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Deutscher Wohnungsmarkt : 7500 Euro für einen Quadratmeter Zuhause

  • -Aktualisiert am

In München ist der Quadratmeterpreis für Wohneigentum am höchsten Bild: dpa

Die hohen Mieten und Immobilienpreise in den Ballungszentren sorgen für Frust. Die Politik will den Preisanstieg stoppen. Doch das gelingt bislang kaum.

          6 Min.

          Rolf Harms ist ein Hausverwalter, der gerne mal provoziert. Kürzlich war es wieder so weit: Harms hatte eine Wohnung im beliebten Berliner Stadtteil Schöneberg inseriert. Zwei Zimmer, 54 Quadratmeter, Fünfziger-Jahre-Bau. Nicht sonderlich schön, aber zu einem Preis, wie man ihn in der Hauptstadt nur noch selten findet: für 550 Euro im Monat warm. Es kam, wie es kommen musste: Mehr als 1700 Interessenten meldeten sich innerhalb von zwölf Stunden auf die Anzeige, mehrere hundert kamen zur Besichtigung. Harms musste sich in der Menge mit einem Megafon Gehör verschaffen. Der Berliner Hausverwalter hat schon mehrfach solche Massenbesichtigungen veranstaltet. Es ist sein Weg, die Politik daran zu erinnern, dass die Probleme auf dem Wohnungsmarkt noch lange nicht gelöst sind.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Seit Jahren ist die Nachfrage nach Wohnraum vor allem in den Großstädten und ihrem Umland weitaus größer als das Angebot. Entsprechend stark sind sowohl die Mieten als auch die Kaufpreise in die Höhe geschossen. Weil die Gehälter nicht annähernd so stark gestiegen sind, müssen die Menschen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben. Jeder zweite Mieter in Deutschland überweist einer Forsa-Umfrage zufolge mehr als 30 Prozent seines Haushaltsnettoeinkommens an den Vermieter. Die Bundesregierung verspricht Besserung. 1,5 Millionen neue Wohnungen sollen bis Ende 2021 entstehen und den Preisdruck in dem aufgeheizten Markt dämpfen. Doch noch liegen die Fertigstellungszahlen weit unter Plan, und viele Menschen fragen sich bang: Wird Wohnen jemals wieder günstiger?

          Miete oder Eigentum: So wohnen die Deutschen

          Deutschland ist ein Land der Mieter. Nur 42,1 Prozent der Menschen leben in den eigenen vier Wänden, 57,9 Prozent sind Mieter, so besagen es die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Zwar ist der Anteil der Immobilienbesitzer insgesamt etwas höher, schließlich hat so mancher, der selbst zur Miete lebt, eine Wohnung als Kapitalanlage gekauft und vermietet. Aber auch bei dieser Kennzahl zählen die Deutschen europaweit zu den Schlusslichtern. Auf 51,4 Prozent beziffert das Europäische Statistikamt die Wohneigentumsquote in Deutschland. Geringer ist der Anteil derer, denen eine Immobilie gehört, nur noch in der Schweiz. In weiten Teilen Osteuropas, aber auch in Norwegen, Spanien und Portugal ist das Bild ein anderes. Dort nennen mehr als drei Viertel der Menschen eine Immobilie ihr Eigen. An der Situation in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert, im Gegenteil: Der Anteil der Eigentümer war trotz des Immobilienbooms jahrelang rückläufig. Fachleute erklären das unter anderem damit, dass die Menschen wegen beruflicher Wechsel flexibel bleiben wollen. Anders als etwa in Frankreich oder Großbritannien gibt es in Deutschland nicht die eine große Metropole, in der sich die wirtschaftliche Aktivität des Landes konzentriert.

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