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Von Rosé bis Pink : Zuckerschock fürs Auge

  • -Aktualisiert am

Von wegen Barbie-Farbe: Die Einrichtung des Restaurants „The Gallery at Sketch“ ist ganz in Rosa- und Goldtönen gehalten. Bild: Prisma Bildagentur

Der Farbpalette zwischen blassem Rosé und knalligem Pink haftete lange ein Kleinmädchen-Image an. Jetzt erobern zarte Töne das Innendesign.

          Einen „Zuckerschock für die Augen“ versprechen die Organisatoren des seit Ende September für zwölf Wochen geöffneten Supercandy Pop-Up Museums – zu Recht. In einer ehemaligen Druckerei in Köln haben sie eine Farbwelt aus Flamingo-Rosa, sanften Pfirsichtönen und knalligem Pink geschaffen. Auf der pink gestrichenen Außenmauer deutet eine überdimensionale Kamera schon an, was hier im Fokus steht: die perfekte Selbstinszenierung für Nutzer von Online-Diensten zum Teilen von Fotos wie Instagram oder Pinterest vor einer Kulisse aus rosafarbenen Bällebädern, Skulpturen in warmem Lila, Badewannen in Barbie-Rosa oder einem Himmel aus Zuckerwatte in Magenta. Selbst die Heizkörper und jede noch so kleine Schraube wurden mit Rosa-Nuancen bedacht.

          Nur kurz existierende, begehbaren Fototapeten ähnelnde Museen haben ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten. Auch dort erstrahlen sie meist in Rosa und zartem Millennial Pink, das dem Teint besonders schmeicheln soll. „Pink hebt die Stimmung, das ist wissenschaftlich belegt. Die Farbe besänftigt und baut Aggressionen ab. Vielleicht liegt es am Optimismus, den Pink ausstrahlt, oder an den Kindheitserinnerungen, die die Farbe auslöst“, erklärt Frank Karch, Gründer des Supercandy Pop-Up Museums. Um klassisches Möbeldesign geht es dabei nicht. Doch das ganz in Kaugummipink und Zuckerwatterosa gehaltene Design greift einen Einrichtungstrend auf, für den sich keineswegs nur Hobby-Dekorateurinnen mit Vorliebe für Flamingos und Einhörner begeistern.

          Unter dem Hashtag #PinkInterior etwa taucht auch die Arbeit der preisgekrönten Innenarchitektin India Mahdavi auf. Vor allem das von ihr 2014 von den Sesseln bis zum Deckenstuck ganz in Rosa und mattem Gold gestaltete Restaurant „The Gallery at Sketch“ in London gilt vielen als Beispiel dafür, dass Pink und Rosa ihr Plastikimage abgeschüttelt haben. Mahdavi verwendete die Kombination aus blassrosa Samt und Goldakzenten auch 2016 für eine Boutique in London. Dass sich auch bodenständigere Mode vor roséfarbenem Hintergrund inszenieren lässt, bewies 2015 der H&M-Ableger Cos, der mit dem Designstudio Snarkitecture seinen Shop in Los Angeles in sanfte Nude-Tönen tauchte. In diesem Frühjahr verzückte die amerikanische Marke Mansur Gavriel mit seinem farblich perfekt aufs Sortiment abgestimmten, ganz in Millennial Pink gehaltenen Pop-Up-Store in New York die Kundinnen. Von einem „Pastell-Paradies“ schwärmte eine Instagram-Nutzerin, eine andere schrieb: „Wenn ich in ein Geschäft auf dieser Welt einziehen könnte, dann in diesen pinken Traum von Mansur Gavriel.“

          Immer das Resultat einer Mischung

          Helles Pink und sanftes Rosa sind längst nicht mehr nur in Restaurants und Geschäften zu sehen. Seit rund zwei Jahren verkauft etwa die Designermöbel-Kette „Who’s Perfect“ immer mehr Accessoires, Teppiche und Beistellmöbel in dieser Farbpalette an ihre Kunden. Vor einem Sofa oder Bett in Knallpink schrecken die meisten dann aber doch zurück und wählen dezentere Töne, sagt Philipp Merk, Mitglied der „Who’s-Perfect“-Geschäftsleitung. Auch aus ganz praktischen Gründen: „Dass sich Nude-Töne so stark durchsetzen, liegt an deren Vielseitigkeit. Sie lassen sich sowohl zu warmen als auch zu kalten Farben kombinieren.“

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