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Wohnen in Bamberg : Fast schon Münchener Verhältnisse

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Eine Rückkehr in ihre Heimatstadt Erlangen, etwa eine halbe Zugstunde entfernt, kommt für Agrikola nicht in Frage. „Obwohl Erlangen größer ist, empfinde ich Bamberg als lebendiger.“ Dank der kurzen Wege sei es ein Leichtes, am Kulturangebot teilzuhaben. Sie schätzt auch die Mischung aus Kleinstadtflair und Urbanität. Man trifft immer jemanden.

Auch Langs haben sich bewusst für Bamberg entschieden. Caroline Lang kommt vom Niederrhein, die Mentalität in Franken gefiel der Juristin besser als in ihrem Studienort Passau. Eine Weile pendelte sie täglich nach Nürnberg. Inzwischen arbeitet Lang an der Universität Bamberg; seit die Familie vier Mitglieder zählt, erleichtert der kürzere Arbeitsweg den Alltag sehr.

Fast jedes Wochenende haben ihr Mann und sie in den vergangenen drei Jahren Objekte besichtigt. Die Anforderungen: mindestens vier Zimmer, idealerweise ein Haus mit Garten und in der Stadt gelegen. „Wir sind es gewöhnt und auch darauf angewiesen, alles mit dem Fahrrad zu erledigen, und möchten das beibehalten“, erklärt Lang. Wie die Studentin Agrikola beobachtet auch Lang ein zunehmendes Missverhältnis zwischen Preis und Leistung. Manche Verkäufer seien regelrecht gierig geworden, sagt Lang – ein Verhalten, das im einst familiär geprägten Markt des Städtchens zuvor selten auftrat.

Das eigene Wohnungsbauprogramm

Langs konzentrierten sich bei der Suche bald auf das Gebiet östlich des Bahnhofs, nicht nur weil sie jetzt schon in der Gegend wohnen und der dreijährige Sohn den Kindergarten behalten möchte: Westlich des Flusses Regnitz, wo die Ebene ins Hügelige übergeht, enge Altstadtgassen zwischen Kirchen in feine Villenviertel übergehen, gibt es kaum Bewegung auf dem Wohnungsmarkt. „Im Welterbe-Bereich ist es schwierig, Bauvorhaben zu verwirklichen“, erläutert Oberbürgermeister Starke. Daran anschließende Gegenden seien zum Teil „privilegiert“.

Bamberg hat ein eigenes Wohnungsbauprogramm aufgelegt, 25 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren für mehr bezahlbaren Wohnraum im Stadtgebiet sorgen. Zu spät, sagen Kritiker, und was bisher entstanden sei, komme kaum der Mittelschicht zugute: Ein ehemaliges Industriegelände an der Regnitz etwa, Schauplatz einer Landesgartenschau, werde überwiegend zur Wohngegend für Wohlhabende.

Je mehr der Osten Bambergs ins Schlaglicht rückt, desto mehr steigt allerdings auch hier der Druck. Früher galt die Gegend als schmucklos und unattraktiv im Vergleich zu den intellektuell geprägten berg- und flussnahen Vierteln, heute wird verdichtet im Express. Der Mittdreißiger Jan Hornung etwa hat unweit der elterlichen Wohnung ein Reihenmittelhaus gekauft, vor vier Jahren, kurz bevor die Preise in die Höhe schossen. Die Siedlung war auf einem ehemaligen Supermarktgelände gebaut worden, ein Reihenhausriegel umrahmt von Mehrfamilienhäusern. Der Garten misst 60 Quadratmeter. „Das reicht, um die Kinder geschützt spielen lassen zu können und ein paar Nutzpflanzen zu ziehen“, sagt der Ingenieur und zählt die Vorteile der Lage auf: Beide Großeltern sind in Reichweite – angesichts der von vielen Seiten als unzureichend bemängelten Kinderbetreuungssituation ein gewichtiger Grund –, das Auto findet in einer Tiefgarage Platz, und der Bahnhof ist fußläufig erreichbar: Hornungs Frau arbeitet als Projektleiterin bei einem Konzern in Erlangen. Er gewinnt der beengten baulichen Situation gar Gutes ab. Der Mehrfamilienhausriegel schirme vom Lärm der Straße ab.

Ganz in der Nähe, über die Umgehungsstraße hinaus, liegt ein Gebiet mit Einfamilien- und Reihenhäusern, das nach und nach in den Fokus von Familien rückt. Die „Nato-Siedlung“ mit einstigen Offiziershäusern begrenzt die Gegend, darum entstehen Kindertageseinrichtungen, ein Erlebnisbad liegt vor der Haustür. Gleichzeitig sind sowohl Autobahnanschluss als auch Bahnhof in kurzer Zeit zu erreichen. Über private Kontakte hat Caroline Lang dort ein Haus zum Verkauf entdeckt, zu einem akzeptablen Preis und in neuwertigem Zustand. Mehrere junge Familien wohnen schon in der Nachbarschaft, Langs hat das Objekt sofort zugesagt. Noch vor Weihnachten ist ein Notartermin angesetzt.

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