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Neue Vogelhäuser : Piepshow im Wintergarten

Mit Durchblick: Der gläserne Futterring von Eva Solo setzt auf Formschönheit und Transparenz. Bild: Eva Solo

Vogelhäuser haben ihr biederes Image abgestreift. Die neuen Modelle setzen auf elegante Formen und moderne Materialien. Gefällt das auch den Vögeln oder nur ihren Gastgebern?

          Füttern oder nicht füttern, das ist unter Vogelschützern eine Glaubensfrage - und die Antwort hoch umstritten. Die einen sagen, man greife mit künstlichen Futterquellen unzulässig in den Kreislauf der Natur ein, das mache Vögel faul und träge. Selbst eine ausgewogene Futtermischung könne tierisches Eiweiß nicht ersetzen, das die Flugtiere aus Insekten aufnehmen. Die anderen halten neuerdings dagegen, man müsse sogar ganzjährig füttern, denn Wildvögel fänden wegen landwirtschaftlicher Monokultur und bebauter Flächen immer weniger natürliche Lebensräume und damit Nahrung.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Einigen können sich die Experten zumindest darauf, dass es nicht schadet, Amsel, Rotkehlchen und Blaumeise etwas Futter hinzustellen, dass es ihnen im Winter, wenn es fröstelt, sogar beim Überleben helfen kann. Auch wenn sich der Naturfreund nicht einbilden sollte, auf diesem Weg bedrohte Vogelarten zu retten. Außerdem ist es so schön, vom Fenster aus das bunte Treiben zu beobachten, da fühlt man sich gleich ein wenig naturverbundener und lernt endlich mal, eine Kohl- von einer Blaumeise zu unterscheiden.

          Auch aus Sicht des guten Geschmacks spricht nichts mehr dagegen, den Wildvögeln im eigenen Garten ein Zuhause anzubieten. Vorbei die Zeiten, in denen Nistkasten oder Futterstellen für die gefiederten Freunde einer Schwarzwaldhütte oder einem Geräteschuppen glichen - zusammengezimmert aus Birkenholz, Dachpappe und Pressspan. Der Vogelversteher von heute setzt höhere ästhetische Maßstäbe an die Mini-Behausung. Am besten passt sie gleich zu seiner eigenen. Und die Hersteller und Designer kommen diesem Wunsch gern entgegen.

          Getreu dem Motto "weniger ist mehr" kommt zum Beispiel das Modell VHT-1 im Bauhausstil daher; laut Hersteller Opossum aus nur einem Stück Aluminiumblech lasergeschnitten. Mit seiner eleganten Silhouette, entworfen von Richard Sinnig, bietet der offene Grundriss auch Platz für größere Vögel. Unter dem breiten Flachdach geschützt liegen die Körnchen, darauf steht eine frostsichere Porzellanschale als Tränke. Ein Ast, der sich durch zwei Löcher hindurchstecken lässt, dient als Landehilfe. Es stellt sich nur die Frage, ob die Vögel ihren Futterplatz nicht mit dem stillen Örtchen verwechseln und ihn verunreinigen.

          Wie ein Flugobjekt aus den unendlichen Weiten des Weltraums wirkt dagegen das Vogelfutterhaus PI:P: ein ovales Gebilde, glänzend weiß, mit zwei ebensolchen Öffnungen. Dem deutschen Hersteller Koziol zufolge wurde bei der Entwicklung auf eine ornithologisch korrekte Fütterung geachtet. Ein Silo im Herzen des Raumschiffs spendet nur so viel Futter, wie die hungrigen Schnäbel verdrücken, und verhindert, dass die Besucher auf ihrem Essen herumspazieren. Auch der Sitzrand soll für die Vögel besonders ergonomisch sein. Im Faden an den Baum gehängt, geht es auch als spaceige Christbaumkugel durch.

          Stylisch, aber kaum wetterfest: Vogelfutterstation „Dish of Desire“ von Frederik Roijé Bilderstrecke

          Transparenz ist Trumpf bei den Futterutensilien der dänischen Designmarke Eva Solo. Der Futterring aus Glas, entworfen haben ihn Claus Jensen und Henrik Holbaek von Tools Design, besticht durch seine schlichte, schöne Form und lässt sich überall dort befestigen, wo Vögel sich gern niederlassen - an Bäumen, Sträuchern oder Dachrinnen. Die Tiere nehmen auf dem innen offenen Ring Platz und picken sich die Körner heraus. Eine Futtersäule gibt es ebenfalls im Programm wie einen geschlossenen Futterring, der sich direkt an der Fensterscheibe befestigen lässt. Das ist schön für alle Zaungäste hinter der Scheibe, die die Vögel aus der Nähe betrachten möchten - hoffentlich schaffen sie es, im Landeanflug frühzeitig genug abzustoppen. Zu Tisch bittet der niederländische Designer Frederik Roijé mit seiner besonders eigenwilligen Futterinstallation "Dish of Desire". Nicht nur ein Haus, sondern ein ganzes System aus aufeinander abgestimmten Elementen soll es darstellen, aus denen, richtig kombiniert, elegante Arrangements aus Tellern und Hauben entstehen. Was mit dem Futter passiert, wenn es mal regnet, schneit oder stürmt, wurde aber offenbar nicht bedacht.

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