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Humanzentriertes Licht : Eine Lampe wie die Morgensonne

  • -Aktualisiert am

Raus aus den Federn: Der Ton des Lichtes früh am Tag macht uns wach. Bild: plainpicture/Glasshouse

Lichtgestaltung soll sich neuerdings am Menschen orientieren. Lampen ahmen den Farbverlauf des Tageslichts nach, beruhigen oder aktivieren. Wohin führt das?

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          Wie gut, dass wir keine Eskimos sind. Dann müssten wir jetzt noch eine gefühlte Ewigkeit auf den Frühling warten, und selbst der Sommer hätte, wie im Norden Alaskas, nur Temperaturen um fünf Grad. Aber vielleicht entschädigen die nun längeren Tage auch die Bewohner der Polarregionen für das, was hinter ihnen liegt: die quälende Dunkelheit. Perlerorneq - „das Gewicht des Lebens spüren“ - nennen die Ureinwohner des Nordens jene Gemütsstimmung, die mit dem Winter einhergeht. Und weil die Eskimos in extremen Breiten wohnen, fällt Perlerorneq bei ihnen noch gravierender aus als bei uns. Das Opfer dieser Krankheit, so beschreibt es der amerikanische Schriftsteller Barry Lopez, „zerrt wütend an seiner Kleidung. Eine Frau fängt an, wie spielerisch Sachen im Iglu mit dem Messer aufzuschlitzen. Ein Mensch rennt halb nackt in die bitterkalte Nacht, schreit durch das Dorf und frisst Hundekot. Schließlich wird so ein Mensch von seinen Angehörigen mit großem Mitleid beruhigt, bis er schläft.“

          Ein bisschen sind wir alle Eskimos. Fast 40 Prozent der Deutschen leiden in den Wintermonaten unter fehlender Antriebskraft und Stimmungsschwankungen. In schweren Fällen kommt es gar zu einer Winterdepression. Wir sehnen uns nach dem Licht und der Vitalität, die die Sonne mit sich bringt. Erlebbar und bekannt sind deren positive Wirkungen schon lange, doch erst seit wenigen Jahren weiß man auch, welche Mechanismen des Körpers daran beteiligt sind. Entscheidend sind die Augen: Aber nicht jene Rezeptoren in der Netzhaut, die dem Sehen dienen. Sondern solche, die in gewisser Weise blind sind. Sie sind allein dazu gemacht, die innere Uhr zu stellen, sie steuern den Rhythmus von Schlafen und Wachen. Beteiligt an dem Prozess ist ein lichtempfindliches Eiweiß namens Melanopsin, das besonders sensibel auf Licht mit hohen Blauanteilen reagiert. Dieses Licht, das von Menschen als kühl empfunden wird, macht wach. Über die Rezeptoren im Auge regt es eine Blockade des Schlafhormons Melatonin an und die Produktion des sogenannten Stresshormons Cortisol.

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