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Mietrecht : Streit um die Schlüssel

Was passiert, wenn man den Wohnungsschlüssel verliert? Bild: dpa

Wer eine neue Bleibe anmietet, bekommt vom Eigentümer nicht nur den Mietvertrag, sondern auch die Schlüssel zur Wohnung. Doch wie viele Exemplare stehen dem Mieter zu, darf er Schlüssel nachmachen lassen, und was passiert, wenn er einen verliert?

          Grundsätzlich gilt: Ein Mieter bekommt so viele Schlüssel für die Wohnung ausgehändigt, wie Personen dort leben (LG Berlin, Az. 61 T 32/85). Egal ob vierköpfige WG oder Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern: Ihnen stehen mindestens vier Wohnungs- beziehungsweise Hausschlüssel zu. Alleinlebende sind berechtigt, zwei Ausführungen zu verlangen, um für den Notfall ein Exemplar bei einem Freund oder Angehörigen zu hinterlegen. Nichtig sind Klauseln im Mietvertrag, die dieses Recht verwehren (AG Schöneberg, Az. 103 C 406/90). Auch der Vermieter sollte darüber informiert sein, wie er an den Notfallschlüssel kommt. Laut Deutschem Mieterbund muss der Vermieter auch Keller-, Briefkasten- und Garagenschlüssel zur Verfügung stellen, jedoch nur einfach. Die Zahl der übergebenen Schlüssel hält der Eigentümer im Übergabeprotokoll fest.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei muss der Vermieter dem Mieter alle Schlüssel aushändigen, die er zur Wohnung besitzt; einfach für alle Fälle einen zu behalten ist rechtswidrig. Selbst wenn der Bewohner dem Eigentümer freiwillig ein Exemplar überlässt, darf er die Wohnung nur mit dessen Erlaubnis betreten – ansonsten begeht er Hausfriedensbruch, der Mieter darf das Mietverhältnis fristlos kündigen. Da der Mieter das alleinige Gebrauchsrecht an der Wohnung hat, darf er sogar das Schloss seiner Wohnungstür austauschen lassen. Das gilt selbstredend nicht für Türschlösser, die auch andere Mitmieter nutzen. Vor dem Auszug ist er verpflichtet, das alte Schloss wieder einzubauen.

          Der Bewohner kann für seine Wohnungstür weitere Schlüssel beim Vermieter beantragen oder diese selbst nachmachen lassen, wenn er sie zum Beispiel für die Putzfrau, den Babysitter oder die Pflegekraft benötigt. Allerdings muss er den Vermieter über die Anzahl der nachgemachten Schlüssel informieren und die Kosten tragen. Anders ist es bei Sicherheitsschlüsseln für zentrale Schließsysteme: Hier benötigt der Mieter einen Berechtigungsschein mit Code, den er vom Eigentümer bekommt. Hat er einen nachvollziehbaren Grund, ist der Vermieter verpflichtet, ihm den Schein zu geben.

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          Bei Verlust muss der Vermieter umgehend informiert werden

          Bemerkt der Mieter, dass er seinen Schlüssel verloren hat, hat er den Vermieter umgehend darüber zu informieren. Unter bestimmten Umständen muss der Bewohner sogar die Kosten für den Austausch der Schlösser übernehmen; gerade bei Schließanlagen kann das sehr teuer werden. Der Mieter muss für den Schaden aufkommen, wenn er die Schuld am Verlust des Schlüssels trägt und tatsächlich die Gefahr besteht, dass Dritte ihn etwa für einen Einbruch missbrauchen. Liegt der Schlüssel seit einer Bootstour auf dem Grund eines Sees oder hat der Mieter den Schlüssel verloren, ohne dass sich Name und Adresse dazu ermitteln ließen, besteht keine Missbrauchsgefahr. In diesem Fall darf der Vermieter die Anlage nicht auf Kosten des Mieters austauschen lassen, da dafür kein triftiger Grund besteht. Wird andererseits ein Bewohner auf der Straße überfallen und ihm dabei Brieftasche samt Schlüssel geraubt, besteht zwar Missbrauchsgefahr, jedoch keine Fahrlässigkeit, er muss ebenfalls nicht zahlen. Der Mieter sei zudem nur zu Schadenersatz verpflichtet, wenn wirklich neue Schlüssel angeschafft beziehungsweise Zylinder und Schließanlagen eingebaut würden, ein fiktiver Kostenvoranschlag genügt nicht, urteilte der Bundesgerichtshof (Az. VIII ZR 205/13).

          Beim Auszug muss der Mieter Vermieter oder Hausverwaltung persönlich alle Schlüssel übergeben, auch jene, die er auf eigene Kosten hat anfertigen lassen (AG Berlin Tempelhof Kreuzberg, Az. 4 C 776/81). Will der Vermieter die überzähligen Schlüssel behalten, kann der Bewohner die Kosten von ihm zurückfordern. Ist der Eigentümer daran nicht interessiert, steht es dem Bewohner frei sie in Anwesenheit eines Zeugen unbrauchbar zu machen. Es ist auch ratsam, sich die Schlüsselübergabe schriftlich vom Vermieter bestätigen zu lassen.

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