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Ferienhäuser : Schweden lockt trotz steigender Preise

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Ausländer entdecken die Reize des skandinavischen Landes Bild: Helge Sobik

Deutsche Ferienhausbesitzer fühlen sich nach wie vor im südschwedischen Småland wohl. Doch allzu einsam wollen sie inzwischen nicht mehr wohnen.

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          Wer von seiner eigenen Villa Kunterbunt in Schweden träumt, muss nicht so viel Geld wie Pippi Langstrumpf haben. Auch wenn die Immobilienpreise in dem skandinavischen Land 2010 um 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind, ist der Traum vom Eigenheim aus deutscher Sicht immer noch erschwinglich: Im Durchschnitt mussten Immobilienkäufer 1,3 Millionen schwedische Kronen, das sind gut 140.000 Euro, für eine Wohnung oder ein Haus berappen, in Stockholm waren es 2,1 Millionen Kronen, umgerechnet knapp 230.000 Euro. Allerdings warnen Ökonomen davor, dass die schwedische Immobilienblase bald platzt und die Preise deutlich sinken werden.

          In den vergangenen Jahren wurde nicht nur der Wohnraum teurer. Auch die Preise für Freizeithäuser legten von Juli 2010 bis Juni 2011 noch einmal um durchschnittlich 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Verkauft wurden in diesen zwölf Monaten 5406 Ferienimmobilien, wie die Statistik des Maklerverbundes ausweist. Durchschnittlich kostete ein Häuschen demnach 1,386 Millionen Kronen, knapp 150.000 Euro. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von gut 2300 Euro.

          Eindeutige Präferenzen

          Ungeachtet der steigenden Preisen entdeckten immer mehr Ausländer die Reize der eigenen vier Wände im Land der Mitternachtssonne. Und: Anders als im Nachbarland Dänemark, in dem ausländische Interessenten keine Ferienhäuser kaufen dürfen, sind die Schweden durchaus fremdenfreundlich. Im vergangenen Jahr waren gut 34.000 Ferienhäuschen in ausländischem Besitz, 3 Prozent mehr als 2009 und sogar 12 Prozent mehr als noch 2007. Inzwischen sind somit gut 6 Prozent aller Freizeithäuschen in ausländischer Hand.

          Dabei haben vor allem drei Nationen ihren Traum vom Haus in Schweden wahr gemacht und bilden zusammen den stattlichen Anteil von 88 Prozent aller ausländischen Eigentümer. Die Dänen besitzen mit rund 11.500 Ferienimmobilien in ihrem Nachbarland die meisten Häuschen, gefolgt von den Deutschen mit rund 9900 und den Norwegern, auf die knapp 8700 Ferienimmobilien entfallen. Dann folgen mit großem Abstand die Niederländer, die es auf 1370 Freizeitheime bringen. Der Vollständigkeit halber seien noch die Briten mit 443, die Schweizer mit 286 und die Finnen mit 251 Häusern genannt.

          Was den Standort des eigenen Feriendomizils angeht, gibt es eindeutige Präferenzen unter den Ausländern. Am beliebtesten ist bei den Nicht-Schweden die Provinz Kronoberg („Kronobergs Län“), dort haben knapp vier von zehn ausländischen Immobilienbesitzern ihr Feriendomizil gewählt. Zusammengerechnet mit den 15 Prozent, die in der nördlich angrenzenden Provinz Jönköping in ihr Ferienglück investiert haben, sind somit gut die Hälfte der ausländischen Hauseigentümer im südschwedischen Småland beheimatet.

          Das mag sicherlich vor allem der Nähe zur Heimat der Dänen und Deutschen geschuldet sein. Denn auf der anderen Seite ist mit 22 Prozent die zweitbeliebteste Provinz der ausländischen Immobilienbesitzer Värmland, das im Westen an Norwegen grenzt. Vermutlich fühlen sich die Ausländer aber auch deshalb im Süden Schwedens so wohl, weil Småland mit seinen großen Nadelwäldern, vielen Seen und ausgedehnten Mooren als typisch skandinavisch gilt. Denn das Bild vom hohen Norden etwa der Deutschen ist nicht zuletzt von den beiden bekannten Schweden geprägt, die aus Småland stammen: Hier liegt die Gemeinde Älmhult, die Heimat von Ingvar Kamprad und somit die Wiege des Möbelhauses Ikea.

          Aus dem småländischen Vimmerby stammt die Schriftstellerin Astrid Lindgren, deren Roman „Michel aus Lönneberga“ das smålandische Dorf rund um den Globus bekannt machte. Heute können kleine und große Literaturfans im Erlebnispark „Astrid Lindgrens Värld“ neben dem Katthulthof aus Lönneberga auch die Schauplätze weiterer Erzählungen der Geschichtenerzählerin besuchen, darunter etwa die Mattisburg aus „Ronja Räubertochter“, „Bullerbü“ und die Villa Kunterbunt aus „Pippi Langstrumpf“.

          Die schwedische Postkartenidylle

          Neben den drei Lieblingsprovinzen der ausländischen Häuschenkäufer, Kronoberg, Jönköping und Värmland, ist der Rest des Landes eher dünn von Auswärtigen besiedelt: In 13 Provinzen Schwedens liegt der Anteil ausländischer Freizeithausbesitzer unter der Fünf-Prozent-Marke; in Stockholm, Uppsala und der Insel Gotland beispielsweise sogar bei weniger als einem Prozent.

          Doch die ausländische Nachfrage schlägt sich – zum Glück für die Schweden-Begeisterten – nicht unbedingt in den Preisen nieder: Während die Ferienimmobilien in Kronoberg und Värmland vergleichsweise erschwinglich sind, sind sie im Bezirk Stockholm und auf der Ostseeinsel Gotland am höchsten. Rund um die schwedische Hauptstadt lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis für ein Ferienhäuschen zwischen Juli 2010 und Juni 2011 bei umgerechnet knapp 3600 Euro, auf der malerischen, mittelalterlich geprägten Insel Gotland bei gut 2800 Euro. Hingegen zahlte ein Ferienhausbesitzer in Kronoberg und Värmland statistisch gesehen im gleichen Zeitraum „nur“ rund 1300 Euro je Quadratmeter.

          Das liegt aber nicht unbedingt an der einfachen Ausstattung der Häuschen auf dem Land. Denn auch wenn es die Deutschen in die schwedische Postkartenidylle zieht, leben den Traum, wie Michel aus Lönneberga in einem „typisch schwedischen“ roten Häuschen fernab der Zivilisation zu leben, derzeit die Dänen lieber. Makler beobachten vielmehr, dass die Deutschen zunehmend mehr Spaß an moderneren Häusern haben, die am Rande eines Dorfes liegen.

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