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Hotelprojekt : Der Turmbau zu Vals

Da wird das Tal gleich viel idyllischer Bild: Morphosis Architects

In einem beschaulichen Schweizer Bergdorf soll das höchste Hotel der Welt entstehen. Das sorgt für richtig viel Ärger.

          Die Zufahrt erinnert an „Jurassic Park“, diesen Film mit den fiesen Ur-Echsen, der gerade in einer Neuauflage in den Kinos läuft: Eine enge Straße führt in scheinbar endlosen Kurven stetig bergauf durch ein sattgrünes Tal, von dessen Hängen links und rechts Wasser in langen Strähnen hinab-fällt. Es sammelt sich im Valser Rhein. Der Fluss hat sich so tief in das zerklüftete Felsmassiv gegraben, dass er von der Straße aus, die Schweizer Baumeister geradezu kunstvoll in den Hang gefräst haben, oft gar nicht mehr zu sehen ist. Nur selten kommt ein Auto entgegen. Ein Wunder ist das nicht. Denn dies ist eine Sackgasse. Sie endet auf einer Höhe von 1250 Metern in Vals. Dieses Dorf in Graubünden, gut zwei Autostunden entfernt von Zürich, ist von drei Seiten eingekesselt durch Berge mit Namen wie Piz Tomül, Faltschonhorn und Frunthorn.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Am Fuße der grünen Alpwiesen und schroffen Felshänge leben 1000 Menschen und mindestens noch mal so viele Schafe und Kühe. Es ist ein verschlafener kleiner Ort, der weder einen spektakulären Berg wie das Matterhorn noch ein aufregendes Skigebiet zu bieten hat. Und wenn dort nicht die inzwischen weltberühmte Therme des Architekten Peter Zumthor stünde, die am Wochenende hippe Städter, Intellektuelle und Kantonsschullehrer anzieht, dann wäre in Vals gar nichts los.

          Doch halt! Da gibt es etwas - oder besser einen, der seit Monaten dafür sorgt, dass in Vals die Hölle los ist. Und nicht nur dort. In der ganzen Schweiz sorgt dieser Mann für Aufregung. Hasstiraden füllen die Spalten der Zeitungen und Online-Medien. Es geht um den schillernden Immobilienunternehmer Remo Stoffel und sein Hotelprojekt in Vals.

          Hasstiraden in Zeitungen und Online-Medien

          Gleich hinter dem Ortseingang, unterhalb der Therme, will Stoffel für 300 Millionen Franken das höchste Hotel der Welt bauen, einen gläsernen Wolkenkratzer, der mit 381 Meter so hoch wäre wie das Empire State Building und auf einer Grundfläche von nur 18 mal 31 Meter wie eine Nadel in den Himmel emporragen soll. Entworfen von dem preisgekrönten amerikanischen Architekten Thom Mayne, soll es ein Luxushotel der Superlative werden, in dem sich die richtig Reichen dieser Welt die Klinke in die Hand geben. Die kleinsten Zimmer auf den unteren der insgesamt 82 Etagen werden 60 Quadratmeter groß sein und 1500 Franken pro Nacht kosten. Die „Grand Senior Suite“ erstreckt sich mit ihren 480 Quadratmetern über zwei Stockwerke. Dafür sind 12 000 Franken fällig. Wem das nicht reicht, der kann das Penthouse mieten. 1500 Quadratmeter. Preis auf Anfrage.

          Wer, bitte schön, soll so viel Geld für eine Nacht in einer vergleichsweise unspektakulären Berggegend am gefühlten Ende der Welt zahlen? Und überhaupt: ein glitzerndes Hochhaus in einem jahrhundertealten Bergdorf? Ist das nicht alles nur eine große PR-Nummer, um Aufmerksamkeit zu erregen? Nicht wenige Schweizer meinen jedenfalls: Hinter diesem Wahnsinn muss ein Irrer stecken.

          Wir treffen Remo Stoffel auf der Terrasse eines von ihm gebauten Hauses am oberen Ende von Vals. Dort wohnt seine Mutter. Stoffel ist in diesem Bergdorf geboren. Die Kühe auf der Weide oberhalb muhen so laut, dass Stoffel manchmal kaum zu verstehen ist. Zumal der schmächtige, fast schüchtern wirkende Mann ziemlich leise spricht. Der 38-Jährige trägt ein blaues Hemd, in das seine Initialen eingestickt sind, weinrote Hosen und eine große schwarze Hornbrille im blassen Gesicht. Das schüttere dunkle Haar klebt mit Gel an den Schläfen.

          Immobilienunternehmer Remo Stoffel in Vals

          Für Investor Remo Stoffel ist das kein Spaß

          „Ich mache das nicht zum Spaß“, beteuert Stoffel, der nach eigener Aussage schon mehrere Millionen in die Entwicklung des Projekts gesteckt hat. Er will mit dem Turm, der von einem futuristischen Park des japanischen Stararchitekten Tadao Ando flankiert werden soll, ein doppeltes Zeichen setzen. Erstens: Der normale Tourismus ist tot. Auf der Hochpreisinsel Schweiz kann man nur mit einem ganz besonderen, hochqualitativen Angebot und entsprechend hohen Preisen auf seine Kosten kommen. Zweitens: Die Natur ist lange genug durch den Bau von Zweitwohnungen zugepflastert worden. Jetzt geht es auf kleinstem Raum in die Höhe.

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