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Wann Bäume zur Gefahr werden : Der Ast überm Zaun

  • -Aktualisiert am

Wer einen Baum auf seinem Grundstück fällen will, dem kann das kaum verboten werden Bild: Mart Klein/Miriam Migliazzi

Bäume sind gut. Doch bisweilen können sie einem auch unheimlich werden. Zum Beispiel, wenn es um ihre Standhaftigkeit schlecht bestellt ist. Spätestens dann wird es für Baumbesitzer höchste Zeit zu handeln.

          Das Unheil kam aus heiterem Himmel. Windstille herrschte, als die rund 15 Meter hohe Kastanie umstürzte und die Passantin unter sich begrub. Die ältere Dame hatte keine Chance, sie verstarb noch am Unglücksort.

          Was sich Ende vergangenen Jahres in Trier ereignete, ist ein tragischer Ausnahmefall. Doch die Sorge, ein Baum könne nicht mehr stand- und bruchsicher sein und deshalb eine Gefährdung darstellen, beschäftigt viele private Grundstückseigentümer. Schließlich tragen sie die Verkehrssicherungspflicht für das Grün auf ihrem Anwesen. Zieht ein Sturm übers Land und entwurzelt Bäume oder reißt Äste ab, sind Forstingenieure und Baumpfleger mehr denn je gefragt.

          Das bestätigt auch Hans-Joachim Schulz. Als öffentlich bestellter Sachverständiger ist er Fachmann für die Verkehrssicherheit von Bäumen. Schulz leitet den Regelwerksausschuss Baumkontrollrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung, Landschaftsbau e.V. (FLL), an dessen Empfehlungen sich die Grünflächenämter der meisten Kommunen orientieren. Unglücke wie das von Trier will Schulz nicht relativieren, doch warnt er auch vor Panikmache und Kontrollwahn: „Ein Restrisiko wird man nie ausschließen können, der Baum ist schließlich ein Lebewesen.“

          Eines, das die Gemüter bewegt - und das nicht erst, seit der Begriff „Waldsterben“ um die Welt ging und die Sängerin Alexandra mit „Mein Freund der Baum“ einen Hit landete. Während vor allem bei Städtern die Wertschätzung fürs Grün stetig stieg und das Fällen eines Baumes Bürger schon mal auf die Barrikaden treibt, fühlen sich andere Menschen von den robusten Gewächsen beeinträchtigt und mitunter sogar bedroht.

          Pilzfruchtkörper zeigen die Erkrankung eines Baumes

          Dann wirft die Linde hinterm Haus zu viel Schatten, derweil die Birke dem geplanten Carport im Weg steht; oder der Eigentümer fürchtet, die aufstrebende Stechfichte könne über kurz oder lang in sein Haus stürzen und dort erheblichen Schaden anrichten.

          Ob es einem Baum schlechtgeht, lässt sich nicht immer, aber meist schon an Äußerlichkeiten erkennen. Fachleute wie Schulz nehmen deshalb vor Ort eine „qualitative Inaugenscheinnahme“ vor. Bei Stundensätzen von meist 80 Euro und mehr schlägt eine Ortsbesichtigung schon mal schnell mit mehreren hundert Euro zu Buche. Allerdings kann auch der Laie schon erste Anzeichen dafür sehen, ob dem Baum etwas fehlt. Steht dieser etwa in vollem Grün und brechen dennoch plötzlich dicke Äste ab, sollte der Eigentümer hellhörig werden; ebenso bei schütterem Laub oder Trockenästen. Selbiges gilt, wenn sich ein Stamm plötzlich bedrohlich zur Seite neigt. Auch äußerlich sichtbare Aushöhlungen können ein Indiz für tiefer gehende Probleme sein.

          Ein häufig anzutreffendes Symptom für die Erkrankung eines Baumes sind Pilzfruchtkörper. Diese treten oft erst in Erscheinung, wenn die Schädigung weit fortgeschritten ist. Beispiel Zunderschwamm: Dieser Parasit, der vor allem an älteren Buchen und Birken anzutreffen ist, dringt über Verletzungen des Stamms oder der Äste in den Baum ein und führt dort zur Weißfäule. Was das bedeutet, lässt sich an einem kurzen, ausgeblichen wirkenden Stück Holz demonstrieren: Nusstrocken und federleicht liegt es in der Hand, droht zu zerbröseln. Der Pilz hat unter anderem die Zellulose abgebaut und das Holz regelrecht zersetzt. Entsprechend hoch ist das Risiko eines Bruchs.

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