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Foto: Fritz Hansen

Voll vermøbelt

Von JASMIN JOUHAR
Foto: Fritz Hansen

2. Oktober 2020 · Die Dänen können auch poppig, roh und trotzdem nachhaltig. Sieben frische Möbel, Leuchten und Accessoires vom Kopenhagener Designfestival.


Tausendmal probiert

Dieses Sofa von Hay wirkt mit seinem markanten Holzgestell wie einer dieser dänischen Klassiker. Doch „Arbour Eco Sofa“ ist neu auf dem Markt und zugleich der Beweis, dass es sich durchaus lohnt, auch an tausendmal durchdeklinierten Produktkategorien wie Stuhl, Tisch oder eben Sofa noch einmal zu arbeiten. 

Gutes Sitzgefühl: Die Polster sind komfortabel, die Materialien nachhaltig produziert.
Gutes Sitzgefühl: Die Polster sind komfortabel, die Materialien nachhaltig produziert. Foto: Hay

Was den Entwurf der beiden norwegischen Designer Daniel Rybakken und Andreas Engesvik von den Klassikern unterscheidet? Auf jeden Fall der Komfort, denn es sitzt sich wirklich ziemlich bequem in den üppigen Polstern. Vor allem aber ist „Arbour Eco Sofa“, wie der Name schon verrät, in der drängenden Frage der Nachhaltigkeit auf der Höhe der Zeit. So sind alle Materialien Öko-zertifiziert. Entscheidender ist aber wohl die Konstruktion, denn die Polsterelemente werden nur lose auf den Rahmen gelegt und nicht fest damit verbunden, wie bei den meisten Sofas. So lässt es sich leichter reparieren und am Ende seines Lebens auch leichter entsorgen – falls es dazu überhaupt kommen sollte. Die meisten dänischen Mid-Century-Möbel werden schließlich bis heute geliebt und benutzt.


Comeback

Das dänische Designerbe erscheint unerschöpflich, immer wieder legen Hersteller alte Entwürfe neu auf. Nun ist mit Lyfa sogar eine ganze Marke wiederauferstanden. 

Lichtorgel: „Pan“ ist nicht mehr so bunt wie früher, aber immer noch poppig.
Lichtorgel: „Pan“ ist nicht mehr so bunt wie früher, aber immer noch poppig. Foto: Lyfa

Das Unternehmen stellte seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Leuchten her, seit den Fünfzigern mit hohem Designanspruch. In den neunziger Jahren endete die Geschichte von Lyfa – aber nur vorläufig, wie sich jetzt zeigt. Zum Neustart legt die Marke acht historische Leuchtenfamilien wieder auf. Darunter sind gediegene Modelle im typisch dänischen Mid-Century-Look mit weißem Glas und Messing, aber auch die Pendel- und Wandleuchte „Pan“, 1970 von Designer und Architekt Bent Karlby entworfen und offensichtlich ein Kind ihrer poppigen Epoche. Die Aluminiumelemente der Leuchte sehen wie abgeschnittene Orgelpfeifen aus und geben ein angenehm weiches Licht. Es ginge allerdings noch poppiger: Bei den originalen Pan-Leuchten aus den Siebzigern leuchteten die Innenseiten der Röhren in Orange, Gelb, Rot oder Blau.


Farbenflirt

Wer hätte gedacht, dass sich der 7er-Stuhl von Arne Jacobsen auf seine alten Tage an einen Flirt mit dem italienischen Design wagt? Hersteller Fritz Hansen hat 16 neue Farben für die dänische Möbelikone und die beiden anderen Jacobsen-Schalenstühle, „Ameise“ und „Grand Prix“, vorgestellt. 

Stapelbarer Klassiker: Den 7er-Stuhl von Arne Jacobsen gibt es in neuer Farbpalette.
Stapelbarer Klassiker: Den 7er-Stuhl von Arne Jacobsen gibt es in neuer Farbpalette. Foto: Fritz Hansen

Entwickelt hat das Unternehmen die Farbpalette gemeinsam mit der Italienerin Carla Sozzani, Gründerin des legendären Konzeptstores 10 Corso Como in Mailand. Eine warme Palette ist es geworden, und das ist kein Zufall: Jedem Ton ist etwas Rot beigemischt. So harmonieren die Farben auch untereinander. Zusätzlich Variation ins Spiel bringen die sieben Gestellvarianten. Klassisch kommen die Jacobsen-Stühle mit chromglänzenden Beinen. Doch das Verfahren der Verchromung ist umweltschädlich, deshalb werden gerade bei öffentlichen Ausschreibungen Alternativen gebraucht – und die gibt es jetzt mit so ansprechenden Farben wie „Warmes Graphit“ oder „Braune Bronze“.


Heavy Metal

Der Kuschelfaktor des skandinavischen Designs ist bekanntlich recht hoch: erdig-warme Farben, unbehandeltes Holz, mit Schaffell bezogene Sessel, Kerzen hier und Decken da. Dieser Beistelltisch aus massivem Aluminium schlägt da eine ganz andere Tonart an. 

Kontrastprogramm: Hocker „Rotben“ aus Aluminium und Bronze verzichtet auf Hygge-Gefühle.
Kontrastprogramm: Hocker „Rotben“ aus Aluminium und Bronze verzichtet auf Hygge-Gefühle. Foto: Ferm Living

Roh, grob, schwer, eher Heavy Metal als Hygge. Die junge norwegische Designerin Anna Maria Øfstedal Eng hatte „Rotben“ ursprünglich als Einzelstück mit schwerem Gerät aus Eschenholz herausgesägt. Erstmals zu sehen war der knubbelbeinige Tisch im Februar dieses Jahres bei der Nachwuchsausstellung der Stockholmer Möbelmesse. Die Scandi-Marke Ferm Living, normalerweise eher aus der Kuschelfraktion, lässt ihn nun in Serie herstellen, gegossen aus zu hundert Prozent recyceltem Aluminium, dazu mit Bronze beschichtet und matt lackiert. So stabil wie Rotben aussieht, ist er übrigens auch: Er spielt locker eine Doppelrolle als Hocker und trotzt im Garten oder auf dem Balkon dem Wetter.


Signalwirkung

Zuletzt hieß es öfter, jetzt kämen die siebziger Jahre zurück ins Interiordesign. Die Vorboten des Trends sind Braun- und Orangetöne in allen Schattierungen und Bezüge aus Cord, wie sie bei vielen Marken zu sehen sind. 

Seventies Vibes: An der Leuchte „Signal“ wirken die Stilelemente der Siebziger zeitgenössisch.
Seventies Vibes: An der Leuchte „Signal“ wirken die Stilelemente der Siebziger zeitgenössisch. Foto: Raawii

Weniger nostalgisch wirkt da diese neue Tischleuchte aus Keramik von der jungen Kopenhagener Marke Raawii. „Signal“ strahlt mit ihrer kreisrunden Öffnung und den weichen Kanten zwar Seventies Vibes aus, zumal in kräftigem Rot oder Gelb. Auch das Material Keramik, eine Spezialität von Raawii, erinnert an diese Zeit. Doch der Entwurf des jungen Schweizer Designstudios Panter&Tourron ist in seiner Einfachheit ganz zeitgenössisch. Und nebenbei ein Statement gegen technisch hochgerüstete Leuchten im Zuhause. Statt einer fest eingebauten LED-Lichtquelle gibt es lediglich eine gute, alte E27-Fassung. So kann das Leuchtmittel jederzeit einfach ausgetauscht werden, wenn es kaputtgeht. Wie damals eben.


Der Ordnung halber

Das Arbeiten im Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Wenn der Job es erlaubt, teilen immer mehr Menschen ihre Tätigkeit zwischen dem Büro und dem Zuhause auf. 

Hat System: Das Schalenset hilft, Ordnung in das Chaos auf dem Schreibtisch zu bringen.
Hat System: Das Schalenset hilft, Ordnung in das Chaos auf dem Schreibtisch zu bringen. Foto: Muuto

Zeit wird es also, dass wir uns auch im Heimbüro einen vernünftigen Arbeitsplatz einrichten. Der erste Schritt: Ordnung schaffen, damit Stromrechnungen, Einkaufszettel und dringende Akten nicht durcheinandergeraten. Umso besser, wenn die Ordnung dann auch noch so gut aussieht wie mit diesem stapelbaren Schalenset namens „Arrange“ nach einem Entwurf des Schweizer Design-Trios Big-Game für Muuto. „Arrange“ gibt es in drei Größen und Farben mit zwei verschiedenen Deckeln. Die Schalen bestehen aus recyceltem Polypropylen, gewonnen aus europäischem Hausmüll, die Deckel sind aus Kork oder eloxiertem Aluminium gefertigt. So macht die neue Schreibtischausstattung die bessere Umweltbilanz der Heimarbeit nicht gleich wieder zunichte.


Entscheidungshilfe

Es heißt nicht umsonst Qual der Wahl. Wer sich zum Beispiel Stauraum schaffen will mit dem modularen System des dänischen Herstellers Montana, freut sich über die schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten des Systems. 

Unbegrenzte Möglichkeiten: Das modulare Schranksystem schafft ausreichend Stauraum.
Unbegrenzte Möglichkeiten: Das modulare Schranksystem schafft ausreichend Stauraum. Foto: Montana/ Yellows.dk

Aber wenn alles möglich scheint, wie soll man sich bloß entscheiden? Montana bietet deshalb auch vorkonfigurierte Lösungen an wie das neue „Montana Mega“, ein frei stehendes Stauraummöbel in neun Varianten. Drei Varianten haben geschlossene Fronten, drei sind eine Kombination aus offen und geschlossen und drei ganz offen – eine überschaubare Auswahl. Doch bei den Farben wird es doch wieder kompliziert. 40 Töne stehen für Korpus, Front und Griff zur Verfügung, von wild-bunt bis monochrom ist alles machbar. Immerhin, um die Umweltverträglichkeit muss man sich weniger Sorgen machen: Die Module sind mit Farben auf Wasserbasis lackiert und das ganze Programm mit dem „EU-Ecolabel“ zertifiziert.


 

 

Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 02.10.2020 11:45 Uhr