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Saubere Wohnung : Hoppla, wir bekommen Überraschungsbesuch

Für die Gäste nur das Beste

Und die Verpflegungsfrage? Die ganz netten Überfallgäste bringen Kuchen, Knabberzeug und Barolo selbst mit. Und für die anderen reichen ein kleiner Vorrat an feinem Gebäck, Nüssen sowie ein guter Wein. Manche Dinge ändern sich nie: Das Notfall-Essen zum Glücklichsein ist Pasta. Nudeln, Parmesan, Pesto und ein Kräutertopf reichen fürs schnelle Zusammenschnurgeln einer warmen Mahlzeit, die fast allen schmeckt. Diese Zutaten vorrätig zu halten, ist kein Zauberstück. Nebenbei erinnert das an jene jungen Jahre, die in der Retrospektive meist als die schönsten besungen werden. Schon dieser Trigger hebt die Stimmung. Vorausgesetzt, ein Vorsatz wird eingehalten: Für die Gäste nur das Beste.

Es macht den Unterschied, ob eine fast abgelaufene 99-Cent-Bröselkekspackung auf den Teller geschüttet wird oder belgische Pralinen die Etagere bestücken. Den obligatorischen Kaffeeautomaten haben die meisten im Haus, zwei, drei exquisite Packungen Tee nicht, die verheißen einen anderen Genuss als ein Bürobeutelchen Rooibos. Gäste schmecken und spüren, ob und womit sie abgespeist werden. Auch und vielleicht gerade Kinder erinnern sich noch jahrelang, ob die Nachbarin den Botendienst mit einer Schweizer Schokolade oder einem pappigen Discounterriegel belohnt hat. Ist die Literatur nicht voll von Geschichten aus armen Hütten, wo für den Gast das letzte Stück Speck aufgefahren wird, während sich die Gastgeber alltags um den Streichhering sammeln oder im Dorf das vorletzte Huhn geschlachtet wird?

Das Auge isst mit, zwei Handgriffe, die fleckigen Platzsets verschwinden, und die Leinentischdecke wandert auf den Tisch, nicht so schlimm, dass die vornehm vor sich hin knittert. Für anheimelnde Stimmung sorgen im Sommer Windlichter, und in diesen schwerblütigen Monaten sind Kerzen aller Art, in unterschiedlichen Größen auf einem Teller arrangiert, auf den man noch eine Handvoll Kastanien, Zapfen oder Kiesel streut, ist das eine rasche Do-it-yourself-Deko für Eilige. Natürlich geht in der Hetze keiner vor die Haustür, um nach Eicheln zu suchen, aber irgendein schönes Streugut wird sich finden.

Eine Notfallkiste ist immer eine lohnende Investition

Unpraktisch, aufwendig und realitätsfern sind die sogenannten Blitzrezepte, die sich hartnäckig in Illustrierten halten: Oft geht es dann doch um Rührkuchen, Eiweißschlagen, lange Backzeiten. All das raubt kostbare Zeit mit den Besuchern, falls man nicht über einen Kochinsel-Wohnküchentraum verfügt und spaßeshalber gemeinsam loslegt. Erinnert sich hinterher wirklich noch jemand an den raffinierten Kirsch-Nuss-Kuchen mit Kokostopping oder eher an die ausgelassene Stimmung beim Lebkuchenknabbern? Gibt der Froster keinen Kuchenvorrat her (was ohne Mikrowelle wenig nützt), überzeugt ein Crêpes-Rezept: Eine Tasse Mehl, eine Tasse Milch, eine knappe halbe Tasse Zucker, zwei Eier verquirlen, dünn in eine Teflonpfanne geben, sobald die Ränder sich leicht wölben wenden. Mit Vanilleeis, Kompott, Marmelade oder Nougatcreme aufhübschen.

Sind kleine Kinder im Anmarsch, bewährt sich eine Kramkiste, bestückt mit Papier, Stiften, Bilderbüchern, einem Schwung Pixi-Büchern, Puzzles und Memories. Ein Karton Lego ist ein Selbstläufer. So eine Notfallkiste ist eine lohnende Investition. Geringer Aufwand, große Wirkung – das steigert die Chance immens, gute Gespräche unter Erwachsenen zu führen.

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