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Wohnen : Miete oder Eigentum?

  • -Aktualisiert am

Vorsicht beim Kauf von Wohneigentum: Unter Umständen ist die Immobilie später nicht ohne weiteres wieder verkäuflich Bild: dpa

Es ist die alte Frage: Was lohnt sich mehr - zur Miete wohnen bleiben oder das Risiko eingehen, sich eine Immobilie zu kaufen. Durch „Wohn-Riester“ stellt sich das Dilemma neu. Doch nach wie vor sollten Vor- und Nachteile nüchtern abgewogen werden.

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          Das Wohnen ist einer der teuersten Ausgabenposten bei den Lebenshaltungskosten. Nicht selten gehen 25 bis 30 Prozent des Nettomonatseinkommens in die Miete. Und auch jemand, der mit einem Durchschnittseinkommen in einem hochpreisigen Ballungszentrum selbstgenutztes Wohneigentum erwirbt, muss zum Abzahlen seiner Immobilie den Gürtel oft viele Jahre enger schnallen. Denn zum Ende der Berufstätigkeit sollte die Immobilie schuldenfrei sein.

          Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen fragen, wie sie sich Wohnen im Alter überhaupt noch leisten können. Allein auf die sozialen Sicherungssysteme und die staatliche Rente zu vertrauen wird aller Voraussicht nach schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr ausreichen.

          Die zentrale Frage lautet: Ist es besser, Eigentümer einer selbstgenutzten Immobilie zu sein oder in einer Mietwohnung zu leben und das nicht gebundene Kapital auf andere Weise anzulegen? Die Antwort darauf fällt je nach der eigenen Finanzlage und den persönlichen Lebensumständen sehr unterschiedlich aus. Denn die oft gehörte Aussage „mit einer eigenen Immobilie bilde ich selbst Vermögen und mache nicht durch meine Mietzahlungen den Hauseigentümer reich“ ist stark vereinfacht und spiegelt die Komplexität des Entscheidungsprozesses nicht wider. Daher gilt: Es ist wichtig, selbst etwas für die Altersvorsorge zu tun. Aber dafür sollte man die möglichen Alternativen prüfen und verschiedene Anlagemodelle durchrechnen.

          Risiken verteilen

          Zu den Grundregeln einer ausgewogenen Finanzplanung zählt in erster Linie eine Verteilung der Risiken. Denn eine Immobilie bietet zwar einen substantiellen Wert, bindet zugleich aber auch viel Kapital und bietet keine Gewähr dafür, dass man sie bei Bedarf schnell verkaufen kann und das einmal eingesetzte Kapital mit Wertsteigerung zurückerhält.

          Wer hier einen Fehler macht, kann diesen lange bereuen. Daher sollten einige Grundregeln beachtet werden, zu denen neben der Lage- und Standortqualität auch die Ausstattung, die richtige Finanzierung und inzwischen immer mehr die energetische Bilanz des Gebäudes zählen. Hinzu kommt, dass mietfrei nicht mit kostenfrei gleichgesetzt werden darf. Jede Immobilie muss erhalten und bewirtschaftet werden. Diese Kosten dürfen gerade im Alter, wenn das Haus oder die Wohnung mit ihren Bewohnern gealtert ist, nicht unterschätzt werden.

          Kredite zwingen zum Sparen

          Dennoch stehen Immobilieneigentümer im Alter oft besser da als Menschen, die ihr Leben in einer Mietwohnung verbracht haben. „Dies hängt zum einen mit der Sparneigung zusammen, die bei Immobilieneigentümern in der Regel auch über die Entschuldung des Hauses oder der Wohnung hinaus sehr viel höher ist als bei Nichtwohneigentümern“, berichtet Gernot Mittler, Präsident des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung. Zudem summieren sich die Mietzahlungen zu einem Betrag, der, rückwirkend und über Jahrzehnte betrachtet, dem Wert einer Immobilie durchaus entspricht oder ihn sogar übersteigt.

          „Mit dem Eintritt in das Rentenalter ist der Käufer im Fall der Musterrechnungen schuldenfrei. Dies trifft in der Realität übrigens auch auf die überwiegende Mehrheit der Haushalte zu“, berichtet Peter Haueisen, Vorstandssprecher der Allianz Dresdner Bauspar AG. In der Regel verringere sich das verfügbare Einkommen eines Rentners spürbar, so dass die ersparte Miete eine wesentliche Entlastung des Budgets bewirke. „Der Mieter muss hingegen einen immer höheren Anteil seines Einkommens für das Wohnen aufwenden.“

          Allerdings hängt die Vorteilhaftigkeit des Eigentums stark von den Gegebenheiten auf den Märkten ab. Und die sind in Deutschland sehr unterschiedlich. „In Regionen mit stagnierenden bis sinkenden Immobilienpreisen kann das Mieten unter finanziellen Aspekten vorteilhaft sein. Umgekehrt folgert daraus aber, dass sich in ,Immobilien-Boomregionen' der Vermögensvorteil des Käufers überproportional entwickelt“, sagt Haueisen.

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