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Urlaub vor AirBnB und Co. : Damals in fremden Betten

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Wie die Ferienunterkunft genau aussah, blieb früher bis zur Anreise eine Überraschung. Bild: dpa

Wohnabenteuer auf Zeit sind das Salz in der Suppe des Alltags. Besonders aufregend waren sie, als im Internet noch nicht jeder Winkel des Feriendomizils vorab inspiziert werden konnte.

          Der Traum: eine Almhütte, einsam in Gipfelhöhe, mit rot-weiß karierter Gemütlichkeit und dem Duft von Zedernholz. Wiesen voller Arnika und Alpenröschen, einem dunkelgrünen Gebirgsbach und Kühen, die das Lied der Berge bimmeln.

          Die Wirklichkeit: eine 08/15-Bude jenseits aller Zivilisation. Die Betten waren klamm, es roch muffig, und die Einrichtung strotzte nur so vor Lieblosigkeit und schlechtem Geschmack. „Schönreden“ konnte man dieses Zuhause auf Zeit beim besten Willen auch mit den mitgebrachten Kerzen und Kissen nicht und dem eiligst gepflückten Enzianstrauß. Und selbst das Argument „die meiste Zeit sind wir ja draußen“ zog spätestens bei prasselndem Regen ebenfalls nicht mehr. Nachts rüttelte ein Sturm an den Fensterläden, und jeden Morgen standen die Kühe in einer Formation stramm und stumm – als lebendiges Bollwerk gegen den Wind.

          Der nächste Traum: die Sehnsucht nach Meer und nach drei Wochen Wohnglück in einem romantischen Ferienhaus im Süden. Frühstück auf der Terrasse unter schattigem Weinlaub, im Garten knorrige Olivenbäume, ein paar Schritte durch feinen Sand bis zum Strand, abends der allerschönste Sonnenuntergang und später die wundervollen Betten.

          Der Duft von wildem Thymian und schwitzenden Eseln

          Die Wirklichkeit: In der Ferienwohnung „Residenza“ auf Elba, bei der resoluten Angelina, gab es immerhin den Meeresblick, aber weit und breit keinen Pudersand, dafür Felsbrocken und Kieselsteine. Aber man konnte den wilden Thymian riechen, dessen Duft sich mit dem Schweiß der beiden kleinen, struppigen Esel vermischte.

          Die Wände in der Ferienwohnung schimmerten schmutzig-rosa marmoriert, und die braunen Schränke sahen schäbig und abgewetzt aus. Es gab nur ein Schlafzimmer und eine Küche mit Blick auf einen prächtigen Kronleuchter mit kristallenen Glitzertropfen, die am Abend zarte Bordürenmuster auf die rissige Decke malten.

          Angelinas Mann Luigi mit den grauen Bartstoppeln, den Zahnstummeln und dem asthmatischen Dauerhusten spendete uns jeden Abend einen Krug Wein aus dem eigenen Weinberg, den wir begeistert schlürften, bis wir eines Tages beobachteten, wie Luigi unten im Kellergewölbe keuchend und schwer einatmend einen kleinen Schlauch in seinen Mund nahm, um damit den Rotwein aus dem großen Fass in den Krug abzufüllen, während er bei dem ganzen Vorgang tief schnaufen, husten und rülpsen musste.

          Ebenfalls auf Elba gab es die herrschaftliche Villa „Ottone“, die wir einige Jahre später zu unserem Ziel erwählten.Von außen sah sie wie ein Palazzo in Venedig aus, nur innen, in den Zimmern mit den eleganten Stuckdecken und den zerschlissenen Samt- und Seidenvorhängen, standen ordinäre Putzeimer, um bei Regen das Wasser aufzufangen, das von der Decke in Strömen herunterlief.

          Ein Bordell mit „Bed and Breakfast“

          Die ehemals weißen Sonnenschirme auf der Terrasse waren so grau wie die vielen Katzen, die im Park umherhuschten, und das Frühstück machte wenig Lust auf ein längeres genussvolles Verweilen. Aber vom Kaffeetisch aus konnten wir das Meer sehen, die Zikaden hören und den Duft der Tamariskenbäume einatmen.

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