung sein, aber das Sofa, die Lampen, das Bett – geschmacklos. Beziehungsweise: nicht der Geschmack des potentiellen Nachmieters, der ohnehin seinen eigenen Hausrat mitbringt.

          Was tun? Ist es die Wohnung wert, so viel Geld extra auszugeben? Der Interessent beschließt, eine Nacht lang darüber zu schlafen. Tags drauf will er das Inserat wieder aufrufen, doch es ist weg. Irgendwer war schneller. Irgendwem waren die 5000 Euro egal.

          Seit für Makler das Bestellerprinzip gilt, kommt es immer häufiger vor, dass Mieter im Auftrag der Eigentümer annoncieren. Wenn die Wohnung schön ist, finden sich in den Inseraten häufig Konditionen nach dem Motto: Wenn du willst, dass ich deine Daten an den Vermieter oder die Hausverwaltung weiterreiche, musst du auch etwas für mich tun. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt der Großstädte macht’s möglich. Unterschreibt der potentielle Nachmieter den Vertrag dann mit der vereinbarten Ablösezahlung, wird diese fällig, sobald ein Mietvertrag zustande kommt. Zu Recht?

          Keine Mondpreise für Möbel

          Ja, sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes. Man müsse die zwei Verträge, um die es gehe, klar voneinander trennen. Da sei zum einen der Kaufvertrag über bestimmte Möbel; hier ist der Vertragspartner der Vormieter. Da sei zum anderen der Mietvertrag mit dem Vermieter. Der erste Vertrag werde zwar erst wirksam, wenn der zweite Vertrag zustande kommt. Aber selbst wenn der Vermieter später sage, er habe nichts von irgendwelchen Ablösezahlungen gewusst, bleibe der Vertrag mit dem Vormieter wirksam.

          Der Vormieter dürfe allerdings keine Mondpreise für seine Möbel verlangen. Für den Ablösekaufvertrag gilt eine Regel aus dem Wohnungsvermittlungsgesetz: der sogenannte Zeitwert plus 50 Prozent. „Wenn die Küche noch tausend Euro wert ist, darf sie also maximal 1500 Euro kosten“, sagt Ropertz. „Jeden Cent, den der Vormieter mehr erhält, müsste er zurückzahlen.“ Das klingt einfach, dürfte im Zweifelsfall aber mühsam sein. Der Nachmieter muss den Vormieter erst mal ausfindig machen, dann die Originalrechnungen einfordern, zur Not mit Hilfe eines Anwalts, als nächstes entsprechend des Alters und Zustandes der Möbel deren Zeitwert schätzen (immer Auslegungssache), diesen Wert mit 1,5 multiplizieren, um schließlich rauszufinden, ob und in welcher Höhe er abgezockt wurde.

          Wer sich solchen Ärger sparen will, dem bleibt nur ein Weg: Er darf den Ablösevertrag gar nicht erst unterschreiben. Mieterbund-Sprecher Ropertz empfiehlt Menschen, die eine schöne Wohnung mit Ablöseforderung gefunden haben, diese auch auf anderen Plattformen zu suchen. Oft böten Vermieter und Verwalter ihre Wohnungen parallel zum aktuellen Mieter ebenfalls an – ohne die Kondition, irgendwelche Möbel zu erwerben. Eine andere Möglichkeit sei ein Besuch im Haus, in dem sich die Wohnung befindet. „Klingeln Sie einfach bei den Nachbarn und fragen Sie nach dem Namen des Vermieters. Dann bewerben Sie sich direkt um die Wohnung.“ In so einem Fall dürfte der Vormieter zwar sauer sein, dass ihm niemand seine Möbel abnimmt. Aber das ist dann sein Problem.

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