https://www.faz.net/-gz7-91d4k

Platznot in der Großstadt : Generation Abstellbox

Gut gestapelt ist halb gewonnen. Bild: plainpicture/Elise Ortiou Campio

Der Platz in den Großstädten ist knapp, die Bewohner werden immer mobiler. Kein Wunder, dass Einlagerung im Trend liegt. Lohnt sich das?

          4 Min.

          Wohin mit Skiern im Sommer, Sommerreifen im Winter, der Harley, der Kunstsammlung, dem geerbten Eichenschrank? Platz ist Mangelware in Deutschlands Großstädten. Mieten und Immobilienpreise in den Metropolen steigen unaufhörlich, viele Bewohner können sich nur kleine Wohnungen mit wenig Stauraum leisten. Weil es die ohnehin hohen Baukosten zusätzlich treibt, verzichten Bauherren immer häufiger auf einen Keller. Und wer eine Altbauwohnung mietet, kann wichtige Akten, Kleider oder Holzmöbel oft nicht im kalten und feuchten Untergeschoss einlagern, ohne dass sie Schaden nehmen.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In diesem Umfeld hat sich ein Angebot namens Selfstorage etabliert, zu deutsch Selbstlagerung. Was zu Hause keinen Platz findet oder wegen Auslandsaufenthalten, sich verzögernden Umzügen oder Trennungen kurzzeitig untergestellt werden muss, wandert immer häufiger in die gemietete Abstellbox. Die Idee stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, hat sich aber mittlerweile auch hierzulande durchgesetzt. MyPlace, Lagerbox, Shurgard oder Pickens heißen die größten Anbieter, daneben gibt es regionale Unternehmen wie Zeitlager in München.

          Ihre Lagerhäuser stehen in den Ballungszentren, meist in gut erreichbaren Innenstadtlagen – denn etwa 70 Prozent der Nutzer sind Privatkunden. Und sie haben nichts mehr vom improvisierten Rumpelschuppen. Selfstorage-Unternehmen, die Mitglied im deutschen Branchenverband sind, gewährleisten gemeinsame Standards: Die Lagerräume sind hell und trocken, flexibel nutzbar, sauber und sicher, weil sie alarm- und kameraüberwacht sowie sichtgeschützt sind, um die Intimsphäre zu wahren.

          Keine Tiere, Drogen, Waffen

          Alle Gegenstände dürfen die Mieter aber trotz zugesicherter Privatheit nicht in ihrer Box aufbewahren. Lebensmittel, Drogen, Tiere, entzündliche Stoffe oder Waffen sind grundsätzlich nicht erlaubt, auch nicht stinkende Gegenstände wie miefende Schuhe. Schlafen oder wohnen darf man in den Räumen ebenfalls nicht. Welche Dinge noch verboten sind, steht in den Geschäftsbedingungen der jeweiligen Vermieter. Shurgard etwa untersagt es, Geld, Pelze, Kunst oder Batterien zu lagern, Lagerbox schließt Altreifen sowie Farben, Lacke und Lösungsmittel aus. Die Anbieter öffnen nach eigenen Angaben einen Lagerraum aber nur, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass der Mieter gegen die Regeln verstößt, die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür steht oder Gefahr von Gegenständen ausgeht.

          Bevor man einen Teil seines Lebens in der Box unterbringt, gibt es ein paar Dinge zu bedenken – etwa die Größe. Die kleinsten Lagerräume messen einen Kubikmeter, die größten bis zu 100 Quadratmeter. Bei drei Meter hohen Wänden sind das 300 Kubikmeter. Als Faustregel gilt: Wer alle Möbel und Gegenstände eines 10 Quadratmeter großen Zimmers unterbringen will, benötigt einen etwa ein Quadratmeter großen Lagerraum, also ungefähr 10 Prozent der Wohnfläche. Manche Anbieter stellen auf ihrer Internetseite Rechner zur Verfügung, die die empfohlene Größe des Lagerraums angeben, wenn man seine Möbelstücke benennt. Beide Werte geben einen Anhaltspunkt, allerdings empfehlen die Unternehmen, sich in puncto Lagergröße vorher telefonisch beraten zu lassen.

          Die Kunden sollten sich aber nicht vorschnell für ein Angebot entscheiden. Vergleichen lohnt sich, denn günstig sind die Abteile nicht unbedingt.

          Weitere Themen

          Dax steigt auf Rekordhoch Video-Seite öffnen

          Kauflaune am deutschen Markt : Dax steigt auf Rekordhoch

          Am Mittwochmorgen stieg der deutsche Leitindex um bis zu 0,4 Prozent auf 13.615 Punkte. Auch die Wall Street feiert einen Rekord. Angesichts einer anhaltend robusten Konjunktur hatte der US-Index Dow Jones am Freitag erstmals die Marke von 29.000 Punkten übersprungen.

          Mieten wird erschwinglicher

          Wohnungsmarkt : Mieten wird erschwinglicher

          Die steigenden Mieten belasten viele Deutsche. Dabei sind sie in den meisten Teilen der Bundesrepublik erschwinglicher geworden. Wer profitiert – und wer das Nachsehen hat.

          Topmeldungen

          Illustration des Asteroideneinschlags im heutigen Golf von Mexiko, der den Chicxulub-Krater verursacht hat.

          Ausrottung der Dinosaurier : Die Mutter der Katastrophen

          Das Massensterben der Dinosaurier und vieler anderer Arten vor 66 Millionen Jahren war sehr wahrscheinlich nicht hausgemacht. Die neusten Spuren führen weg von den großen Vulkanen – und hin zu einem einzelnen Ereignis.
          Das Gefangenenlager der Vereinigten Staaten in Guantánamo auf Kuba (Archivbild)

          Psychologe über Waterboarding : „Ich würde es wieder tun“

          Der Psychologe James Mitchell hat die Folter des Waterboarding mitentwickelt und an Gefangenen angewandt. In einer Anhörung vor einem Militärgericht zeigte Mitchell keine Reue – er findet: Andere hätten die Grenzen überschritten.
          Das Bewusstsein für Tierwohl ist gestiegen

          Tierwohl : Wann fühlt sich die Kuh richtig gut?

          Den Deutschen ist das Tierwohl sehr wichtig. Ein verbindliches Siegel wird es aber erst einmal nicht geben. Dem steht schon das Europarecht entgegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.