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Wohnen in Berlin-Tempelhof : Provinziell in bester Lage

  • -Aktualisiert am

Wer einmal hier ist, bleibt: In der Gartenstadt geht es gutbürgerlich zu. Bild: Gordon Welters/laif

Trotz Generationswechsel und steigender Preise bleibt am „Platz der Luftbrücke“ vieles beim Alten. Der Verdrängung, die andere Kieze durchgerüttelt hat, trotzen die Bewohner – bislang.

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          Die Manfred-von-Richthofen-Straße ist vielleicht die letzte Einkaufsmeile der Hauptstadt, an der die Geschäfte samstags um 14 Uhr schließen. Während weniger als einen Kilometer entfernt im quirligen Kreuzberger Bergmannkiez bis in die späten Nachtstunden Trubel herrscht und Neukölln auf der anderen Seite des ehemaligen Flughafens Tempelhof sowieso nie schläft, läuten die Einzelhändler am Platz der Luftbrücke am frühen Nachmittag auch für sich das Wochenende ein. Wer bei Fleischer Genz Grillgut für den Abend möchte, im Schreibwarenladen nebenan eine Postkarte kaufen oder bei Elektro Ellica eine defekte Sicherung ersetzen, der muss sich samstags sputen.

          „Irgendwie hat man sich daran gewöhnt, man kennt es ja nicht anders“, sagt Falk Zielke. Im Fall des bald vierfachen Familienvaters trifft das buchstäblich zu: Zielke ist am Platz der Luftbrücke geboren, aufgewachsen und nach zwei kurzen Ausflügen in andere Berliner Viertel zurück in sein Elternhaus gezogen. Nun lebt er zwei Stockwerke über der Wohnung, in der bis vor kurzem seine Mutter wohnte. Auf ähnliche Biographien stößt man in der Gegend immer wieder. Der Regierende Bürgermeister etwa wohnt ein paar Häuser neben seinem Elternhaus, die Druckerei des Vaters liegt um die Ecke, und das Fußpflegestudio der Mutter lag praktischerweise in denselben Geschäftsräumen. Zwischen der stark befahrenen Dudenstraße und dem Autobahnzubringer Tempelhofer Damm, die am Platz der Luftbrücke in geballter Unwirtlichkeit aufeinandertreffen, hat ein Kiez in bester innerstädtischer Lage seinen Charme aus Dorf und Alt-Berlin bewahrt – bislang. Denn gleichzeitig haben wenige Viertel so einen rasanten Wandel erlebt wie die Fliegersiedlung und der Platz der Luftbrücke seit dem Aus für den Flughafen Tempelhof. Die Preise für die pittoresken Reihenhäuschen mit Vorgarten schossen in die Höhe (wenn überhaupt einmal eines auf den Markt kommt), für die herrschaftlichen Altbauten mit Stuck im Treppenhaus etwas weiter nördlich interessierten sich auf einmal Familien, denen Kreuzberg zu quirlig geworden war.

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