https://www.faz.net/-gz7-9h6gf

Saubere Wohnung : Hoppla, wir bekommen Überraschungsbesuch

Wie bringt man so schnell wie möglich Ordnung ins Chaos? Bild: Getty

Man lebt und arbeitet viel auswärts und schafft es nicht immer den Haushalt entsprechend ordentlich zu halten. Doch was sollte man tun, wenn sich überraschend Besuch angekündigt hat und es aussieht, wie bei Hempels unterm Sofa?

          4 Min.

          My home is my castle. Und das wird schon mal spontan gestürmt. Was tun, wenn sich überraschend Besuch angekündigt hat und es aussieht, wie bei Hempels unterm Sofa? Oder eben so, wie in einem Haushalt, in dem gelebt und viel auswärts gearbeitet wird?

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Wer strategisch vorgeht, Prioritäten setzt – Toilette putzen ja, Fenster putzen nein –, der ist in kurzer Zeit empfangsbereit. Die erste Runde gilt dem Aufräumen: herumliegende Kleidungsstücke, Zeitschriften, Kleinkram einsammeln und ab in die dafür gedachten Körbe und Fächer. Solche Sammelwut tut gut. In der Küche dreckiges Geschirr in die Maschine räumen oder zumindest in einer Plastikwanne stapeln, notfalls ein sauberes Geschirrhandtuch darüberlegen, das ist ja kein Hygiene-GAU für die Ewigkeit. Dreckiges Geschirr vorübergehend im Backofen einquartieren, so wie das beengt wohnende Freunde zu tun pflegen, erscheint dann doch reichlich schräg. Aber Platznot macht halt erfinderisch. Je nach Größe der Wohnung das Bett machen und eine Tagesdecke darüberbreiten.

          Wichtig ist ein freier Tisch. In vielen Haushalten dient er als Büroablage. Das ist wenig einladend, wenn sich Papierkram türmt, der Anblick unerledigter Behördensachen ist guter Laune ohnehin abträglich. Grob aussortieren und vorübergehend wegpacken.

          Sofadecken falten und stapeln

          Kontrollgang ins Bad, die Aktion Schwamm drüber versteht sich eigentlich von selbst. Einmal, besser zweimal mit dem Lappen durchs Waschbecken gehen und die Toilette kontrollieren. Frische Handtücher herauslegen und Hornhautraspel und Schrundensalbe in den Schrank verbannen, wo sie nach Gebrauch ohnehin hingehören. Gründlich lüften. Sind die Duftstäbchen ausgegangen, Kerze anzünden und nach wenigen Minuten auspusten, das vertreibt und überdeckt üble Gerüche.

          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

          Mehr erfahren

          Sofadecken falten und stapeln. Kissen aufschütteln, zu Gruppen arrangieren. Omas, besser Uromas, Paradeknick erwartet keiner mehr, im Gegenteil, die arrangierten Falten stehen für Fünfziger-Jahre-Spießigkeit und dafür, dass hier nur akkurat Platz genommen werden darf.

          Die Schlussrunde durch die Zimmer wird mit dem Staubsauger gedreht. Auf zum Wollmäusefang. Zunächst sind offene Regale und Fensterbretter fällig. Dazu die Düse abnehmen, das überbrückt die Zeit bis zum gründlichen Staubwischen. Danach den Boden saugen oder spätestens jetzt den Saugroboter losschicken.

          Was Wohnungen – und auch öffentliche Gebäude, und seien sie sonst noch so modern – uselig macht, sind nicht nur Schmutzränder in Waschbecken, sondern vor sich hin gammelnde Pflanzen, ertränkt, vertrocknet, im Schattendasein verkümmert. Bezeichnend, dass aktuell robuste Sukkulenten mächtig in Mode sind, die verzeihen Pflegenotstände. Trotzdem, braune Blätter, unansehnlicher Gilb, müffelndes Moderwasser aus Vasen erzeugen keine Wohlfühlatmosphäre, sondern ungute Gedanken an Verfall. Also einen kritischen Blick auf das Grün werfen. Statt welke Sträuße komplett zu entsorgen, die noch gut erhaltenen Rosen oder Chrysanthemen frisch anschneiden und als Einzelstück arrangieren. Wer noch einen halbwegs grünen Zweig oder Efeu dazu packt, hat noch tagelang etwas von diesem Blickfang. Toll ist das im Bad, das verleiht jeder Nasszelle einen winzigen Hauch von Hotel.

          Für die Gäste nur das Beste

          Und die Verpflegungsfrage? Die ganz netten Überfallgäste bringen Kuchen, Knabberzeug und Barolo selbst mit. Und für die anderen reichen ein kleiner Vorrat an feinem Gebäck, Nüssen sowie ein guter Wein. Manche Dinge ändern sich nie: Das Notfall-Essen zum Glücklichsein ist Pasta. Nudeln, Parmesan, Pesto und ein Kräutertopf reichen fürs schnelle Zusammenschnurgeln einer warmen Mahlzeit, die fast allen schmeckt. Diese Zutaten vorrätig zu halten, ist kein Zauberstück. Nebenbei erinnert das an jene jungen Jahre, die in der Retrospektive meist als die schönsten besungen werden. Schon dieser Trigger hebt die Stimmung. Vorausgesetzt, ein Vorsatz wird eingehalten: Für die Gäste nur das Beste.

          Es macht den Unterschied, ob eine fast abgelaufene 99-Cent-Bröselkekspackung auf den Teller geschüttet wird oder belgische Pralinen die Etagere bestücken. Den obligatorischen Kaffeeautomaten haben die meisten im Haus, zwei, drei exquisite Packungen Tee nicht, die verheißen einen anderen Genuss als ein Bürobeutelchen Rooibos. Gäste schmecken und spüren, ob und womit sie abgespeist werden. Auch und vielleicht gerade Kinder erinnern sich noch jahrelang, ob die Nachbarin den Botendienst mit einer Schweizer Schokolade oder einem pappigen Discounterriegel belohnt hat. Ist die Literatur nicht voll von Geschichten aus armen Hütten, wo für den Gast das letzte Stück Speck aufgefahren wird, während sich die Gastgeber alltags um den Streichhering sammeln oder im Dorf das vorletzte Huhn geschlachtet wird?

          Das Auge isst mit, zwei Handgriffe, die fleckigen Platzsets verschwinden, und die Leinentischdecke wandert auf den Tisch, nicht so schlimm, dass die vornehm vor sich hin knittert. Für anheimelnde Stimmung sorgen im Sommer Windlichter, und in diesen schwerblütigen Monaten sind Kerzen aller Art, in unterschiedlichen Größen auf einem Teller arrangiert, auf den man noch eine Handvoll Kastanien, Zapfen oder Kiesel streut, ist das eine rasche Do-it-yourself-Deko für Eilige. Natürlich geht in der Hetze keiner vor die Haustür, um nach Eicheln zu suchen, aber irgendein schönes Streugut wird sich finden.

          Eine Notfallkiste ist immer eine lohnende Investition

          Unpraktisch, aufwendig und realitätsfern sind die sogenannten Blitzrezepte, die sich hartnäckig in Illustrierten halten: Oft geht es dann doch um Rührkuchen, Eiweißschlagen, lange Backzeiten. All das raubt kostbare Zeit mit den Besuchern, falls man nicht über einen Kochinsel-Wohnküchentraum verfügt und spaßeshalber gemeinsam loslegt. Erinnert sich hinterher wirklich noch jemand an den raffinierten Kirsch-Nuss-Kuchen mit Kokostopping oder eher an die ausgelassene Stimmung beim Lebkuchenknabbern? Gibt der Froster keinen Kuchenvorrat her (was ohne Mikrowelle wenig nützt), überzeugt ein Crêpes-Rezept: Eine Tasse Mehl, eine Tasse Milch, eine knappe halbe Tasse Zucker, zwei Eier verquirlen, dünn in eine Teflonpfanne geben, sobald die Ränder sich leicht wölben wenden. Mit Vanilleeis, Kompott, Marmelade oder Nougatcreme aufhübschen.

          Sind kleine Kinder im Anmarsch, bewährt sich eine Kramkiste, bestückt mit Papier, Stiften, Bilderbüchern, einem Schwung Pixi-Büchern, Puzzles und Memories. Ein Karton Lego ist ein Selbstläufer. So eine Notfallkiste ist eine lohnende Investition. Geringer Aufwand, große Wirkung – das steigert die Chance immens, gute Gespräche unter Erwachsenen zu führen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die israelische Siedlung Migron in der Westbank

          Israel und Palästina : Die Besetzung bleibt rechtswidrig

          Zumindest für den UN-Sicherheitsrat ist die Sache klar: Der Bau israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten bleibt völkerrechtswidrig – und Israel ist aufgefordert, alle Siedlungsaktivitäten einzustellen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.